Kehrt vor der eigenen Tür: Französische Ministerin kritisiert italienische Gelbwesten-Unterstützung

Die französische Europaministerin kritisierte die italienischen Politiker Matteo Salvini und Luigi Di Maio und sagte ihnen, sie sollten sich um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Zuvor hatten diese die Gelbwesten-Bewegung gelobt und Unterstützung angeboten.

Die französische Ministerin für europäische Angelegenheiten, Nathalie Loiseau, hat sich auf Twitter Kommentare von Salvini und Di Maio zum Zustand ihres Landes verbeten und gesagt, dass ihre Regierung nie so tief sinken würde.

"Frankreich verzichtet darauf, Italien Unterricht zu erteilen", twitterte sie. "Die Herren Salvini und Di Maio sollten lernen, vor ihrer eigenen Tür zu kehren."

Der Innenminister und Chef der Lega Nord Matteo Salvini lobte am Montag die regierungskritischen Gelbwesten und sagte, dass er ehrliche Bürger unterstütze, die gegen einen Regierungspräsidenten protestieren, der gegen sein Volk regiere.

Vizeministerpräsident Luigi Di Maio, der Vorsitzende der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), forderte die Demonstranten auf dem Blog seiner Partei auf, "nicht nachzulassen", und sagte, dass die etablierte Politik in Europa "für die Bedürfnisse der Bürger taub geworden ist, die von den wichtigsten Entscheidungen, die die Menschen betreffen, ausgeschlossen wurden".

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Dass Loiseau der Linie ihrer Regierung folgt, ist nicht verwunderlich. Als Paris brannte und am vergangenen Wochenende seit drei Monaten in Folge regierungskritische Demonstrationen stattfanden, veröffentlichte die Ministerin eine Reihe von Tweets, in denen sie ihre unerschütterliche Unterstützung für die Europäische Union und den Euro bekundete, die Sozialpolitik ihrer Regierung verteidigte und den Demonstranten "Hasses auf die Republik und die Demokratie" vorwarf.

Diese Bemerkungen gefielen der italienischen Exekutive nicht. "So viel Heuchelei", schrieb Luigi Di Maio, Führer der Fünf-Sterne-Bewegung (M5S), die in einer Koalition mit der Lega Nord die Regierung stellt, auf Facebook. "[Nathalie Loiseau] erinnert sich vielleicht nicht daran, dass Präsident Macron uns mit Lepra verglich, als er über unsere Regierung sprach", sagte er.

Das französische Volk fordert Veränderung und eine bessere Berücksichtigung seiner Forderungen. Ich kann diese Wünsche nur teilen.

Vier Monate zuvor hatte Nathalie Loiseau selbst nicht gezögert, die Politik der italienischen Regierung anzugreifen, und hatte behauptet, ihr europäischer Nachbar habe sich aus den Bürgerkonsultationen zurückgezogen. Sie stellte auch die Frage, ob "Populisten Angst haben, den Menschen eine Stimme zu geben".

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