Kommunalwahlen in Bayern: AfD jagt Söders CSU – "Neger"-Skandal um Münchens OB

Während in Baden-Württemberg die Landtagswahlen laufen, finden am Sonntag die Kommunalwahlen in Bayern statt. Auch hier wird ein Erstarken der AfD erwartet. Münchens Dieter Reiter (SPD) muss sich parallel zur Verwendung des Wortes "Neger" verteidigen.

Bei den Kommunalwahlen in Bayern zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab – zumindest in den großen Städten. Vielerorts hatten um 14.00 Uhr mehr Menschen ihre Stimme abgegeben als bei den bayerischen Kommunalwahlen 2020. 

In Augsburg lag die Wahlbeteiligung um 14:00 Uhr bei 23 Prozent, im Jahr 2020 waren es zu diesem Zeitpunkt 21,8 Prozent. Die Stadt Nürnberg meldete 34 Prozent, allerdings anteilig mit den Briefwahlstimmen (2020: 29,2 Prozent). In Würzburg lagen zunächst nur die Ergebnisse für 12:00 Uhr vor, mit 11,67 Prozent. Die Stadt München bezog in ihre Auswertung alle ausgestellten Wahlscheine für die Briefwahl ein. Hier hatten bis 14:00 Uhr 43 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt, gegenüber 41,9 Prozent im Jahr 2020.

Ein landesweites Ergebnis der Wahl wird deshalb erst im Verlauf der Woche erwartet, die Auszählung dauert wegen des komplexen Wahlsystems länger. Bereits für Sonntag werden aber aus Städten Resultate zu Oberbürgermeisterwahlen erwartet. Für besondere Spannung sorgt, ob in München der Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD eine dritte Amtszeit bekommt. Reiter geriet kurz vor der Wahl wegen eines Aufsichtsratsmandats beim FC Bayern München und einer als rassistisch wahrgenommenen Bemerkung in die Kritik.

Reiter hatte bei der Sitzung des Münchner Stadtrats das Wort "Neger" benutzt. Wortwörtlich sagte Reiter, während er in der Tagesordnung blätterte:

"So, wo samma, sagen die Neger."

Später entschuldigte er sich dafür und nannte seine Äußerung ein Zitat aus einem Stück des verstorbenen Künstlers Fredl Fesl, das ihm spontan über die Lippen gekommen sei. "Es lag mir in keiner Weise daran, Menschen zu verletzen oder abzuwerten."

Auch für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und seine Partei sind die Wahlen ein Stimmungstest. Seit Wochen reist der Ministerpräsident kreuz und quer durch Bayern und macht Wahlkampf für seine CSU, obwohl sein Amt gar nicht auf dem Spiel steht. Söders Ziel ist aber klar: Ein enttäuschendes Ergebnis wie bei der Kommunalwahl in Bayern 2020, als die CSU bayernweit nur 34 Prozent holte, soll dieses Mal verhindert werden.

Der Spielverderber könnte dabei allerdings die AfD werden. Die Partei tritt dieses Mal flächendeckend mit eigenen Listen an – anders als bei früheren Wahlen. Die Rechtskonservativen landeten mit 14 Prozent auf dem zweiten Platz und damit sogar vor dem Koalitionspartner der CSU im Landesparlament, den Freien Wählern, die auf elf Prozent kommen. Es folgen die Grünen mit zehn Prozent und die SPD mit acht Prozent. Für die AfD könnte aber noch deutlich mehr drin sein, wie jüngste Wahlergebnisse gezeigt haben: In bayernweiten Umfragen steht die AfD bei rund 20 Prozent, bei der Bundestagswahl 2025 erreichte sie in einigen ostbayerischen Landkreisen sogar fast 30 Prozent, so die Bild.

Die AfD legte bei der Bundestagswahl 2025 bayernweit um neun Prozentpunkte zu – auf 17,4 Prozent. Die höchsten Erststimmenanteile verzeichnete sie dabei in den Landkreisen Deggendorf (27 Prozent), Schwandorf (27 Prozent) und Straubing (26 Prozent). Es bleibt also spannend, ob dem Freistaat ein "blaues Wunder" droht.

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