Die Linke-Fraktionschefin Heidi Reichinnek erklärte im Rahmen gleichlautender Agenturmeldungen, was sie aus dem politischen Berlin beobachtend von den kommenden zwei Landtagswahlen in Ostdeutschland erwartet und wie sie eine theoretische Zusammenarbeit mit der CDU einschätzt. Die Bundestagsabgeordnete koppelt mögliche Koalitionsofferten in Sachsen-Anhalt mit eindeutigen Forderungen an die CDU. Die Linke werde demnach mit niemandem kooperieren, "der am Ende AfD-Politik umsetzen will".
Diese Forderungen äußerte die Linken-Politikerin in einem Interview mit der Augsburger Allgemeine. Laut Darlegungen habe sie zur Einschätzung der gesellschaftspolitischen Lage in den vergangenen Monaten "noch mehr Zeit als sonst in Sachsen-Anhalt verbracht", so Reichinnek.
Sie habe demnach "so viele Menschen kennengelernt, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, die alles dafür tun, dass die AfD nicht an die Macht kommt". Die Definition meist westdeutsch geprägter Wahrnehmung zu dem Bundesland entspräche dabei nicht der ihrer persönlichen Erfahrungen. So lautet der Vorwurf:
"Die Erzählung vom braunen Osten, davon, dass die AfD unaufhaltsam sei – die stimmt nicht und sie nimmt diesen Menschen noch jede Hoffnung, jeden Rückenwind."
Zum Thema politischer Realitäten gab sie zu Protokoll, dass die CDU in Sachsen und Thüringen bereits erfolgreich "faktisch mit der Linken zusammenarbeite". Im Hinblick auf die Dynamiken nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, kritisierte Reichinnek den dort vorliegenden Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU für eine mögliche Kooperation mit der Linken. Dazu führt sie monierend weiter aus:
"Dass die Union ihre Brandmauer zur Linken weiter hochzieht, während sie die zur AfD Stück für Stück zertrümmert, sagt ja auch eine Menge über diese Partei aus."
Zum Thema einer Zusammenarbeit mit der CDU gibt Reichinnek dann wörtlich zu Protokoll:
"Ich sage nochmal deutlich: Auch bei uns ist niemand begeistert von einer solchen Zusammenarbeit. Der Ball liegt aber bei der Union. Wir werden mit niemandem zusammenarbeiten, der am Ende AfD-Politik umsetzen will. Wir wollen Verbesserungen für die Menschen."
Eine weitere Kritik lautet, dass "viele Medien der AfD zu viel Macht mit ihrer Berichterstattung geben" würden. Stattdessen sollten "Menschen auf die Titelseiten", die sich vor Ort aktiv "für Demokratie einsetzten". Ihre Vorwürfe bezüglich der AfD‑Wahlkampfpolitik lauten in dem Interview unter anderem:
"Darum geht es: den Leuten ganz klar zu zeigen, dass ein Kreuz, das sie bei der AfD machen, Haken bekommt. Diese Partei würde das Leben der meisten Menschen in Sachsen-Anhalt schlechter machen. Weil sie sich nicht für armutsfeste Mindestlöhne interessiert, sondern sie bekämpft. Weil ihr, obwohl sie immer behauptet, eine Ostpartei zu sein, die Angleichung von Löhnen in Ost und West egal ist."
Sachsen-Anhalt sei zudem entgegen den AfD-Wahrnehmungen "auf Einwanderung angewiesen, um beispielsweise das Gesundheitswesen am Laufen zu halten".
Reichinnek benennt auch eine unmittelbare Mitschuld der Bundesregierung für die andauernden hohen Umfragewerte der AfD. Der Acht-Stunden-Tag werde angegriffen, "die gesetzliche Rente wird sturmreif geschossen", die Gesundheitsversorgung und die Pflegeversicherung würden permanent teurer, "dafür aber schlechter", so die Kritik. Für die Linken gelte, dass sie diese Themen "beackern" und "wir halten konsequent dagegen und organisieren Widerstand – vor allem bieten wir im Gegensatz zur AfD auch konkrete Lösungen und Hilfsangebote".
Politische Forderungen ihrer Partei müssten sich im Rahmen von Koalitionen "klar im Haushalt niederschlagen, denn dort wird es für den Alltag der Menschen konkret", führte die Linke-Politikerin weiter aus, die ursprünglich aus Sachsen-Anhalt stammt.
Sie vertraue ausgehend von ihren Gesprächen mit den Bürgern "auf die Menschen in Sachsen-Anhalt. Ich vertraue darauf, dass die Mehrheit sich für Hoffnung statt Hass entscheidet", so die Linke-Fraktionschefin. Nur eine Stimme für die Linke garantiere "soziale Gerechtigkeit und eine klare rote Haltelinie im Landtag".
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