BASF streicht 2.600 Stellen – Zwei Drittel davon in Deutschland

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF will weltweit 2.600 Stellen streichen. Davon entfallen rund zwei Drittel auf Deutschland, teilte der Dax-Konzern am Freitag mit. Dem Unternehmen zufolge sind die explodierenden Energiekosten in Europa und die abflauende Konjunktur die Gründe.

Der weltgrößte Chemiekonzern hatte im vergangenen Jahr wegen der explodierenden Energiekosten in Europa und der abflauenden Konjunktur ein Sparprogramm angekündigt. Nun gibt es konkrete Zahlen: BASF will weltweit 2.600 Stellen streichen. Zwei Drittel davon entfallen auf Deutschland.

Von den Maßnahmen werden nach Angaben des Konzerns voraussichtlich rund 700 Stellen in Ludwigshafen betroffen sein, wo der Chemiekonzern eine der beiden Ammoniak-Anlagen im Werk stilllegt.

Wie es in einem Bericht des Handelsblatts heißt, seien diese zwei Ammoniak-Anlagen bereits im vergangenen Jahr zeitweise heruntergefahren worden. Wegen der extrem hohen Gaspreise seien sie laut Bericht nicht mehr rentabel zu betreiben gewesen. Die ältere der beiden Anlagen wolle der Konzern nach Informationen von Handelsblatt "nun nicht wieder in Betrieb nehmen". Die Herstellung der sogenannten Ammoniak-Synthese sei demnach besonders energieintensiv. Wie es im Handelsblatt-Bericht weiter heißt, entfielen etwa 80 Prozent der Produktionskosten auf Ausgaben für Energie, insbesondere Erdgas.

Hohe Energiepreise bedrohen die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit in Europa

Mit dem Sparprogramm beabsichtigt das Dax-Unternehmen ab 2024 jährlich 500 Millionen Euro außerhalb der Produktion einzusparen. Davon soll demnach die Hälfte im Stammwerk Ludwigshafen realisiert werden. Schwerpunkte der Kosteneinsparungen sind Service-, Unternehmens- und Forschungsbereiche sowie die Konzernzentrale. Der Unternehmenschef Martin Brudermüller erklärte in einer Mitteilung: 

"Die Wettbewerbsfähigkeit der Region Europa leidet zunehmend unter Überregulierung."

Die Region leide auch immer mehr unter langsamen und bürokratischen Genehmigungsverfahren und vor allem unter hohen Kosten für die meisten Produktionsfaktoren. All dies habe bereits über viele Jahre das Marktwachstum in Europa im Vergleich zu anderen Regionen gebremst. Zusätzlich belasteten jetzt die "hohen Energiepreise die Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit" in Europa.

Die Anpassung in Ludwigshafen würden ab Ende 2026 voraussichtlich zu jährlich über 200 Millionen Euro niedrigeren Fixkosten führen, teilte BASF weiter mit. Neben dem Kosteneinsparprogramm ergreife der Konzern auch strukturelle Maßnahmen. Damit soll das Stammwerk Ludwigshafen langfristig besser für den immer schärfer werdenden Wettbewerb gerüstet werden. Unter anderem sollen dort eine der beiden Ammoniak-Anlagen und eine TDI-Anlage sowie Anlagen für bestimmte Vorprodukte geschlossen werden.

Den Angaben des Konzerns zufolge fiel im vergangenen Jahr wegen milliardenschwerer Abschreibungen auf die Tochter Wintershall Dea in Russland ein Verlust von 627 Millionen Euro an.

Das Werk in Ludwigshafen beschäftigt bisher noch rund 39.000 Personen – rund ein Drittel der weltweiten Belegschaft von insgesamt 111.500 Mitarbeitern. 

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(rt/dpa)