Ifo-Chef Fuest warnt: Strategische Ölreserven reichen nur für drei Monate

Der Krieg gegen Iran lässt die Kraftstoffpreise steigen und die Ölreserven schrumpfen. Die Regierungen versuchen gegenzusteuern. Angesichts des Aktionismus warnt der Chef des Ifo-Instituts vor Verknappung, steigenden Preisen und der Konkurrenz.

Nicht nur Österreich und Deutschland versuchen, der aus dem Ruder laufenden Kraftstoffpreise Herr zu werden. Etliche Länder greifen auf ihre strategischen Ölreserverven zurück. Nun hat der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, vor den Folgen dieser Maßnahmen gewarnt – und zu einem sparsamen Umgang geraten.

Sollte der Iran-Krieg noch längere Zeit dauern, könnten die internationalen Ölreserven bald knapp werden, meint der Münchner Wirtschaftsforscher. Fuest befürchtet, dass die Vorräte, zumal wenn noch weitere Freigaben im Laufe des Konflikts erfolgen würden, nur bis zum Sommer reichen könnten. Unter der Annahme, dass aufgrund des Krieges ein Viertel des weltweiten Ölangebots wegfallen und die Straße von Hormus geschlossen bleiben sollte, hätte man "weltweit für drei Monate strategische Ölreserven", so Fuest in Berlin.

Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) zitieren den Experten in diesem Zusammenhang mit folgendem Ratschlag:

"Da wir nicht wissen, ob dieser Krieg nicht noch eskaliert und vielleicht sogar noch Monate andauert, kann man durchaus fragen, ob es jetzt schon richtig ist, die Reserven so früh freizugeben."

Internationale Energieagentur greift ein

Am Mittwoch dieser Woche hatte die Internationale Energieagentur (IEA) angekündigt, 400 Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) Rohöl freizugeben (RT DE berichtete). Die Maßnahme soll dem starken Preisanstieg für Rohöl entgegenwirken. Diese Menge entspricht, so Angaben der IEA, etwa einem Drittel der von 32 Staaten – darunter auch Deutschland – angelegten Rohölreserven im Umfang von 1,2 Milliarden Barrel. Zusätzlich hat die Industrie rund 600 Millionen Barrel eingelagert, die von den Unternehmen auf staatliches Verlangen hin freigegeben werden müssen.

Allerdings habe Fuest laut DWN darauf hingewiesen, dass die Ölreserven nicht dafür gedacht seien, Lieferengpässe für eine längeren Zeitraum auszugleichen. Der Ifo-Präsident vertrat die Ansicht, dass "zum gegenwärtigen Zeitpunkt (...) der Energiepreisanstieg noch nicht die ganz großen Probleme" verursache.

Höherer Preisanstieg in Deutschland

Nach Untersuchungen seines des Instituts würden in Deutschland allerdings die Benzin- und Dieselpreise schneller als in den unmittelbaren Nachbarländern Polen, Tschechien, Österreich und Frankreich steigen. Zu diesem Ergebnis war auch die Monopolkommission bereits gekommen.

Fuest habe dazu erklärt:

"Auffällig ist, dass der Preis an der Zapfsäule stärker gestiegen ist, als es durch die Rohölverteuerung allein zu erklären wäre."

Seit dem Jahreswechsel sei es zu einem Presiunterschied in Höhe von rund 20 Cent pro Liter im Vergleich zu den Nachbarländern Deutschlands gekommen. Wettbewerbsverzerrungen vermutete der Ifo-Chef weniger bei den Tankstellen als bei den Raffinerien untereinander. Weil nur wenige Mineralölunternehmen den Markt beherrschen, müsse nun "das Kartellamt genau hinschauen", so Fuest.

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