Leben mit der Roten Armee – Teil 6: "Meistens kamen wir gut zurecht"

Mit der heutigen Folge 6 beenden wir unsere Leserbriefaktion. Es kamen zwar nicht so viele Briefe, wie wir gehofft hatten, und wir haben jede Zuschrift veröffentlicht. Es waren ehrliche und herzliche Zuschriften dabei und wir danken jedem und jeder für die geteilten Erinnerungen.

Frühere Folgen: Folge 1Folge 2Folge 3Folge 4; Folge 5

"Es war eine schöne Zeit" (Leserbrief von Jule, 24.08.2026)

Zum Leserbrief von Marion Wohlrabe, 22.08.2026

Dem Leserbrief kann ich nur zustimmen. Wir hatten viele russische Freunde durch meinen Vater. Er sprach perfekt Russisch und arbeitete mit ihnen zusammen. Als kleines Mädchen sang ich unseren Freunden auf Tonband deutsche Kinderlieder, was sie sehr begeisterte. Es war eine sehr schöne Zeit, die ich bis heute in meinem Herzen bewahre.

Eine Wolgakreuzfahrt begeisterte mich aufs Neue über die Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Schade, dass man uns dies nun von Deutschland aus verwehrt. Ich hoffe sehr, dass wir bald wieder mit Russland Freundschaft halten und das nicht nur mit Worten. Tausend Grüße an das russische Volk vom deutschen Volk.

"Vielleicht erinnern sich Angehörige der sowjetischen Armee an das Treffen" (Leserbrief von Peter Ziegert, 24.08.2026)

Waffenbrüderschaft zwischen NVA und Sowjetarmee. Zum 70. Jahrestag 1977: gemeinsame Feier in Werneuchen. Schade, Bild lässt sich nicht einfügen. Vielleicht erinnern sich Angehörige der sowjetischen Armee an das Treffen 1977 in Werneuchen.

"Diensthabende Offiziere winkten uns einfach durch" (Leserbrief von Anton G., 30.08.2026)

Meine Großmutter hatte mir zu ihren Lebzeiten über ihre erste Begegnung mit sowjetischen Soldaten erzählt. Es war in Zeuthen bei Berlin im April 1945. Als sie einrückten, durchsuchten die Soldaten Häuser nach Wehrmachtsangehörigen. Auch in das Haus, wo die Großmutter mit meinem damals noch kleinen Vater war, drangen sie ein. Als sie jedoch das kleine Kind, meinen Vater, sahen, drückten sie ihm ein paar Würfel Zucker in die Hand, entschuldigten sich vor meiner Großmutter und gingen wieder. Etwas Schlechtes hatte sie nicht zu berichten, aus keinem der folgenden fast 50 Jahre.

Ich selbst erinnere mich vor allem an die sowjetischen Läden. Einige waren frei zugänglich, andere waren zwar hinter Garnisonsmauern, aber uns Kinder und Jugendliche winkten diensthabende Offiziere oft einfach durch. Es gab da auch leckere Sachen, die man aus Konsum und HO nicht kannte, wie die duftenden Prjaniki oder Nüsse in roter Karamellglasur. Meine Mutter ging dort ebenfalls ab und zu einkaufen. Auch an Konzerte des Garnisonsorchesters kann ich mich erinnern, aber da war ich noch ein kleiner Junge.

Es gab manchmal Streit mit den sowjetischen Kindern, wir prügelten uns, wofür die dann großen Ärger bekamen, egal, wer schuld war. Aber meistens kamen wir gut zurecht, es gab auch Freundschaften.

Damit ist unsere Leserbriefaktion zu Erinnerungen an die Stationierung der Sowjetischen Armee in der DDR und im wiedervereinigten Deutschland bis 1994 beendet. Wir danken für alle Zuschriften!

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