Auch diesmal war das wahre Ziel ein Braunkohlekraftwerk – nach einem Anschlag auf ein Umspannwerk bei Köln mussten fünf Kraftwerksblöcke von RWE in Bergheim und Grevenbroich vom Netz gehen. In der Nähe des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde war erst am Dienstag ein Anschlag auf ein Umspannwerk erfolgt, das den Strom aus Jänschwalde in das Netz einspeist.
Der nordrheinwestfälische Innenminister Herbert Reul klassifizierte den Kölner Anschlag sofort: "Es besteht der Anfangsverdacht einer verfassungsfeindlichen Sabotage", erklärte er, und fügte hinzu, es werde in zwei Richtungen ermittelt: "fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus".
Der Kurzschluss in Bergheim wurde wohl mit einer ähnlichen Technik ausgelöst wie in Brandenburg, wo sie jedoch versagte – es wird angenommen, dass vorgefundene Pyrotechnik genutzt wurde, um einen Draht in die Höhe zu schießen, der dann einen Kurzschluss zwischen zwei Leitungen herstellte.
In Brandenburg wird inzwischen wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung ermittelt. Auch gegen die Vulkangruppe, die Anfang Januar einen Anschlag auf das Berliner Stromnetz durchführte, wird unter diesem Verdacht ermittelt – bisher allerdings noch ohne Ergebnis.
Braunkohlekraftwerke sind seit Jahren bevorzugte Ziele der Proteste von Klimaschützern. Ein Beispiel dafür war Ende Gelände, das sich auch gegen das Kraftwerk Niederaußem bei Bergheim wandte, das Ziel des erneuten Anschlags war. Auch Jänschwalde war 2022 Objekt von Protesten durch Ende Gelände. Deren Aktionen schlossen auch Blockaden, Besetzungen und Aktionen, bei denen sich Protestierende festketteten, ein. Nachdem der Kohleausstieg inzwischen politisch beschlossen ist, hat sich die Gruppe zuletzt auf Baustellen für Gaskraftwerke gestürzt. Allerdings könnte genau diese Entwicklung dazu geführt haben, dass sich ein kleiner, radikaler Teil abgespalten hat, der nun zu anderen Mitteln greift.
Dass der Innenminister von NRW außerdem die derzeit so beliebte "fremdstaatlich gelenkte Sabotage" erwähnte, könnte nicht nur ein Zugeständnis an die politische Mode sein oder ein Versuch, dem grünen Koalitionspartner Ungemach zu ersparen (die grüne Energieministerin Mona Neubaur sprach davon, bei zwei derartigen Vorfällen handle es sich um eine "Frage der nationalen Sicherheit"). Bisher liegt für keinen der beiden Anschläge ein Bekennerschreiben vor. Die letzten Einträge auf der dafür beliebten Webseite Indymedia befassen sich mit der Verhinderung von Rechenzentren und einem Anschlag auf Heidelberger Beton. Das "Kommando Angry Birds", das mehrfach in NRW Sabotageakte an Bahnstrecken durchführte, meldete sich zuletzt Mitte Juli zur Sabotage einer Bahnstrecke bei Leverkusen. Beim Berliner Anschlag auf die Stromversorgung war das Bekennerschreiben sehr schnell veröffentlicht worden.
Inzwischen meldete sich auch das LKA Baden-Württemberg und teilte mit, die Ermittler würden sich vernetzen. Dort hatte es im Juni bei Reutlingen einen Brandanschlag auf ein Umspannwerk gegeben, in dessen Folge etwa 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom blieben.
Der Verband kommunaler Unternehmen fordert inzwischen einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur.
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