29.11.2025 13:45 Uhr
Weidel appelliert an Medien und lobt "Korpsgeist"
Die AfD-Co-Chefin Alice Weidel hat in ihrem Grußwort die Medien zur Mäßigung aufgerufen. Sie habe sich unterdessen "die ganze Woche Sorgen gemacht". Viele Mitglieder seien bereits um 4 Uhr aufgestanden, um in die Halle zu gelangen. Was sie hier heute sehe, "das ist Korpsgeist, das ist Mut". Weidel bedankte sich bei den vielen ehrenamtlichen Helfern und der Polizei. "Bei allen, die diese Veranstaltung heute gesichert haben."
Auch sprach sie von einer Gewaltbereitschaft, vor der man sich regelrecht fürchten muss. Sie hätte es nicht für möglich gehalten, dass so etwas noch einmal in Deutschland vorkommt. Die Medien hätten im Vorfeld von einer Versammlung rechtsextremer Netzwerke geschrieben. Auch die Medien müssten abrüsten. Sie betonte, dass Journalisten eine Mitverantwortung für das Klima in unserem Land tragen.
Chrupalla: Sollen nicht so glattgebügelt sein
Zunächst halten die beiden AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla und Alice Weidel ihre Grußworte. Draußen stehe die "Letzte Generation", in der Halle gehe es darum, eine "neue Generation" zu gründen, erklärt Chrupalla. "Wir werden Deutschland neu aufbauen müssen", meint er. Dabei komme es auf eine Jugend an, die anders sei. Er freue sich, dass hier und heute eine Jugendorganisation gegründet werde, "auf die das Land stolz" sein könne. Sie soll nicht so glatt gebügelt sein wie die im März aufgelöste Vorgängerorganisation "Junge Alternative".
Die Partei sei nicht mehr dieselbe wie in den Jahren 2015 oder 2019. Die Hälfte der Wähler könne sich heute vorstellen, die AfD zu wählen. Es müsste deshalb das komplette Meinungsspektrum in der Partei abgebildet werden. Chrupalla will eine Politik für Deutsche "mit und ohne Migrationsgeschichte". In der Zukunft gehe es um Professionalisierung.
Weitere Gewalttaten gemeldet, Chrupalla ruft zu Demut auf
In seiner Rede kritisierte der Co-Vorsitzende Tino Chrupalla die Ausschreitungen rund um den Kongress und die Gewalt gegen die Delegierten. Es werde mehrere Generationen dauern, Deutschland wieder aufzubauen, sagte er. "Wenn die AfD an die Macht kommt, wird sie einen Scherbenhaufen vorfinden", so Chrupalla. Er rief die in der Halle versammelten Leute zu Demut und Respekt vor der politischen Arbeit auf.
Zuvor hatten der Brandenburger Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch und der Bundestagsabgeordnete Hannes Gnauck gesprochen. Gnauck berichtete, ein Geschwisterpaar sei von der Antifa eingekreist worden. Nicht nur der Bruder, sondern auch die Schwester habe Schläge einstecken müssen.
Jugendkongress fängt mit über zwei Stunden Verspätung an
Die für 10 Uhr angesetzte Veranstaltung fängt mit mehr als zwei Stunden Verspätung um ca. 12:15 Uhr an. Zu diesem Zeitpunkt waren das Vorsitzenden-Duo Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie andere AfD-Prominente wie Björn Höcke bereits im Konferenzsaal der Hessenhalle angekommen.
"Die letzten Teilnehmenden der Gründungsveranstaltung sind an der Messe eingetroffen. Die Veranstaltung hat begonnen", teilte die Polizei auf X um 12:23 Uhr mit.
Schlägerei vor Messehalle: AfD-Abgeordneter Julian Schmidt von Vermummten attackiert
Der Bundestagsabgeordnete Julian Schmidt wurde nach dem Abstellen seines Autos von gewaltbereiten Demonstranten angegriffen. Während er sein Auto in der Nähe der Hessenhalle parkte, erkannten ihn die bislang unbekannten Angreifer. Mit rund 20 Mann seien diese dann auf Schmidt und seine Begleitung losgegangen, berichtete er gegenüber der Jungen Freiheit. Im Gesicht habe er Schrammen und Rötungen von Schlägen und Tritten. Die Polizei sei recht schnell eingeschritten. Sein Auto musste der Bundestagsabgeordnete zurücklassen.
Auf einem auf Telegram geposteten Video ist zu sehen, wie er mit Fäusten angegriffen wird, kurz zu Boden geht und dann auf die Angreifer zurückschlägt. Seine Begleiter schreiten bei dem Handgemenge tatkräftig ein.
