Von Bayern bis Brandenburg: Mücken können West-Nil-Virus auf Menschen übertragen

Als wären Stechmücken nicht an sich bereits anstrengend genug – in einigen Gebieten Deutschlands können sie das West-Nil-Virus übertragen, mittlerweile auch auf Menschen. Hotspots sind bisher der Osten und Süden des Landes, doch sei mit weiterer Ausbreitung zu rechnen.

Abgeschlagenheit, Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen – auf solche Symptome achten wohl viele seit der COVID-19-Pandemie mit erhöhter Nervosität. Doch ein ganz anderer Erreger kann derartige Folgen bringen – in Deutschland erst seit kurzem: Das West-Nil-Virus (WNV).

Das dadurch ausgelöste West-Nil-Fieber ist eine in verschiedenen Regionen der Welt endemisch vorkommende Zoonose, wie das Robert Koch-Institut informiert (RKI). Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die durch einen Erreger verursacht werden, der von einem Tier auf einen Menschen übergesprungen ist, dazu zählen Ebola und nach Ansicht einiger Wissenschaftler auch COVID-19.

Aus den Tropen gelangte das West-Nil-Virus durch Zugvögel auch in Gebiete am Mittelmeer und Europa, darunter bisher nach Südfrankreich, Nord-Italien, Griechenland, in die Türkei und Teile des Balkans, gebietsweise außerdem nach Tschechien, Ungarn, Österreich und in die Slowakei. Saisonal wurde es im Sommer übertragen und konnte teils auch vor Ort überwintern. Hauptsächlich wird das Virus von Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. Infizierte Mücken können das Virus aber auch auf Menschen und andere Säugetiere, insbesondere Pferde, übertragen.

In Deutschland wurde im Jahr 2018 erstmals eine Zirkulation des West-Nil-Virus bei Vögeln und Pferden registriert. Seit 2019 wurden auch in Deutschland durch Mücken übertragene Erkrankungsfälle beim Menschen registriert.

Bisher sind von der Verbreitung des West-Nil-Virus durch heimische Stechmücken hierzulande insbesondere der Süden und Osten betroffen. Neben Bayern als Hot-Spot zählen Thüringen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg zu den bisherigen Verbreitungsgebieten.

"Warum, wissen wir noch nicht", sagt Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg (Märkisch-Oderland), gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. 

Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) identifizierten bereits Hausmücken als Überträger des West-Nil-Virus – das ursprünglich vor allem in wärmeren Regionen der Erde vorkommt.

Infektionsausbrüche stehen erfahrungsgemäß in engem Zusammenhang mit günstigen Bedingungen für die Stechmücken als Überträger. In Deutschland handelt es sich dabei vor allem um den Spätsommer, bei anhaltend warmem Wetter auch bis in den Frühherbst. In Südeuropa werden Übertragungen häufig sogar bis in den November beobachtet.

Das Virus kann in den Stechmücken sogar überwintern. "Je wärmer es dann wird, umso besser können sich die Krankheitserreger weiterentwickeln", erläutert Werner.

Begünstigt wird die Zirkulation der Viren laut der Forscherin somit auch durch den Klimawandel. "Die Klimaveränderung führt dazu, dass sich die Erreger in den Mücken besser vermehren können. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist aber die zunehmende Globalisierung."

In der überwiegenden Zahl der Fälle verläuft die Erkrankung bei Menschen symptomlos, einige Infizierte leiden an grippeähnlichen Symptomen. Schwere Verläufe sind selten, können aber tödlich enden. In Deutschland werden Fälle beim Menschen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) seit 2019 registriert, die genaue Anzahl jedoch sei unklar, da zumeist keine Symptome auftauchten. Nur etwa jede hundertste infizierte Person erkrankt schwer, und zwar an einer neuroinvasiven Form der Erkrankung, heißt es beim RKI. Einige dieser Patienten leiden an einer zumeist gutartigen Meningitis (Hirnhautentzündung), in seltenen Fällen entwickelt sich eine Enzephalitis (Gehirnentzündung). Mögliche Symptome sind dann mentale Veränderungen, Muskelschwäche, schlaffe Lähmungen, Ataxie, extrapyramidale Symptome, Entzündungen des Sehnervs (Optikusneuritis) und Veränderungen der anderen Hirnnerven, verschiedene Entzündungen mehrerer Nervenwurzeln (Polyradikulitis) und epileptische Anfälle. Selten wurden Entzündungen des Herzens oder der Leber beobachtet.

Es sei damit zu rechnen, dass sich der Erreger in Deutschland weiter etabliert. Ein Impfstoff ist bislang nicht verfügbar. Das RKI empfiehlt insbesondere Personen, die aufgrund hohen Alters oder einer Immunschwäche ein erhöhtes Risiko haben, durch eine WNV-Infektion schwer zu erkranken, an Orten mit bekannter Mückenbelastung beispielsweise das Tragen von Kleidung mit langen Hosen und Ärmeln sowie abends den Aufenthalt in geschlossenen oder klimatisierten Räumen, die Anwendung von Repellents, den Gebrauch von Moskitonetzen und Fenstergittern.

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