"Ich liebe die Russen": Deutsche bricht wegen Schließung des Russischen Hauses in Tränen aus

Die Schließung des Russischen Hauses in Berlin sorgt bei einigen Deutschen für Empörung. Eine Besucherin brach in Tränen aus und sprach von einer "schrecklichen Tragödie" Andere kritisierten die Entscheidung als "eklatanten Fehler" und forderten, den Dialog mit Russland fortzusetzen.

Vor dem Russischen Haus in Berlin machen Deutsche ihrem Unmut über dessen geplante Schließung Luft. Die Entscheidung der Bundesregierung, das Abkommen über den Betrieb des Kulturzentrums zu kündigen, stößt bei einigen Deutschen auf scharfe Kritik. Mehrere Menschen versammelten sich vor dem Gebäude, um gegen die Schließung zu protestieren. Eine Besucherin brach dabei in Tränen aus und bezeichnete die Schließung als "schreckliche Tragödie".

Vor dem Haupteingang bleiben immer wieder Passanten stehen und betrachten die Plakate am Gebäude. Darauf ist unter anderem zu lesen: "Wir sagen nicht Adieu, wir sagen nur auf Wiedersehen!" Einige Besucher erklärten, sie wollten mit ihrem Kommen "ein bestimmtes Zeichen setzen."

Eine der Frauen, die zum Russischen Haus gekommen waren, konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. Die deutsche Staatsbürgerin Sabina sagte gegenüber RIA Nowosti, sie könne die Entscheidung der Behörden nicht verstehen.

"Ich weine, weil ich die Russen liebe und einfach nicht verstehen kann, warum das passiert."

Die Frau besitzt neben der deutschen auch die russische Staatsbürgerschaft und lebt seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Sie betonte, dass sie sich weiterhin als Russin betrachte und die aktuellen Entwicklungen deshalb besonders emotional erlebe. Zudem verwies Sabina auf die historischen Verbindungen zwischen beiden Ländern. "Deutschland hat Russland viel zu verdanken", sagte sie und erinnerte dabei unter anderem an die deutsche Wiedervereinigung.

Ihrer Meinung nach werde der deutschen Öffentlichkeit ein verzerrtes Bild von Russland und dem Ukraine-Konflikt vermittelt. Dadurch entstehe bei vielen Menschen ein einseitiges Bild des Landes. Sabina sagte:

"Uns werden Dinge erzählt, die nicht der Wahrheit entsprechen."

"Einer der eklatantesten Fehler unserer Regierung"

Auch das Ehepaar Axel und Claudia aus Stahnsdorf bei Berlin kam zum Russischen Haus, um gegen die Entscheidung der Bundesregierung zu protestieren. Axel bezeichnete die Maßnahme als einen der "eklatantesten Fehler" der deutschen Regierung.

"Ich halte das für einen der eklatantesten Fehler unserer Regierung. Wir haben so lange Beziehungen, wir sind Partner in Europa, wir müssen trotzdem miteinander koexistieren."

Für Axel stehe das Russische Haus symbolisch für die deutsch-russischen Beziehungen. Diese könne man seiner Ansicht nach nicht einfach abbrechen.

"Wir stehen der russischen Kultur näher als der Kultur irgendeines anderen Landes. Wir haben viel mehr gemeinsam. Auch die Geschichte verbindet uns bereits seit Jahrhunderten. Ich kann einfach nicht verstehen, wie unsere Regierung die Sache so weit treiben kann."

Seine Frau Claudia äußerte ebenfalls scharfe Kritik an den jüngsten Entscheidungen der deutschen Behörden. Sie sagte, sie schäme sich dafür und bezeichnete die Schließung des Russischen Hauses angesichts der Geschichte und der Verantwortung Deutschlands als Tragödie. Zwischen Deutschland und Russland müsse es ihrer Ansicht nach weiterhin einen Dialog geben. Die bestehenden Konflikte sollten auf diplomatischem Weg gelöst werden.

Das Ehepaar äußerte die Hoffnung, dass die derzeitige Entwicklung nicht zu einem endgültigen Abbruch der kulturellen Kontakte zwischen beiden Ländern führen werde. Das Russische Haus sollte aus ihrer Sicht künftig die Möglichkeit erhalten, seine Arbeit wiederaufzunehmen.

Bonn, Berlin und die Reaktion Moskaus

Am 1. September kündigte Bundesaußenminister Johann Wadephul an, das russische Generalkonsulat in Bonn zu schließen und das Abkommen über die Tätigkeit des Russischen Hauses in Berlin zu kündigen. Das Generalkonsulat in Bonn soll am 18. September seine Arbeit einstellen.

Die Bundesregierung begründet diese Maßnahmen mit den jüngsten Spannungen zwischen Berlin und Moskau. Hintergrund ist unter anderem der von deutschen Behörden Russland zugeschriebene Versuch eines Drohnenanschlags auf den Flughafen Leipzig/Halle. Moskau weist die Vorwürfe zurück.

Das Russische Haus wird von der staatlichen russischen Agentur Rossotrudnitschestwo betrieben. Laut deutschen Medienberichten läuft die vertragliche Grundlage für seine Tätigkeit eigentlich erst Mitte 2027 aus. Berlin will den Betrieb jedoch vorzeitig einschränken und die aus Russland entsandten Mitarbeiter unter anderem zur Ausreise auffordern.

Russland kündigte seinerseits Gegenmaßnahmen an. Außenminister Sergei Lawrow erklärte, dass infolge der deutschen Entscheidung die Goethe-Institute in Russland geschlossen würden. Am 7. September ordnete Moskau zudem die Schließung des deutschen Generalkonsulats in St. Petersburg an.

Trotz der zunehmenden diplomatischen Spannungen kommen weiterhin Menschen zum Russischen Haus in Berlin. Sie wollen eigenen Angaben zufolge zeigen, dass sie einen Abbruch der kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland nicht unterstützen.

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