Deutschland: Jeder Vierte hat kein Geld zum Sparen

Sparguthaben sind die einfachste Form der privaten Vorsorge. Aber um die Fähigkeit der Deutschen, Rücklagen zu bilden, steht es schon seit langem schlecht. Zumindest für jene, die nicht zum vermögendsten Zehntel gehören. Eine aktuelle Umfrage bestätigte das erneut.

Die niederländische Bank ING beauftragte das Meinungsforschungsinstitut IPSOS, die Deutschen zum Thema Sparen zu befragen. Das Ergebnis ist für die einst als Sparfüchse berüchtigten Deutschen ernüchternd: Von 1.007 Befragten hatten 27 Prozent keinerlei Ersparnisse.

Dass das mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun hat, zeigt sich schon an der Veränderung gegenüber dem Vorjahr. Da waren es noch 23,5 Prozent, die keine Rücklagen hatten.

Die Zahl der Menschen ohne Ersparnisse schwankt in diesen unregelmäßig durchgeführten Befragungen stark. So lag 2022 infolge der Corona-Zeit die Zahl der Befragten ohne Rücklagen sogar bei 30 Prozent, um in den Folgejahren wieder zurückzugehen. In den Umfragen, in denen nachgefragt wurde, warum sie keine Ersparnisse hätten, erwiderten die meisten Befragten, ihr Einkommen sei zu gering. Das war 2022 so gewesen, und das wiederholte sich auch in der aktuellen Umfrage – 46,7 Prozent antworteten, zum Sparen nicht genug Geld zu verdienen. Mehr als jeder Fünfte (22 Prozent) erklärte, die gestiegenen Preise hätten Rücklagen aufgezehrt.

Anhaltend ist ein großer Pessimismus. 17,9 Prozent machen sich nachts Sorgen wegen ihrer finanziellen Lage, und 36,5 Prozent bejahten diesen Satz: "Aufgrund meiner finanziellen Situation habe ich das Gefühl, dass ich nie die Dinge haben werde, die ich mir im Leben wünsche."

Schon seit zehn Jahren liegt nach dieser Umfragereihe der Anteil der Menschen ohne Rücklagen in Deutschland höher als im europäischen Durchschnitt.

Das private Vermögen ist in Deutschland, das sich nach Angaben der Bundesbank auf 9,3 Billionen Euro beläuft, ist extrem ungleich verteilt – die Hälfte befindet sich in den Händen der vermögendsten zehn Prozent. Das sind etwa vier Millionen Haushalte. Der Anteil der unteren Hälfte der Bevölkerung sinkt bereits seit Jahrzehnten; vor allem, weil die Zuwächse durch veränderte Besteuerung wie auch dadurch, dass die Wohlhabenderen Immobilien und Aktien besitzen, ebenfalls vor allem jenen zugute kamen, die ohnehin mehr besitzen.

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