Mainstream rudert zurück: Täter von Ratingen offenbar doch kein "Corona-Leugner"

Am Donnerstag ereignete sich in Ratingen eine Explosion in einem Hochhaus. Bei dem Einsatz wurden zahlreiche Beamte verletzt, zum Teil schwer. Einige Politiker und Medien verorteten den mutmaßlichen Täter sehr schnell im "Corona-Leugner"-Umfeld. Die diffamierende Aussage lässt sich nicht halten, während der Vorfall selbst weiter Fragen aufwirft.

Am gestrigen Donnerstag ereignete sich im nordrhein-westfälischen Ratingen ein eher ungewöhnlicher Vorfall, der weiterhin Fragen offen lässt. Ein größeres Aufgebot von Polizei und Feuerwehr war zu einem Hochhaus gerufen worden, weil aus einer Wohnung Brand- oder Verwesungsgeruch bemerkt worden war. Auch der Briefkasten sei bereits übergequollen.

Nachdem sich die Beamten gewaltsam Zugang zu der Wohnung verschafft hatten, kam es zu einer Explosion. Ein 57-jähriger Mann habe den Beamten "einen brennenden Stofflumpen oder ein Knäuel" entgegengeworfen, wie Focus Online berichtet. Anschließend sei den Einsatzkräften "ein Feuerball" entgegengeschlagen. Der Mann konnte schließlich überwältigt und das Feuer gelöscht werden. In der Wohnung wurde eine Leiche entdeckt, bei der es sich mutmaßlich um die 92-jährige Mutter des Mannes handelte, mit der er zusammen in der Wohnung gelebt hatte. Am Freitag meldete der Spiegel, dass es im Zusammenhang mit der Explosion noch ein zweites Todesopfer gibt. Dies gehe aus vertraulichen Dokumenten der Ermittler hervor.

Ein Polizeisprecher erklärte, die Wohnung habe wegen der notwendigen Löscharbeiten erst am Freitag von Tatortspezialisten betreten werden können. Inzwischen habe die Spurensicherung vor Ort aber begonnen. Bei dem Einsatz wurden 31 Beamte verletzt, sieben davon schwer und weitere fünf sogar lebensgefährlich. Ob die Verletzungen durch die Explosion oder beim Überwältigen des Mannes hervorgerufen wurden, bleibt bislang allerdings unklar. Der Mann selbst erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Er wurde festgenommen und in ein Krankenhaus gebracht.

Im "Corona-Leugner"-Umfeld "gedanklich aufgehalten"

Bereits unmittelbar nach dem Vorfall gab es zahlreiche Spekulationen über die Hintergründe. Wie der Focus erfahren haben will, soll sich der Mann auf einen Angriff auf die Polizei vorbereitet haben, und auch die Düsseldorfer Polizei geht offenbar von Absicht aus. "Das liegt auf der Hand", so Polizeisprecher Raimund Dockter bereits am Donnerstagabend. Doch was genau war das Motiv?

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) ließ sich am Donnerstag zu der Behauptung hinreißen, der mutmaßliche Täter habe sich "im Corona-Leugner-Umfeld gedanklich aufgehalten", und Grünen-Politiker Janosch Dahmen etwa sprach in sozialen Medien gar von "Querdenker-Terror". Auch mehrere deutsche Mainstreammedien waren sich nicht zu schade und schlugen umgehend in dieselbe Kerbe. Das Boulevardblatt Bild etwa titelte bereits: "Corona-Leugner sprengt Wohnung".

Am Freitag klang es dann aber plötzlich etwas anders. Reul wollte gegenüber dem Radiosender WDR2 nun doch nicht mehr von einem "Corona-Leugner"-Hintergrund sprechen. "Da bin ich nicht ganz sicher", so der CDU-Politiker. Der Festgenommene sei auch kriminell auffällig gewesen, allerdings nur mit kleineren Delikten, so Reul weiter.

Darüber, was genau den Minister zuvor zu seiner anderslautenden Aussage bewogen hatte, schwieg er indes. Wie die Polizei Düsseldorf Pleiteticker.de erklärte, basiere die ursprüngliche Einschätzung auf "Facebook-Recherchen". Doch Sicheres könne man nichts sagen. Man befürchte stattdessen eine "Verwechslung".

Der Mann sei für Polizei und Justiz kein Unbekannter, berichtet nunmehr die dpa. Laut der Sprecherin der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft Laura Neumann habe wegen eines nicht gezahlten Geldbetrags ein Vollstreckungshaftbefehl gegen ihn vorgelegen. Er habe auch Voreintragungen, "aber nichts Einschlägiges, nichts Vergleichbares", so Neumann weiter.

Dies dürfte zumindest ein Indiz dafür sein, dass der Einsatz nicht unbedingt aufgrund einer Alarmierung durch Nachbarn ausgelöst worden war. Warum Polizei und Feuerwehr dann aber mit einem so großen Aufgebot ausrückten, lässt sich derzeit nicht schlüssig erklären. Dass angesichts mittlerweile auch im Mainstream diskutierter erdrückender Belege über eine hochproblematische Corona-Politik die Titulierung als "Corona-Leugner" weiterhin zur Verunglimpfung und Vorverurteilung herhalten darf, bleibt ein Thema für sich.

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