Riesenwindrad von fast 240 Metern Höhe stürzt im Ruhrgebiet ein – Ursache zunächst unklar

Eines der bundesweit größten Windräder an Land ist am Mittwochabend im Ruhrgebiet aus noch ungeklärter Ursache zusammengebrochen – nur einen Tag vor seiner offiziellen Einweihung. Verletzt wurde bei dem Vorfall in einem Wald bei Haltern am See niemand.

Die rund fünf Millionen Euro teure Windkraftanlage hatte eine Nabenhöhe von 164 Metern, die Rotorblätter erreichten eine Höhe von bis zu 239 Metern. Das Windrad war zusammen mit einem baugleichen Rad in der Nähe erst Mitte März in Betrieb genommen worden. Hersteller ist die Hamburger Firma Nordex. Hinter der Betreibergesellschaft der beiden Windräder stehen der Bergbauflächen-Entwickler RAG Montan Immobilien (RAG MI) und die Stadtwerke Haltern.

Das Windrad wurde beim Einsturz komplett zerstört, wie ein Sprecher der RAG MI mitteilte. Stehen blieb lediglich ein etwa 40 Meter hoher Stumpf aus Betonteilen. Die Einsturzstelle wurde weiträumig abgesperrt. Die RAG geht davon aus, dass von den Trümmerteilen keine Gefahr für die Umwelt ausgeht. Beim Absuchen des Areals mit einem Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera wurden keine verletzten Personen ausfindig gemacht.

Bis zum Zusammenbruch sei das Windrad einwandfrei gelaufen, so der Sprecher weiter. Die rund 450 Meter entfernte Zwillingsanlage sei sofort nach Bekanntwerden des Einsturzes bis zur Klärung der Ursache der Havarie aus Sicherheitsgründen außer Betrieb gesetzt worden. Das Windrad befand sich nach Angaben der Stadtwerke am Netz, als es einstürzte. Sehr windig war es laut der Feuerwehr der Stadt Haltern nicht.

Der Anlagen-Hersteller Nordex stoppte am Donnerstagmorgen aus Sicherheitsgründen den Betrieb von insgesamt 17 Anlagen sowie die Inbetriebnahme von zwei Anlagen der gleichen Konfiguration wie in Haltern. Nach Angaben von Nordex-Sprecher Felix Losada befinden sich diese Anlagen alle in Deutschland. Weitere drei Anlagen befänden sich noch im Bau. In dieser Konfiguration würden mittlerweile keine Anlagen mehr gebaut. Der Einsturz sei die erste Havarie dieses Turbinenmodells, sagte Losada weiter. Weltweit seien davon insgesamt 1.222 Anlagen verkauft worden.

Pandemiebedingt hatte es bislang keine offizielle Einweihung des Windparks Haltern AV9 gegeben. Diese sollte am Donnerstag, dem 30. September, gefeiert werden. Der aus den beiden Anlagen bestehende Park wurde in der Nähe des früheren Schachtes 9 des Steinkohlebergwerks Auguste Viktoria errichtet.

Im März hatte die RAG mitgeteilt, dass die beiden Anlagen zu den größten Windrädern an Land in Deutschland gehören. In den Bau wurden den Angaben zufolge insgesamt 10,8 Millionen Euro investiert. Jede Anlage hat eine Nennleistung von 4,5 Megawatt. Die Anlagen sollten zusammen pro Jahr im Schnitt eine Strommenge erzeugen, die dem Verbrauch von rund 6.600 Dreipersonenhaushalten entspricht.

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(rt/dpa)