Rheinmetall: Verzögerungen und Qualitätsmängel führen zu Kursverlusten

Gewaltige Rüstungsausgaben sollten gleich mehrere Probleme auf einmal lösen: die Armeen der EU wieder "kriegsfähig" machen und die durch die Deindustrialisierung verlorenen Arbeitsplätze ersetzen. Doch aktuelle Meldungen zu Rheinmetall entlarven diesen Aberglauben.

Viele hatten es ja bereits zu Beginn der Großbestellungen der "Zeitenwende" geunkt, dass zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Weg oft weiter sei als gedacht. Und die Erwartung, die deutsche Rüstungsindustrie könne auf Knopfdruck die Mengen ausspucken, die die kriegslüsterne Politik erwarte, sei unerfüllbar.

Rheinmetall, das aktuelle Vorzeigeunternehmen der deutschen Rüstungsindustrie, lieferte in den letzten Wochen gleich mehrfach den Beleg dafür. Der jüngste Kursverlust von 3,79 Prozent zu Wochenbeginn ist eine Folge davon. In den letzten Monaten hat sich der Aktienkurs, der im Oktober vergangenen Jahres noch bei 2.000 Euro stand, bereits fast halbiert. Trotz eines Auftragsbestands von 80,5 Milliarden Euro in den Büchern. Den übrigen Rüstungskonzernen ging es nicht besser – auch Renk, Hensoldt und TKMS gaben nach. Denn auch bei ihnen wird mit Verzögerungen gerechnet.

Das war die erste Meldung: Zwei größere Rüstungsaufträge, die bereits Ende 2025 ausgeliefert werden sollten, verzögern sich um mindestens elf Monate. "Gründe für Verzögerungen: ungenügende Reife und Qualität", zitierte Capital aus einem entsprechenden Aktenvermerk des Beschaffungsamtes der Bundeswehr. Dabei ging es um 123 Radpanzer des Typs Schwerer Waffenträger Infanterie, die Verteidigungsminister Boris Pistorius für insgesamt 2,7 Milliarden Euro bestellt hatte. Ausnahmsweise ist diese Verzögerung kein deutsches Problem – gebaut werden sie in Australien. Pistorius hatte dieses Werk erst im März besucht.

Der zweite Problemfall ist der Flakpanzer Skyranger 30. Die bestellten Exemplare, die Mitte 2026 geliefert werden sollten, werden voraussichtlich erst ab Mitte 2027 geliefert. Ob das Luftabwehrgeschütz dann auch die Erwartungen erfüllt, ist noch nicht klar. Auch hier gibt es einen entsprechenden Vermerk des Beschaffungsamtes: "Die Performance des Auftragnehmers ist stark verbesserungswürdig." Börse Online, das über diese Vorfälle berichtete, kommentiert: "Börse Online rät bei den Aktien von Rheinmetall aktuell nicht zum Kauf." Das war am 20. August.

Nur wenige Tage später der nächste Schlag: Das Land Berlin will Rheinmetall auf Schadensersatz verklagen. Grund diesmal: Schutzwesten, die 2017 an die Polizei geliefert wurden und für die eine Garantie von zehn Jahren gegeben wurde, hatten bei Beschusstests versagt. Sprich, sie wurden durchlöchert. Die betroffenen Keramikplatten gehören zur Schutzklasse vier, sollen also auch Beschuss durch Sturmgewehre auffangen können. Sie wiegen zwei bis drei Kilogramm und werden nur dann in die Schutzweste gesteckt, wenn entsprechende Angriffe befürchtet werden. Die vorhandenen 5.200 Platten wurden eingezogen. Das Land hat 2.000 neue Platten für 1,2 Millionen Euro bestellt, will aber die Verluste ersetzt bekommen. Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger nannte das Ganze einen "skandalösen" Vorgang.

Rheinmetall wird am 5. November seine nächsten Quartalszahlen veröffentlichen. Die oben erwähnten Meldungen könnten, sollte es Hinweise auf weitere Probleme geben, die Bewertung des Rüstungsunternehmens weiter beeinträchtigen. Immerhin wurden im Rahmen der betriebenen Aufrüstung nach den oben erwähnten Aufträgen noch weit größere Aufträge vergeben. Die bereits bekannten Verzögerungen dürften Zweifel daran wecken, ob Rheinmetall und seine Konkurrenten überhaupt imstande sind, die Menge an zusätzlichen Aufträgen zu bewältigen.

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