Deutscher Atomausstieg: Nobelpreisträger fordern Weiterbetrieb – Merz spricht von "schwarzem Tag"

Die Kritik am deutschen Ausstieg aus der Atomenergie ist unüberhörbar laut. Durchgezogen wird er trotzdem. CDU-Chef Friedrich Merz spricht gar von einem "schwarzen Tag für Deutschland". Dabei war es seine CDU, die unter Angela Merkel den Ausstieg 2011 beschlossen hat.

In einem offenen Brief an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) argumentieren 20 Wissenschaftler und weitere Unterstützer, dass die letzten drei am Sonnabend vom Netz gehenden AKWs mit einer Jahresproduktion von zuletzt 32,7 Milliarden Kilowattstunden mehr als zehn Millionen Haushalte in Deutschland mit klimafreundlicher Energie versorgt haben, wie die Welt am Freitag berichtet . Auf diese Weise könnten im Vergleich zur Kohle auch weiterhin bis zu 30 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden. Die Unterzeichner betonen:

"Aus diesen Gründen fordern wir Sie im Interesse der Bürger in Deutschland, Europa und der Welt dazu auf, die deutschen Pläne zum Atomausstieg zu überdenken und die noch zur Verfügung stehenden Kernkraftwerke weiterzunutzen. ... Die Kernenergie in Deutschland kann klar ersichtlich zur Linderung der Energiekrise und dem Erreichen der deutschen Klimaziele beitragen."

Die Liste der Unterzeichner wird von prominenten Wissenschaftlern angeführt: Dazu gehört etwa der Physik-Nobelpreisträger Klaus von Klitzing vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung. Auch der Nobelpreisträger für Physik Stephen Chu unterschrieb den Appell an Bundeskanzler Scholz.

Auch aus der Opposition in Berlin gibt es Kritik: CDU-Chef Friedrich Merz hat den endgültigen Atomausstieg als "schwarzen Tag für Deutschland" bezeichnet. "Morgen ist ein schlechter Tag", betonte der Sauerländer am Freitag gegenüber dem Sender NDR Info. Es könne nicht angehen, dass Deutschland drei Kernkraftwerke vom Netz nehme, die die "sichersten der Welt" seien. Kein anderes Land reagiere auf den Ukraine-Krieg und die zugespitzte Energieversorgungslage so wie die Bundesrepublik, kritisierte er.

Merz verwies in diesem Zusammenhang auf die weltweit mehr als 400 laufenden und 60 im Bau befindlichen Atomkraftwerke:

"Da stellt sich schon die Frage: Wer ist hier eigentlich der Geisterfahrer?"

Ähnlich sieht das auch CSU-Chef Markus Söder. Er sagte gegenüber ntv:

"Das ist ein ganz trauriges Kapitel deutscher Energiepolitik. ... Während die ganze Welt überlegt, wie sie in diesen Energiekrisen ihr Energieportfolio erweitert, machen wir genau das Gegenteil."

Besonders kritisierte er die Tatsache, dass die FDP als Regierungspartei diese Entscheidung mitträgt. Beschlossen wurde der deutsche Atomausstieg allerdings unter der CDU-Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2011. 

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