VW: Gewerkschaft will gegen Kahlschlag kämpfen

Keine Einigung im Aufsichtsrat und neun Betriebsversammlungen – VW steckt tief in der Krise, aber um den Weg heraus wird heftig gestritten. Im kommenden Jahr könnte sich dieser Streit noch einmal deutlich verschärfen. Gewerkschaftsvertreter klingen martialisch.

In Hannover fand heute die letzte einer Reihe von Betriebsversammlungen in deutschen VW-Werken statt. Die Konzernleitung reagiert auf die Krise mit Sparmaßnahmen – die womöglich das Ende mehrerer deutscher VW-Werke bedeuten. Die Beschäftigtenvertreter kündigen Widerstand an.

Der Volkswagen-Konzern ist von der tiefen Krise der deutschen Automobilbauer stärker getroffen als seine Konkurrenz. Allein in diesem Jahr ist der Aktienkurs aufgrund der schlechten Ergebnisse um 30 Prozent gefallen. Im Verlauf der letzten fünf Jahre waren es sogar über 60 Prozent, verglichen mit etwa 25 Prozent bei Daimler-Benz und BMW. Schon im Frühjahr war die Rede von der Streichung von 50.000 Stellen; mittlerweile sollen es deutlich mehr werden.

Aber der Konzernvorstand konnte sich bisher im Aufsichtsrat nicht durchsetzen. Die Beschäftigtenvertreter und die Vertreter des Landes Niedersachsen, das Anteile an VW hält, waren sich in ihrer Ablehnung einig und beriefen sich dabei auch auf eine geltende Betriebsvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen bis 2030 ausschließt.

Die Anteile des Bundeslandes Niedersachsen beruhen auf der Geschichte des VW-Konzerns, woran Thorsten Gröger, Bezirkschef der IG Metall, gerade erst wieder erinnerte: "Volkswagen wurde mit dem Vermögen aufgebaut, das die Nationalsozialisten den Gewerkschaften verbrecherisch geraubt hatten. Wer diese Geschichte kennt, sollte sich seiner besonderen Verantwortung gegenüber den Beschäftigten bewusst sein."

Der Vorstand, so Gröger, arbeite mit der Abrissbirne, und wolle Standorte "für immer von der VW-Landkarte verschwinden" lassen. Die dem Nutzfahrzeugwerk in Hannover vom Vorstand vorgeworfene schlechte Auslastung sei unter anderem eine Folge dessen, dass der VW-Transporter bereits seit 2024 in der Türkei produziert werde. Auch die Werke in Emden und Zwickau sind bedroht, und in Osnabrück sollen Rüstungsgüter die Automobilproduktion ersetzen.

Mittlerweile gibt es bereits Spekulationen, der VW-Vorstand könne seine Sparpläne auf dem Weg einer außerordentlichen Hauptversammlung am Aufsichtsrat vorbei beschließen lassen. Gröger erklärte dazu, er halte das "für einen unglaublichen Vorgang".

Auch auf den Betriebsversammlungen erhielten die Beschäftigten keine genaueren Informationen darüber, was der Vorstand nun tatsächlich vorhat. Klar ist nur, von den zusätzlich geplanten weiteren 50.000 Stellenstreichungen soll die Hälfte auf Deutschland entfallen.

Finanzvorstand Arno Antlitz, der sich in Hannover der Belegschaft stellte, erklärte: "Aufgrund der großen Kostenunterschiede zu anderen europäischen Werken haben wir – aus heutiger Sicht – für vier deutsche Standorte keine wirtschaftliche Nachbelegung, wenn die aktuellen Produkte Anfang der 30er Jahre auslaufen."

Neben den US-Zöllen, die Exporte in die USA deutlich verteuern, und dem Wegbrechen des einst bedeutenden Absatzmarkts China, der inzwischen von dortigen Fabrikaten beherrscht wird, und dem EU-Zwang hin zu Elektrofahrzeugen, die für die klassischen VW-Käufer zu teuer sind, spielt natürlich in der Krise der Automobilproduktion noch ein weiteres Thema eine Rolle, das ungern erwähnt wird: die hohen Energiekosten in Deutschland.

Die Vorstandsvertreter wurden heute in Hannover mit Pfiffen und Buhrufen empfangen. Am Freitag wird es die nächste Sitzung des Aufsichtsrats geben, in der die Auseinandersetzung um die Sparpläne fortgesetzt wird. Bis Jahresende gilt für die Gewerkschaft noch eine Friedenspflicht. Aber dann dürften auch Warnstreiks beginnen. Sollte die Beschäftigungsgarantie bis 2030 nicht eingehalten werden, kündigte Gröger deutliche Reaktionen an: "Wenn der Vorstand diese Vereinbarung heute wieder infrage stellen will, dann wird der Werkboden an allen Standorten brennen."

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