Industrieunfall? Massives Fischsterben in der Oder beunruhigt Bürger und Behörden

Das brandenburgische Umweltministerium zeigt sich aufgrund des anhaltenden Fischsterbens im deutsch-polnischen Grenzfluss Oder besorgt. Nach bisherigen Angaben der polnischen Umweltschutzbehörde wurde das Massensterben wahrscheinlich von einer Wasserverschmutzung durch die Industrie ausgelöst.

Ein großes Fischsterben in der Oder beunruhigt die Menschen in Brandenburg an der Grenze zu Polen. Zur Wochenmitte wurden tausende tote Fische in dem Fluss entdeckt, ein Teil davon auf Höhe der Stadt Frankfurt (Oder) und umliegender Orte. Ein Berufsfischer aus Brieskow-Finkenheerd im Kreis Oder-Spree wird von der Nachrichtenagentur dpa mit den Worten zitiert:

"Sowas haben wir noch nicht erlebt. Tote Fische sind überall zu sehen. Es sind viele."

Als Ursache für die vermutete tödliche Wasserverschmutzung wird angenommen, dass über einen längeren Zeitraum Giftstoffe auf polnischer Seite ins Wasser gelangt sind. Laut dpa-Informationen konnte eine polnische Behörde "an zwei Stellen eine giftige Substanz feststellen". Die Stadt Frankfurt (Oder) und der Landkreis Märkisch-Oderland empfahlen umgehend, den Kontakt zu Oder-Wasser zu meiden und keinen Fisch mehr aus dem Fluss zu essen.

Laut Angaben des Nachrichtenportals rbb24 hat Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Grüne) die zuständigen Behörden in Polen kritisiert. So heißt es in einem Beitrag:

"Man habe zwar Kontakt mit der polnischen Seite. Allerdings sei man über die Ereignisse in Opole (einem polnischen Verwaltungsbezirk), die offenbar am 27. oder 28. Juli stattgefunden hätten, bisher nicht offiziell informiert worden."

Dem Umweltminister zufolge wisse man "nur von Dritten und aus Medien, dass in größerem Umfang Lösungsmittel freigesetzt wurden, die möglicherweise für das Fischsterben mit verantwortlich sind". So soll die Staatsanwaltschaft Wroclaw (Breslau) wegen eines möglichen Umweltdelikts mittlerweile ein Ermittlungsverfahren eingeleitet haben. Bereits Ende Juli kam es laut polnischen Medien zu ersten Berichten von Anglern, die tote Fische am Ufer gefunden hatten. Nach Behördenangaben seien es mittlerweile "Tausende, die zunächst in Niederschlesien, inzwischen aber auch in der Wojwodschaft Lubuskie weiter nördlich gefunden wurden", so die dpa.

Eine erste Wasser-Analyse des brandenburgischen Umweltministeriums hat demnach ergeben, dass "ein noch unbekannter, hoch toxischer Stoff die Oder" durchlaufe. Weiter heißt es in der Analyse:

"Die Auswirkungen auf das Ökosystem ließen auf synthetische chemische Stoffe, sehr wahrscheinlich auch mit toxischer Wirkung für Wirbeltiere schließen."

So wurde auf deutscher Oder-Seite ein toter Biber geborgen. Die polnische Umweltschutzbehörde versuche mittlerweile über Drohnenüberflüge, potenzielle Verschmutzungsquellen aufzuspüren. Das bedenkliche Ausmaß zeigt sich durch die Tatsache, dass ein erster Versuch eines Gesamtüberblicks über die Zahl der verendeten Fische allein in Polen laut dem Chef der polnischen Wasserbehörde Przemyslaw Daca ergeben habe, dass "Mitarbeiter seiner Behörde, Angler und freiwillige Helfer insgesamt zehn Tonnen verendeter Fische geborgen haben". 

Die brandenburgische Regionalleitstelle des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe veröffentlichte eine "aktuelle Warnmeldung" für die deutsche Oder-Seite:

"Aktuell ist in der gesamten Oder ein Fischsterben zu beobachten. Die Ursache des Fischsterbens ist aktuell noch unklar. Bitte vermeiden Sie, in diesem Zusammenhang den Notruf zu wählen. Die Situation ist bekannt, die zuständigen Behörden prüfen die Hintergründe und Ursachen."

Die Bürger werden zudem zu Folgendem aufgerufen:

Mittlerweile seien laut rbb24 100 Kilometer flussabwärts von Frankfurt bei Schwedt im Nationalpark Unteres Odertal Fischkadaver entdeckt worden. Genauere Informationen über die aktuelle Situation sollen am Freitag nach einem Treffen des brandenburgischen Umweltministeriums, gemeinsam mit der Landrätin der Uckermark, Karina Dörk, dem stellvertretenden Leiter des Nationalparks, Dr. Michael Tautenhahn, und Vertretern des Landesamts für Umwelt im Schwedter Ortsteil Criewen – dem Tor zum Nationalpark – erfolgen.

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