Abkürzungen durch Raum und Zeit: Forscher untersucht Möglichkeit von Wurmlöchern im All

Nach einer Modellrechnung des französischen Forschers Pascal Koiran könnten Objekte, auch Raumschiffe, durch Wurmlöcher reisen, also eine Art Abkürzung durch Raum und Zeit. Solchen Reisen in sehr entfernte Regionen des Weltalls steht jedoch noch im Weg, dass dieses Modell ein rein theoretisches ist.

Ein neue Publikation des französischen theoretischen Physikers Pascal Koiran könnte ein Fortschritt bei der Erforschung der Natur Schwarzer Löcher werden. In seiner Studie ist der Wissenschaftler zu einem für Sci-Fi-Fans und Futurologen begeisternden Ergebnis gekommen: Objekte, sogar Raumschiffe, könnten möglicherweise über sehr weite Entfernungen durch das Weltall reisen, indem sie sogenannte "Wurmlöcher" als "Abkürzungen" durch Zeit und Raum verwenden.

Bisher muss man davon ausgehen, dass solch eine theoretische Einstein-Rosen-Brücke, die von J.A. Wheeler "Wurmloch" genannt wurde, eine Art Tunnel aus einem Schwarzen Loch und einem Weißen Loch, so instabil wäre, dass der "Kanal" sofort kollabieren würde, was es einem Objekt unmöglich machte, den Weg von einer Seite bis zur anderen heraus zu durchlaufen. Koirans Modell zeigt, dass Wurmlöcher stabiler sein könnten als bisher angenommen. Dann könnte ein Objekt, zum Beispiel ein Raumschiff, laut der Studie auch ein solches Wurmloch intakt passieren. Dadurch könnten auch sehr weit entfernte Regionen des Weltalls erreicht werden, weil sehr viel weniger Zeit benötigt würde, als bei bisher denkbaren Reisen erforderlich wäre.

Es muss allerdings festgehalten werden, dass dieses Modell ein rein theoretisches ist. Für solch einen Tunnel durch die vierdimensionale Raumzeit unseres Universums müsste man zunächst ein normales Schwarzes Loch und ein sogenanntes Weißes Loch verbinden. Während Schwarze Löcher niemals Materie herauslassen, lassen ihre "weißen" Pendants nie etwas herein. Wären beide topologisch verbunden, so könnten sie gemäß Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie und zusammen mit Nathan Rosens Ergänzungen eine Art Brücke über Zeit und Raum bilden. Nach den Gesetzen der Thermodynamik wäre ein solches Konstrukt höchst instabil. Noch wichtiger ist die Tatsache, dass bisher die Existenz von Weißen Löchern reine Theorie ist.

Koirans Studie unter Verwendung der Eddington-Finkelstein-Koordinaten der Kruskal-Lösung anstelle der Schwarzschild-Lösung, die das Innere von Schwarzen Löchern nicht beschreibt, gibt denjenigen, die schon immer von Reisen in weit entfernte Sternsysteme träumen, jedoch etwas Hoffnung, dass solche Einstein-Rosen-Brücken vielleicht doch möglich sind und eines Tages nutzbar werden.

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