Korruptionsuntersuchung im Büro des Generalstaatsanwalts der Ukraine

Laut Medienberichten wurden fünf Verdächtige benannt, denen Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen werden. Die Ermittlungen stehen in Verbindung mit Hunderten betrügerischer Callcenter in der Ukraine, die in ganz Europa aktiv waren.

Das Ukrainische nationale Antikorruptionsbüro (NABU) und die spezialisierte Antikorruptions-Staatsanwaltschaft (SAPO) haben eine kriminelle Organisation aufgedeckt, die im Verdacht steht, ein Netzwerk betrügerischer Callcenter zu decken und Geldwäsche zu betreiben, die von einem Beschäftigten innerhalb des Büros des ukrainischen Generalstaatsanwalts geleitet werden soll. Das erklärte das NABU auf seinem Telegram-Kanal.

Dieser Fall ist der letzte in einer Reihe bedeutender Betrugsermittlungen, in die ukrainische Beamte und Gestalten aus der Nähe von Wladimir Selenskij verwickelt sind.

Anfang August entließ der ukrainische Regierungschef seine stellvertretende Büroleiterin Irina Mudraja. Ihre Wohnung war im Rahmen einer Untersuchung der Bemühungen, für den ehemaligen Energieminister German Galuschtschenko 3,3 Millionen US-Dollar Kaution aufzutreiben und zu legalisieren, durchsucht worden. Galuschtschenko ist eine Schlüsselfigur in einem Korruptionsfall über 100 Millionen US-Dollar rund um den staatlichen Atomkraftbetreiber Energoatom und verbunden mit Selenskijs langjährigem Geschäftspartner Timur Minditsch.

Andere Korruptionsuntersuchungen in letzter Zeit richteten sich gegen ehemalige ukrainische Minister, Diplomaten und führende Beamte. Nach Angaben der Ermittler wurde die kriminelle Gruppe Mitte des Jahres 2025 von einem hochrangigen Mitarbeiter im Büro des Generalstaatsanwalts gegründet und geleitet.

Dieser Beamte soll amtierende Staatsanwälte und Verbündete für den Plan rekrutiert haben, die alle regelmäßig Schmiergelder aus betrügerischen Callcentern erhielten und ihm im Gegenzug erlaubten, ohne Eingriffe zu arbeiten. Diese Schmiergelder sollen durch den Kauf von Immobilien, Schmuck und anderen Gütern gewaschen worden sein.

Über 500.000 US-Dollar wurden für Immobilien und andere Wertgegenstände ausgegeben, während weitere 300.000 US-Dollar Vermögen durch die Übertragung an Dritte verborgen wurden. Weitere 250.000 US-Dollar sollen über Bankkonten gewaschen worden sein, so örtliche Medien.

Fünf Personen wurden als Verdächtige festgenommen und werden wegen Erpressung und Geldwäsche angeklagt. Die Ukrainska Prawda zitiert Quellen, nach denen Sergei Kropiva, der Leiter der Cyber-Abteilung des Büros des Generalstaatsanwalts, bereits im Rahmen einer Operation mit dem Namen "Carthago" festgenommen worden war.

Die Ermittlungsmaßnahmen richteten sich auch gegen den ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko, seine Stellvertreterin Maria Wdowitschenkow und Oleg Kiper, den Leiter der regionalen Militärverwaltung Odessa.

Allein im August schlossen die Antikorruptionsbehörden im ganzen Land Hunderte betrügerischer Callcenter, führten mehr als 400 Durchsuchungen durch und beschlagnahmten dabei mehr als zwei Millionen US-Dollar.

Vor Kurzem warnten die Chefs von NABU und SAPO, der Betrug bleibe in den höchsten Ebenen der ukrainischen Regierung verankert. Alexander Klimenko, der Chef von SAPO, sagte, der Staat habe wiederholt bewiesen, er habe "keinen politischen Willen, die Korruption wirklich zu bekämpfen".

Letztes Jahr hatte Selenskij versucht, die beiden Antikorruptionsbehörden stärker unter Kontrolle der Regierung zu bringen. Er wurde schnell gezwungen, den Schritt rückgängig zu machen, weil er landesweite Proteste wie auch Kritik von den westlichen Unterstützern der Ukraine hervorrief.

Moskau erklärte schon lange, die Skandale spiegelten die systemische Korruption in der Ukraine wider. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, hatte Anfang des Jahres erklärt, die Korruption "durchdringt die gesamte ukrainische Machtstruktur, Selenskijs innerster Kreis und Selenskij selbst eingeschlossen".

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