Druckabfall: Nord Stream 2 teilweise defekt

An der Ostsee-Pipeline gab es einen Vorfall. Offenbar hat ein Leck zu einem massiven Druckabfall geführt. Die Ursache ist bislang unklar.

Der Druck in der Unterwasser-Gaspipeline Nord Stream 2, durch die Gas von Russland nach Deutschland gepumpt werden sollte, ist über Nacht von 300 auf 7 bar gefallen, sagte ein Sprecher des Pipeline-Betreibers am Montag, wie Reuters berichtet. Die Ursache für den Abfall sei dem Unternehmen nicht bekannt, hieß es.

Nord Stream 2 wurde zwar mit Gas befüllt, ging aber aufgrund der mangelnden Bereitschaft Berlins, die Zertifizierung zu erteilen, nie in Betrieb.

"Heute Nacht hat der Onshore-Controller von Nord Stream 2 einen starken Druckabfall in Leitung A festgestellt", erklärte der Sprecher der Nord Stream 2 AG und fügte hinzu, dass die Küstenwachen von Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland und Russland sofort benachrichtigt wurden.

Der Erklärung zufolge ist eine Untersuchung im Gange. Der in der Schweiz ansässige Betreiber wies auch darauf hin, dass das Leck, falls es die Ursache war, nicht am Landeplatz im norddeutschen Lubmin entstanden sein kann. "Wenn es in Lubmin gewesen wäre, hätte man es gehört", teilte der Sprecher des Unternehmens Reuters mit.

Die in russischem Besitz befindliche Pipeline sollte die Gaslieferungen nach Deutschland verdoppeln, und trotz des Widerstands der USA und einiger EU-Staaten hatte die deutsche Regierung das Projekt vehement verteidigt. Im September 2021 gab der russische Energieriese Gazprom bekannt, dass der Bau der Pipeline, der 2018 begonnen worden war, vollständig abgeschlossen sei.

Im Februar legte Berlin jedoch den Start von Nord Stream 2, dessen beide Stränge bereits mit Gas gefüllt und betriebsbereit waren, auf unbestimmte Zeit auf Eis.

Viele deutsche Politiker haben den Bundestag gedrängt, seine Haltung zu ändern und die Pipeline mit einer Jahreskapazität von 55 Milliarden Kubikmetern zu nutzen, um Deutschland bei der Bewältigung der Energieknappheit zu helfen.

Letzten Monat forderte der Vizepräsident des Bundestages, Wolfgang Kubicki, die Pipeline "so schnell wie möglich" zu aktivieren, um die europäischen Gasspeicher vor dem Winter zu füllen. Er wies darauf hin, dass das über Nord Stream 2 gelieferte Gas "nicht unmoralischer ist als das, das über Nord Stream kommt". Kubicki betonte:

"Es ist nur eine andere Leitung. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Nord Stream 2 nicht zu öffnen."

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