Noch vor einer Woche sah es ganz anders aus, aber nun hat ein SPD-Abgeordneter, Andreas Schwarz, durchgestochen, dass der Auftrag der Bundeswehr für Drohnen in Kürze vergeben werden soll, und dass die Erwählten Stark Defence und Helsing heißen werden, nicht aber Rheinmetall. Allerdings beinhaltet, sofern die Angaben des Abgeordneten stimmen, die Beschlussvorlage, die derzeit beim Finanzministerium liegt, nur zwei Teilaufträge über je 300 Millionen Euro. Nachdem die ursprüngliche Ausschreibung insgesamt über 900 Millionen lautete, bleiben weitere 300 Millionen unvergeben.
Schwarz begründete auch gleich, warum Rheinmetall, das zuletzt noch im Spiel war, leer ausgeht:
"Nachdem ein Anbieter bisher nicht in der erforderlichen Qualität liefern kann, müssen die beiden schnellsten Anbieter nicht länger auf den langsamsten warten. Es wird nur das beschafft, was tatsächlich funktioniert."
Weder das Verteidigungs-, noch das Finanzministerium haben dazu bisher Stellung genommen. Allerdings war Helsing erst vor zehn Tagen in die Schlagzeilen geraten, mit der Meldung, die Drohnen, die die Münchner Firma in die Ukraine geliefert habe, hätten im Einsatz versagt. Beim Test der Bundeswehr für die Ausschreibung, bei der alle drei Firmen ihre Drohnenmodelle vorführen sollten, hatten überhaupt nur 19 Testflüge stattgefunden, davon keiner von Rheinmetall, zwei von Stark und die übrigen 17 von Helsing.
Damals wurde moniert, dass bei Helsing die versprochene KI-Komponente nicht vorhanden sei. Was bei Stark vorhanden oder nicht vorhanden war, wurde in dem Bericht über den Test nicht genauer ausgeführt. Allerdings ist es Teil des Konzepts von Stark, gänzlich ohne chinesische Komponenten auszukommen; das dürfte für vergleichsweise wenig Drohne fürs Geld sorgen.
Die Grünen monieren bei Stark Defence übrigens, dass US-Milliardär Peter Thiel an dem Startup beteiligt ist. Beim derzeit ausgeschiedenen Konkurrenten Rheinmetall ist es BlackRock; da wird eine moralische Bewertung schwierig. Bei Helsing ist einer der größten Investoren Spotify-Inhaber Daniel Ek. Auch ein Milliardär, nur ein schwedischer.
Der Abgeordnete Schwarz erklärte, er rechne "mit ersten Lieferungen noch in diesem Jahr". Allerdings sind seine Aussagen ohne eine offizielle Bestätigung mit Vorsicht zu genießen; die Artikel über Helsing könnten andeuten, dass um diese Aufträge erbittert gekämpft wird.
Schwarz, der aus Bamberg stammt, ist jedenfalls kein klassischer Rüstungslobbyist, auch wenn er in den vergangenen Jahren durch Forderungen wie nach einer Lieferung der Taurus in die Ukraine auffiel. Sein eigentlicher Schwerpunkt sind Kommunalfinanzen und Steuerpolitik.
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