Psychiatrie statt Gefängnis: Messerstecher von Würzburg schuldunfähig

Drei Frauen starben damals, neun Menschen wurden teils schwer verletzt: Ein Flüchtling aus Somalia hatte sich 2021 in einem Würzburger Kaufhaus ein Messer geschnappt und wahllos Menschen angegriffen. Ein Jahr danach steht das Urteil für den Täter fest: Er soll in die Psychiatrie.

Die Oberstaatsanwältin spricht von einem Blutbad, das Schwurgericht von der Tat eines Schuldunfähigen: Für die tödliche Messerattacke 2021 auf arglose Passanten schickt das Landgericht Würzburg einen psychisch kranken Mann in eine Psychiatrie.

"Wer ohne individuelle Schuld handelt, darf nicht bestraft werden", erklärt der Vorsitzende Richter, Thomas Schuster, am Dienstag bei der Urteilsverkündung. Es sei unbestritten, dass der Beschuldigte am 25. Juni 2021 in der Würzburger Innenstadt ihm unbekannte Menschen mit einem Küchenmesser angriff – und zwar im Zustand der Schuldunfähigkeit.

"Er war nicht in der Lage, das Unrecht seiner Taten einzusehen."

Drei Frauen starben damals, neun Menschen wurden verletzt. Der Flüchtling aus Somalia ist laut zweier unabhängig voneinander erstellten Gutachten seit Jahren paranoid schizophren. Er hat Psychosen, halluziniert und hört Stimmen, die ihm am Tattag die Messerattacke befohlen haben sollen. Das Gericht wertet die Taten unter anderem als dreifachen Mord, versuchten Mord in fünf Fällen und versuchten Totschlag in fünf Fällen.

Die Tat an einem sommerlichen Nachmittag wühlt bis heute viele Menschen in der Universitätsstadt auf. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte nach dem Urteil in München:

"Es bleibt eine tragische Tat, die Bayern damals ins Herz getroffen hat."

Er begrüßte, dass es nun ein klares Urteil gebe und dass dies eine längerfristige Unterbringung des Mannes vorsehe. Solange die Erkrankung des Mannes fortbesteht und er als gefährlich eingestuft wird, ist laut Gesetz eine Freilassung ausgeschlossen.

Am 25. Juni 2021, kurz nach 17 Uhr, betrat der barfüßige Täter ein Kaufhaus am Barbarossaplatz. Der Vorsitzende Richter führt aus: 

"Er nahm eines der größten Küchenmesser, die er finden konnte."

Unvermittelt sticht der Mann zu. Nach wenigen Augenblicken sind drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren tot.

Auf der Straße attackierte der Mann, der um die 30 Jahre alt sein soll – sein genaues Alter ist den Behörden nicht bekannt –, weiter wahllos Menschen. Die meisten seiner Opfer sind weiblich. Vier Frauen, ein damals 11-jähriges Mädchen und ein 16-Jähriger wurden schwer verletzt. Zudem gab es drei Leichtverletzte. Die Stiche trafen die meisten Opfer im Nacken, im Bereich der Schulter oder des Rückens. Ein angegriffener Polizist blieb unversehrt. Mutige Passanten bringen den Täter von weiteren Opfern ab, bis ihn schließlich die Polizei mit einem Schuss stoppt.

Dem Vorsitzenden Richter zufolge fühlte sich der Migrant damals von den Sicherheitsbehörden verfolgt, wollte sich für angeblich erlittenes Leid rächen. Die Oberstaatsanwältin Judith Henkel fasste es in ihrem Plädoyer so zusammen: 

"Es waren vier Minuten, in denen der Beschuldigte ein Blutbad angerichtet hat."

2015 war der Somalier erstmals in Deutschland registriert worden. Seither fiel er zwar mehrmals wegen psychischer Probleme auf, bis zum Tattag hatten die Behörden jedoch nach eigenen Angaben keine Hinweise darauf, dass der Mann andere Menschen gefährden könnte.

Kurz nach der Tat gab es viele Spekulationen über das Motiv: Ein Terrorakt, ein islamistischer Anschlag, religiöser Wahn? Hinweise auf eine extremistische Radikalisierung ergaben sich im Prozess nicht. Die Ermittler des Bayerischen Landeskriminalamts berichteten von ausgewerteten Mobiltelefonen und sozialen Netzwerken – ohne entsprechende Indizien.

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(rt/dpa)