Ukrainisches Indoktrinationscamp für Kinder: "Russen sind keine menschlichen Wesen"

Ein Reporterteam von The Associated Press hat ein Camp für Minderjährige im Westen der Ukraine besucht, wo eine nächste Generation von Kriegern herangezogen wird. Ihnen wird nicht nur der Umgang mit der Waffe beigebracht, sondern auch der Hass auf andere eingetrichtert.

Nicht zum ersten Mal wird von Journalisten ein Camp zur Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen in der Ukraine bloßgestellt. Das zeigt, wie offen und selbstverständlich sowohl die Veranstalter als auch die ukrainische Regierung mit dieser Art von "Ferienlager" umgehen. Es gibt keinerlei Schamgefühl oder Anzeichen, dass Kiew daran etwas peinlich sein könnte, wenn solche Bilder Assoziationen zur Hitlerjugend Nazi-Deutschlands heraufbeschwören.

Für einige mag der Vergleich dieses Indoktrinationscamps mit der Hitlerjugend weit hergeholt erscheinen, doch bei genauerem Hinsehen gibt es sehr wohl viele Parallelen. Wie es auch bei der sogenannten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei der Fall war, unterhält heute auch die ukrainische Svoboda-Partei (im Jahr 1991 als "Sozial-Nationale Partei der Ukraine" gegründet) ihre eigene Jugend- und Nachwuchsorganisation mit dem Namen Sokol. Svoboda und ihr Parteivorsitzender Oleh Tjahnybok werden von verschiedenen Institutionen als gefährlich, rassistisch, rechtsextrem und sogar neonazistisch eingestuft. Das EU-Parlament erklärte bereits in einer Resolution vom 13. Dezember 2012, dass "rassistische, antisemitische und ausländerfeindliche Auffassungen" dieser Partei im Widerspruch zu den Grundwerten der EU stehen und man deshalb an das ukrainische Parlament (Werchowna Rada) appelliere, sich nicht mit Svoboda zu assoziieren, die Partei nicht zu unterstützen und keine Koalitionen mit ihr zu bilden.

Und ebendiese Partei Svoboda führt mit ihrer Jugend- und Nachwuchsorganisation Sokol diese Art Sommer-Camp durch. Und sie ist beileibe heute in der Ukraine nicht mehr die einzige Organisation, die solche Camps organisiert. Auch andere ultranationalistische und rechtsextreme Parteien - wie beispielsweise Asow und C14 - führen solche "Sommerlager" durch, in denen Kinder zwischen 8 und 18 Jahren streng ideologisch erzogen und an der Waffe ausgebildet werden. Wie die Ausbilder dabei vorgehen und welcher Ton dort herrscht, zeigten sie ganz selbstbewusst beim Besuch eines Reporterteams von The Associated Press.

An der weltweit am häufigsten verbreiteten Kriegswaffe überhaupt, der Kalaschnikow AK-47, üben die Kinder wie Rekruten in einer Armee taktische Formationen und erlernen das scharfe Schießen. Am Ende sollen sie imstande sein, einen Menschen töten zu können. Damit dabei die natürliche innere Hemmschwelle überwunden werden kann, werden die Schützen dementsprechend psychisch vorbereitet:

Wir zielen nie auf Menschen. Aber wir zählen Separatisten, kleine grüne Männchen und Besatzer aus Moskau nicht zu den Menschen. Deshalb können und sollen wir auf sie zielen.

Das ist im Grunde die gleiche Sprache und menschenverachtende Grundhaltung, mit denen Nazis die Ausrottung sogenannter "Untermenschen" verherrlicht und verlangt haben. Sobald ein Mensch nicht mehr als Mensch zählt und als solcher wahrgenommen wird, fällt es ihm bei entsprechender ideologischer Indoktrination in Extremsituationen leichter, den Abzug seiner Waffe bedenkenlos zu betätigen. Oder Schlimmeres. Und wie schon bei den Nazis ist auch bei Svoboda & Co. die Feindbilder dieselben geblieben: Russen, Roma, Sinti, Juden, Homosexuelle, selbst "die Bolschewiken" sind noch dabei.

Ihr müsst euch dessen bewusst sein… All diese Gender-Fragen sind Perversionen moderner Bolschewiki, die in Europa an die Macht gekommen sind und jetzt versuchen, all das LGBT-Zeugs wie Gay Pride Paraden und ähnliches zu einem Teil des Bildungssystems zu machen.

Das alles geschieht wie gesagt nicht etwa im Geheimen, sondern es wird ganz offen vorgetragen. Doch statt Entrüstung und Verurteilungen seitens der westlichen Wertegemeinschaft, wie sie sonst immer schnell reklamiert werden, hüllt man sich hierzulande in Schweigen. Geschweige denn, man würde irgendwelche Konsequenzen fordern, zum Beispiel gegenüber der ukrainische Regierung, die ja über ihr Ministerium für Jugend und Sport solche Camps fördert, im Gegenteil. Unsere deutsche Bundeskanzlerin stellte sich bei ihrem Besuch in Kiew Anfang November vor die Ehrengarde, von der sie mit militärischen Ehren empfangen hatte, und begrüßte sie mit:

Grüße euch, Krieger.

Diese Begrüßung stammt aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, als in der Ukraine die den Nazis nahestehende OUN (Organisation Ukrainischer Nationalisten) und UPA (Ukrainische Aufständische Armee) zusammen mit der Waffen-SS ihr verbrecherisches Unwesen trieben. Erst vor kurzem wurde diese Gruß-Formel in das offizielle Protokoll aufgenommen. So wurde Angela Merkel die Ehre zuteil, erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg als Bundeskanzlerin Deutschlands die ukrainische Armee (wieder) mit "Grüße euch, Krieger" begrüßen zu dürfen. Eine wohl eher zweifelhafte Ehre, würde mancher meinen. Doch es gibt Apologeten, die diese historische Parallele auch noch bagatellisieren und darauf verweisen, dass es ja nun mal einfach "das Protokoll" so vorgeschrieben habe. Das heißt aber noch lange nicht, dass sich eine deutsche Kanzlerin das bieten lassen muss. Indem auch sie hochoffiziell die Sprache einer totgeglaubten Epoche spricht, legitimiert sie indirekt die dunkelste Vergangenheit deutscher Geschichte und auch solche Indoktrinationscamps für Kinder und Jugendliche, die sich der gleichen Sprache und desselben Denkens wie ehedem bedienen.