Berliner Stromterror: Eine Million Euro für Hinweise auf die Täter

Wird die "Vulkangruppe" jemals gefunden? Zumindest wird nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz jetzt mit etwas mehr Eifer ermittelt. Aber dass jetzt eine Riesenbelohnung ausgesetzt wurde, ist mit Sicherheit kein gutes Zeichen.

Drei Wochen nach dem Brandanschlag, der zehntausende Berliner tagelang ohne Strom und teilweise auch ohne Wärme ließ, hat die Bundesanwaltschaft wohl eine Belohnung von bis zu einer Million Euro auf Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt.

Über das Vorhaben wurde bereits Ende vergangener Woche berichtet, inzwischen hat die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) bestätigt, dass diese Summe tatsächlich ausgesetzt wurde.

Ziel sei es, so Spranger, die Aufklärung voranzutreiben. Ungewöhnlich ist aber, dass in diesem Zusammenhang bisher noch nicht einmal Hausdurchsuchungen oder Festnahmen stattfanden, was im Zusammenhang mit dieser sehr hohen Belohnung darauf hinweisen könnte, dass die Strafverfolgungsbehörden tatsächlich keinerlei Kenntnisse besitzen.

Das Bekennerschreiben wird, auch das scheint mittlerweile festzustehen, sowohl vom Landes-, als auch vom Bundeskriminalamt und dem Verfassungsschutz als authentisch eingestuft. Die Ermittlungen werden inzwischen beim Generalbundesanwalt geführt, wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe.

Eine Struktur, die sich selbst als Vulkangruppe bezeichnet, ist bereits seit dem Jahr 2011 in Berlin und Brandenburg tätig; Schlagzeilen machte vor dem Berliner Stromanschlag der auf die Stromversorgung der Tesla-Fabrik in Grünheide im März 2024, zu dem sich diese Gruppe ebenfalls bekannt hatte – damals, ohne Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt auszulösen.

Der Text des Bekennerschreibens ordnet die Vulkangruppe als Teil des Klimaterrorspektrums ein, in dem sich beispielsweise auch die Angry Birds finden, die im Ruhrgebiet mehrfach Anschläge auf Bahnanlagen durchführten, aber dem im Grunde auch die "Klimakleber" der Letzten Generation zugerechnet werden müssten. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Übergang innerhalb dieses Spektrums fließend; die Täter massiverer Anschläge dürften sich aus dem größeren Feld rekrutieren. Allerdings wurde gegen Letzteres über Jahre hinweg eher zaghaft ermittelt; womit sich die Frage stellt, ob nicht die Schwierigkeiten bei der Ermittlung der Berliner Täter letztlich eine Spätfolge des Schutzes sind, den man den Klimaprotestlern angedeihen ließ, weil die ansonsten bei der Überwachung politischer Bestrebungen äußerst eifrigen deutschen Behörden hier das Sammeln von Erkenntnissen unterließen.

Ob die Belohnung von einer Million Euro in diesem, hoch ideologisierten, Umfeld Erfolge bringt, kann angezweifelt werden. Immerhin müssen fünfzehn Jahre zögerlicher Ermittlung kompensiert werden.

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