Der Winter hält weite Teile Deutschlands fest im Griff. Mit der Kälte steigt der Gasverbrauch. Die deutschen Gasspeicher waren am 15. Januar noch zu 43,6 Prozent gefüllt ‒ deutlich weniger als im langjährigen Schnitt üblich.
Zwar ist der Füllstand derzeit noch nicht kritisch, allerdings bereitet sich die Industrie für den Fall eines weiteren deutlichen Absinkens der Gasvorräte bereits vor. Eine mögliche Gasmangellage ist jedoch nur eines der Probleme, vor denen Deutschland steht. Durch die erhöhte Nachfrage in Verbindung mit der erklärten Absicht, möglichst kein russisches Gas mehr zu beziehen, steigen die Preise an den Spotmärkten rapide an.
Die Berliner Zeitung berichtet ‒ gestützt auf Daten der Statistikbehörde Eurostat ‒, dass US-amerikanisches Flüssiggas (LNG) für die EU zeitweise doppelt so teuer ist wie russisches LNG. Die USA sind zudem der große Profiteur der Abkehr der EU und Deutschlands vom russischen Pipelinegas, das weitaus günstiger als LNG ist. Die hohen Energiepreise bleiben deshalb ein zentrales Problem der deutschen Unternehmen.
"Die chemische Industrie benötigt Erdgas als Energieträger und Rohstoff. Die Bundesregierung muss sich daher weiter für eine sichere Versorgung und niedrige Kosten einsetzen", sagte ein Sprecher des Verbands der Chemischen Industrie. Im internationalen Vergleich seien die Energiekosten in Deutschland viel zu hoch.
Die Klage über die hohen Energiepreise infolge der Russlandsanktionen ist nicht neu. Immer mehr Betriebe melden, dass sie nicht mehr konkurrenzfähig produzieren können.
"Wir sind bereits jetzt in einer Situation, in der die Energiepreise einen auskömmlichen Betrieb der Anlagen in der chemischen Industrie verhindern", sagt beispielsweise ein Sprecher der InfraLeuna GmbH, des Betreibers des Chemieparks Leuna in Sachsen-Anhalt.
Zu erwarten ist allerdings, dass aufgrund der erhöhten Nachfrage Spekulanten auf den Zug aufspringen, auf steigende Nachfrage wetten und so den Preis weiter nach oben treiben. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits. So stieg in der vergangenen Woche an der Börse in Amsterdam der richtungweisende Terminkontrakt TTF für europäisches Erdgas zur Auslieferung in einem Monat am Freitagnachmittag um 25 Prozent an. Mittelfristig wird sich das auch auf die Preise für die Endverbraucher niederschlagen.
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