Apulien gehört zu einer der beliebtesten Urlaubsregionen in Italien. Im Salento, der Halbinsel, die den Absatz des italienischen Stiefels bildet, stechen die historischen und wunderschönen Städte wie Lecce oder Ostuni genauso hervor wie das glasklare Wasser der Adria im Osten und des Ionischen Meers im Westen. Dazu kommt der weltbekannte Wein Negroamaro, ein roter Tropfen, der die Seele Apuliens widerspiegelt. Und, nicht zu vergessen, natürlich die teilweise über 1.000 Jahre alten Olivenbäume.
Apulien ist Italiens größte Olivenregion. Allein im Salento stehen rund zehn Millionen Olivenbäume. Von ihnen sind etwa zwei Drittel von dem Bakterium Xylella fastidiosa befallen.
Das Bakterium ist nur einen tausendstel Millimeter groß, doch in den Leitungsbahnen der Olivenbäume vermehrt es sich, bis kein Wasser mehr durchkommt. Die Folge: Vertrocknete Triebe und Blätter lassen die Olivenbäume in etwa 18 Monaten sterben. Etwa vier Millionen Olivenbäume sind im Salento bereits gänzlich abgestorben. Von rund 60 Millionen Olivenbäumen in ganz Apulien steht ein Drittel in schon befallenen Regionen. Viele Landwirte sind in ihrer Existenz bedroht. Und Analysen zeigen, dass Xylella fastidiosa weiter gen Norden wandert.
Ursprünglich ist Xylella fastidiosa in Nord- und Lateinamerika beheimatet. Im Jahr 2013 wurde das Bakterium, das als eines der gefährlichsten für die Pflanzenwelt gilt, in der Provinz Lecce identifiziert. Die Behörden sind inzwischen sicher, dass es aus Costa Rica über den Hafen von Rotterdam eingeschleppt worden ist. Als Xylella fastidiosa in Süditalien erkannt wurde, hatte es sich bereits so weit ausgebreitet, dass eine komplette Eindämmung unmöglich war.
Hauptüberträger von Xylella fastidiosa ist die in Italien weitverbreitete Schaumzikade. Viele Touristen wundern sich über den ungewöhnlichen Anblick von oben aufgeschnittenen Plastikflaschen, die an vielen Olivenbäumen hängen. Ein mehr oder weniger verzweifelter Versuch, die Zikaden zu fangen und so den Überträger für Xylella fastidiosa einzudämmen.
Die Gefahr, die von dem Bakterium, das sich rasant verbreitet, ausgeht, war von Beginn an bekannt. Doch zögerten die italienischen Behörden anfangs, auch wegen des Widerstands aus der Bevölkerung. Die Menschen protestierten gegen das Fällen von teilweise mehr als 100 Jahre alten Olivenbäumen. Einige vermuteten gar Immobilienspekulanten hinter Xylella fastidiosa, die neue Baugebiete im Visier hatten.
Zur Eindämmung von Xylella fastidiosa ist eine 20 Kilometer breite Pufferzone eingerichtet worden. Sie trennt den Absatz des italienischen Stiefels vom Rest des Landes. Sobald ein Olivenbaum den Bakterienbefall aufzeigt, wird alles gerodet, was im Umkreis von 100 Metern wächst. Egal, ob befallen oder gesund.
Der in Apulien entstandene Schaden durch das Bakterium wird laut Bauernverband Coldiretti auf 1,6 Milliarden Euro beziffert. Auch in anderen Regionen um das Mittelmeer könnte sich Xylella fastidiosa ausbreiten. Neben den Schäden für die Natur wird das Bakterium auch die Produktion von Olivenöl schädigen. Der Bauernverband spricht von über fünf Milliarden Euro und fast 300.000 gefährdeten Arbeitsplätzen.
"Wir brauchen eine gemeinsame Strategie zwischen regionalen, nationalen und EU-Stellen, um die Bakterienkrankheit zu stoppen und den Gebieten, die ihr gesamtes Oliven- und Landschaftserbe verloren haben, wieder Hoffnung für die Zukunft zu geben", betont Ettore Prandini, der Präsident des Bauernverbands Coldiretti.
Neben Tourismus, Wein und Oliven gibt es nicht viel im Süden Italiens, mit dem sich Geld verdienen lässt. Xylella fastidiosa, das Feuerbakterium, trifft die Olivenbäume und auch die dort lebenden Menschen an einer empfindlichen Stelle.