Tochter des ehemaligen CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler im Zentrum der Masken-Ermittlung

Nach Recherchen von NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung streicht auch Andrea Tandler beim Handel mit Corona-Schutzmasken Millionen ein. Sie ist die Tochter des langjährigen CSU-Politikers Gerold Tandler. Auch die Tochter von Franz Josef Strauß mischte offenbar mit.

Andrea Tandler, die Tochter des früheren CSU-Politikers Gerold Tandler (heute 84), soll den zwei Schweizer Jungunternehmern Jascha Rudolphi (23) und Luca Steffen (24) Kontakte zum Gesundheitsministerium für einen millionenschweren Masken-Deal ermöglicht haben. 

Demnach kaufte Deutschland Anfang 2020 für mehr als 670 Millionen Euro Schutzausrüstung bei der schweizerischen Firma Emix ein. Die beiden jungen Firmenchefs sollen allein damit vermutlich 130 bis 200 Millionen Euro verdient haben, so ein Bericht der ARD. Demnach räumte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gegenüber dem Haushaltsausschuss des Bundestags ein, dass ihn Tandler am 9. März 2020 über das Angebot der Firma Emix informiert habe.

Der Kontakt zwischen Tandler und Spahn sei wiederum durch die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Tochter des CSU-Politikers Franz Josef Strauß und bestens bekannt mit Tandler, zustande gekommen. Je nach Geschäft sollte Tandlers PR-Firma Little Penguin GmbH zwischen fünf und 7,5 Prozent Honorar und Provision von Emix bekommen. Durch die hohe Gesamtsumme dürfte der Masken-Deal Tandlers Firma also 34 bis 51 Millionen Euro eingebracht haben. Davon soll laut den Medienhäusern auch ein großer Teil geflossen sein – letztlich Steuergeld.

Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung hat sich Tandler bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Firma Emix teilte auf Anfrage mit, dass Tandler als "Projektmitarbeiterin" für das Unternehmen gearbeitet habe. Emix schrieb per E-Mail:

"Andrea Tandler war nicht nur eine Vermittlerin, sondern hat alle logistischen Herausforderungen wie zum Beispiel Liefer- und Flugpläne der eigens von Emix gecharterten Flugzeuge mit den abnehmenden Ministerien in Deutschland koordiniert."

Sie habe den ganzen Prozess "mit größtem persönlichen Arbeitseinsatz begleitet".

In Düsseldorf räumt man auf Nachfrage von tagesschau.de ein, dass die in der Corona-Krise bezogenen Masken der Schweizer Jungunternehmer am teuersten waren:

"9,90 Euro pro Stück war der höchste Kaufpreis für KN95-Masken, der während der Beschaffungsnotlage in der Pandemie bezahlt wurde", so das Ministerium. 

Seit Anfang des Jahres beschäftigen die Unionsfraktion immer neu aufkommende Masken-Skandale in den eigenen Reihen. CSU- und CDU-Politiker bereicherten sich an Schutzmasken-Deals, traten nach Bekanntwerden der Fälle reihenweise zurück. Inzwischen hat sich die Union einen neuen Verhaltenskodex gegeben. Er sieht die Offenlegung aller Nebentätigkeiten für Abgeordnete vor. Inhaber von Regierungsämtern und Mandatsträger sollen keine Geldspenden annehmen dürfen, und Abgeordneten- und Parteitätigkeit müssen voneinander getrennt werden. 

Ob die erwirtschafteten Beträge der in die Maskenaffäre verwickelten CSU-Politiker Georg Nüßlein und Alfred Sauter trotz des mutmaßlichen Korruptionsskandals behalten werden dürften, spekuliert die Süddeutsche Zeitung. Möglicherweise sei der Paragraf 108e des Strafgesetzbuches, der Haftstrafen in Höhe von bis zu fünf Jahren für in Korruption verwickelte Abgeordnete vorsieht, auf die Maskenaffäre nicht anwendbar. Dann dürften die Abgeordneten nicht nur das Geld behalten, das sie aus dem schattigen Geschäft "erwirtschaftet" haben. Die bayerischen Behörden müssten dann an Sauter jene 1,2 Millionen Euro und an Nüßlein die 660.000 Euro zurückzahlen, die beschlagnahmt wurden. Nüßlein stünden zudem noch weitere 540.000 Euro zu, die er nicht erhalten hatte, weil sich zuvor die Generalstaatsanwaltschaft München aufgrund des Korruptionsverdachts eingeschaltet hatte.

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