Deutschland

Nach Kritik an Söders Corona-Strategie: Gesundheitsamtschef wird strafversetzt

Der Chef eines bayerischen Gesundheitsamtes hatte die Corona-Strategie von Markus Söder scharf kritisiert. Nun wird er – mitten in der "Corona-Krise" – strafversetzt. Der Epidemiologie kritisiert: "Es kann nicht sein, dass ich meine Meinung nicht äußern darf."
Nach Kritik an Söders Corona-Strategie: Gesundheitsamtschef wird strafversetztQuelle: Reuters © Matthias Balk/dpa

Friedrich Pürner, der Leiter des Gesundheitsamtes in Aichach-Friedberg bei Augsburg, hatte in den letzten Wochen für einige Furore gesorgt, als er die Corona-Politik des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder scharf kritisierte. Nun steht ein unfreiwilliger beruflicher Wechsel für Pürner an: Wie die Regierung von Schwaben mitteilte, wird er ab dem kommenden Montag am Landesinstitut für Gesundheit in Oberschleißheim beschäftigt sein.

Wie RT Deutsch berichtete, hatte Pürner die Corona-Strategie der bayerischen Landesregierung und auch seinen obersten Dienstherrn Markus Söder scharf kritisiert. In verschiedenen Interviews hatte er beispielsweise die Schutzwirkung von Masken infrage gestellt:

Generell ist die Schutzwirkung von Community-Masken, wie sie die Mehrheit trägt, nicht nachgewiesen.

Er mahnte zudem an, zwischen Corona-"Infizierten" und tatsächlich Erkrankten zu unterscheiden. Auch die gängige Corona-Politik, ab Werten von 35 beziehungsweise 50 positiv getesteten Personen auf 100.000 Einwohnern Maßnahmen zu ergreifen, halte er für falsch, denn diese Werte seien "willkürlich gewählt".

Doch diese Äußerungen hatten nun Konsequenzen für Pürner: Am Montag vor einer Woche wurde er zu einem Gespräch mit der vorgesetzten Regierung von Schwaben vorgeladen und musste sich in einem "fachlichen Gespräch" rechtfertigen. Aber damit war die Angelegenheit noch nicht erledigt. Wie nun bekannt wurde, wird Pürner ab Montag der kommenden Woche an das Landesinstitut für Gesundheit im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittel versetzt.

Dort solle ein neues "Sachgebiet" aufgebaut werden, dessen Ziele es sei, "die Prozessqualität und die Digitalisierung an den Gesundheitsämtern in Bayern voranzubringen". Dazu benötige man einen Arzt mit "langjähriger Erfahrung an einem Gesundheitsamt", wie Pressesprecher Karl-Heinz Meyer erklärte.

Pürner dürfte alles andere als erfreut über seine Versetzung sein und macht dies auch deutlich. Gegenüber dem Münchner Merkur erklärte er am Dienstag:

Ich weiß nicht, was man gegen mich in der Hand hat. Man hat nicht mit mir darüber gesprochen.

Das Gespräch mit der Regierung sei Pürner zufolge nur pro forma gewesen. Seine Versetzung sei "längst vorbereitet gewesen". Er zeigte sich zudem erstaunt, dass man "mitten in der Hoch-Corona-Pandemie" einen Gesundheitsamtsleiter versetze, da dies "nur Unsicherheit und Unruhe" bringe.

Er kritisierte, dass es "nicht sein könne, dass man seine Meinung nicht äußern darf". Er kündigte aber an, "nicht klein beizugeben". Weiterhin schrieb der Epidemiologie auf Twitter:

Nach Kant hat alles entweder einen Preis oder eine Würde. Ich wähle die Würde. Den Preis zahle ich gerne. Ärzte dürfen nicht schweigen. Niemals!!

Auch das Landratsamt Aichach-Friedberg zeigte sich überrascht über den verordneten Wechsel Pürners. Wie ein Sprecher gegenüber dem BR mitteilte, solle die Stelle Pürners "unverzüglich" nachbesetzt werden. Über einen Nachfolger werde die Regierung in Schwaben schnell entscheiden.

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