Klingelnde Kassen bei Heckler & Koch: US-Amerikaner haben Lust auf Pistolen

Seitdem der Sturmgewehrauftrag des Bundesverteidigungsministeriums bis auf Weiteres auf Eis liegt, besinnt sich Heckler & Koch auf das Auslandsgeschäft. Die erhöhte Nachfrage nach Waffen, vor allem in den USA, rettet das Rüstungsunternehmen aus den roten Zahlen.

Dem Waffenhersteller Heckler & Koch (H&K) ist dank brummender Geschäfte in den USA und in Europa ein deutlicher Gewinnsprung gelungen. In den ersten neun Monaten 2020 lag der Gewinn nach Steuern bei 13 Millionen Euro gegenüber 1,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 207,5 Millionen Euro. Die finanziellen Ziele für das Gesamtjahr wurden schon jetzt erreicht.

Aus der Firmenzentrale in Oberndorf heißt es, dies liege in Zusammenhang mit den 2019 ergriffenen Maßnahmen. Es sollen sich damals beschlossene Investitionen und die Verbesserung der Produktionsabläufe auszahlen.

Die H&K-Belegschaft, rund 1.000 Mitarbeiter, arbeitet seither pro Woche zweieinhalb Stunden unbezahlt.

Der geschäftliche Triumph des deutschen Handwaffenproduzenten kam etwas unerwartet: Der Schuldenberg bleibt hoch. Da die Firma in der Corona-Pandemie ihre Liquidität bewahren wollte, waren die Schulden – inzwischen 238 Millionen Euro – weiter angestiegen. 

Dabei sah es für H&K Ende September dieses Jahres nicht sehr vielversprechend aus: Zwei Aufsichtsratsmitglieder hatten ihren Posten verlassen, darunter der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat. Eine Luxemburger Finanzholding hatte die Mehrheit der Anteile an H&K übernommen und wollte, das Kujat als Chefkontrolleur des Unternehmens seinen Hut nimmt. Seit Anfang Oktober dieses Jahres ist der H&K-Aufsichtsrat wieder vollzählig.

Hinzukam, dass das Bundesverteidigungsministerium im September dieses Jahres sich überraschend entschied, erstmals seit sechs Jahrzehnten nicht mehr Sturmgewehre von H&K zu kaufen, sondern vom kleinen Konkurrenten, der C. G. Haenel GmbH. Damit entging H&K ein schweres Geschäft: Es sollten binnen sechs Jahren 120.000 Sturmgewehre für 250 Millionen Euro ausgeliefert werden. Die hochverschuldete Firma verlor zudem mit der Bundeswehr ihren größten Kunden.

H&K reichte eine Patentrechtsklage gegen C. G. Haenel beim Düsseldorfer Landgericht ein. 

Hohe Nachfrage aus dem Ausland

Doch aus dem Geschäft wurde auch für den Konkurrenten nichts: Das Bundesverteidigungsministerium stoppte am 9. Oktober die geplante Vergabe an die C.G. Haenel GmbH. Der Grund dafür sei eine mögliche Patentrechtsverletzung, teilte das Ministerium dem Haushaltsausschuss des Bundestags mit. Interne Prüfungen hätten zu dem Ergebnis geführt,

dass eine entsprechende Patentrechtsverletzung durch den Bieter C. G. Haenel zulasten des Bieters H&K nicht auszuschließen ist", heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

Die Vergabestelle des Bundes werde die Entscheidung nun "unter Berücksichtigung aller Aspekte" neu bewerten, hieß es. Möglich, dass das Bundesverteidigungsministerium zu seinem Hauslieferanten zurückkehrt. Bis Jahresende hat C. G. Haenel die Möglichkeit, auf den Vorwurf zu reagieren, eine Gerichtsentscheidung dürfte im nächsten Jahr fallen.

Dennoch kann H&K nicht über leere Auftragsbücher klagen: Die Nachfrage aus dem Ausland nach Handfeuerwaffen ist hoch. Gute Geschäfte macht H&K in den USA, wo die Firma vor allem Pistolen verkauft – dort hat das Unternehmen ein kleines Werk zur Endmontage. Ende 2019 lag der Anteil des US-Geschäfts am weltweiten Konzernumsatz noch bei 25 Prozent, bis Ende 2020 wird er nach Firmenprognosen auf knapp 30 Prozent steigen. HK-Pistolen sind dort bei Privatleuten sehr beliebt. 

Heckler & Koch war bis 2017 selbst  Mitglied der National Rifle Association.

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(dpa/RT)