Blockade auf B49 aufgehoben
Die Demonstranten haben zwischenzeitlich ihre Blockade auf der Bundesstraße 49 aufgehoben. Laut Meldung der Polizei Mittelhessen folgten sie dabei einer Aufforderung der Polizei. "Bei dieser Blockade kam die Gruppe der letztmaligen Aufforderung, die Straße zu verlassen, nach", teilte die Behörde auf X mit. Die AfD-Abgeordnete Silke Schöps bestätigte dies auf Telegram.
Kritik an Veranstaltungsort und "linksextremer Selbstjustiz"
Hunderte AfD-Anhänger gelangen derzeit aufgrund der Blockaden nicht nach Gießen. Medienberichten zufolge sollen sie nun zu einem Treffpunkt außerhalb der Stadt gelotst und dann von der Polizei zum Veranstaltungsort Messehalle gebracht werden. Die AfD-Gegner greifen dabei auch zu für sie selbst riskanten Blockademethoden. So sollen sich einige Aktivisten von einer Brücke abgeseilt haben.
Mittlerweile kritisieren Aktivisten aus der rechten Szene die AfD scharf für die Wahl Gießens als Versammlungsort. Angesichts der Selbstjustiz linker Gruppen fordern auch die ersten CDU-Bundestagsabgeordneten ein Antifa-Verbot. "In meinem Heimatort spielen Linksextreme Selbstjustiz. Es ist überfällig diese Banden zu ächten", schrieb Johannes Volkmann auf X.
WELT-TV: Polizei mit Steinen beworfen
Laut einem Bericht von WELT-TV sind Polizisten von Demonstranten mit Flaschen und Steinen beworfen worden. Unter den Beamten gebe es die ersten Verletzten. Das Gelände rund um den Veranstaltungsort habe sich in eine Sperrzone verwandelt, so Reporter vor Ort.
Blockade auf B49: Polizei gerät in Bedrängnis und setzt Wasserwerfer ein
Auf einem in den sozialen Medien geposteten Video ist zu sehen, wie sich die Menge der Demonstranten auf die Polizisten zubewegt, woraufhin die Beamten zur Verteidigung gegen sie zu Schlagstöcken greifen. Reporter vor Ort berichteten auch vom Einsatz der Wasserwerfer auf der blockierten Bundesstraße.
Die Polizei bestätigte ebenfalls den Einsatz von Wasserwerfern. "Wir räumen aktuell eine Blockade von 2.000 Personen auf der B49, nachdem die Gruppe auf die mündliche Aufforderung, die Straße frei zu machen, nicht reagiert hat. Zur Räumung setzen wir auch den Wasserwerfer ein", teilte die Polizei Mittelhessen auf X mit.
Autos von AfD-Delegierten angegriffen
Dass einige AfD-Gegner auch vor dem Einsatz von Gewalt nicht zurückschrecken, zeigt ein Video aus dem Auto des Berliner AfD-Politikers Martin Kohler. Eine Scheibe seines Autos ging durch einen Steinwurf zu Bruch. Bemerkenswert: Auch Jean-Pascal Hohm, der designierte Vorsitzende der neuen AfD-Jugendorganisation, soll noch auf dem Anfahrtsweg, weit entfernt vom Veranstaltungsort, festsitzen.
16 Zufahrtsstraßen rund um die Stadt und Messegelände blockiert
Die AfD trifft sich an diesem Wochenende zur Neugründung ihrer Jugendorganisation im hessischen Gießen. Bereits im Vorfeld waren zahlreiche Gegendemonstranten angekündigt worden. Am Samstagmorgen sind die Ereignisse eskaliert. Viele Veranstaltungsteilnehmer können aufgrund von Blockaden nicht zur Messehalle gelangen.
Berichten zufolge haben mehrere Tausend Demonstranten die Zufahrtswege nach Gießen blockiert. 16 Zufahrtsstraßen sollen insgesamt blockiert sein. Die Polizei setzte daraufhin Wasserwerfer, Pfefferspray und Schlagstöcke ein, um die Blockade-Teilnehmer zu verdrängen.
Bilder aus Gießen zeigen, wie die Antifa unter anderem Zugangsunterführungen zur Messehalle mit Sprintern blockiert. Wie die Polizei Mittelhessen mitteilte, kontrollieren Demonstranten die durchfahrenden Autos auf der L3020 und demolieren die Fahrzeuge. Einige AfD-Anhänger berichten, sie seien schon am frühen Morgen von der Polizei zum Veranstaltungsort eskortiert worden.
"Um mal ein Eindruck der zahlreichen Blockaden rund um Gießen zu bekommen. Es sind nicht nur große Demonstrationszüge, sondern auch kleine Straßenblockaden an Feldwegen, wie diesem. Polizei weit und breit nicht zu sehen", schrieb Tagesspiegel-Korrespondent Julius Geiler auf X.