EU versprach Serbien EU-Beitritt für Mladićs Auslieferung: Nun ist er tot, Serbien wartet immer noch

Die Auslieferung Mladićs galt als entscheidender Schritt für Serbiens Annäherung an die EU. Brüssel stellte Fortschritte in Aussicht, Belgrad erfüllte die Bedingungen. Doch Jahre später ist Mladić tot und Serbien noch immer kein EU-Mitglied.

Ratko Mladić ist tot. Er starb am Donnerstag im Alter von 84 Jahren in UN-Haft in Den Haag. Damit geht ein Kapitel zu Ende. Politisch bleibt jedoch ein bitterer Beigeschmack. Seine Auslieferung im Jahr 2011 war eng mit Serbiens Weg Richtung EU verbunden. Belgrad lieferte Mladić aus und hoffte auf Fortschritte bis hin zur EU-Mitgliedschaft. 15 Jahre später ist Mladić tot – Serbien aber noch immer nicht in der EU.

Mladić war nach dem Bosnienkrieg fast 16 Jahre untergetaucht, phasenweise mit stillschweigender Deckung durch Teile des serbischen Staatsapparats. Am 26. Mai 2011 wurde er in einem Dorf nahe Belgrad gefasst, wenige Tage später nach Den Haag überstellt.

Das war kein Zufallstreffer nach jahrelanger erfolgloser Suche. Die EU hatte Serbien die Bedingung längst klargemacht. Ohne volle Kooperation mit dem Haager Tribunal gab es keinen Fortschritt im Beitrittsprozess. Und diese volle Kooperation hieß konkret, Mladić musste ausgeliefert werden.

Das ist keine nachträgliche Interpretation. Chefanklägerin Carla Del Ponte hatte den EU-Ausschüssen schon Jahre zuvor direkt berichtet, dass allein die Aussicht auf eine Annäherung an die EU die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens zur Zusammenarbeit mit dem Tribunal bewegte. In der Forschung hat dieser Mechanismus sogar einen eigenen Namen: "ICTY-Konditionalität".

Der Lohn kam prompt. Im März 2012 bekam Serbien den EU-Kandidatenstatus, 2014 wurden die Beitrittsverhandlungen offiziell eröffnet.

Für einen Teil der serbischen Öffentlichkeit, vor allem im nationalistischen Lager, war Mladić trotz seiner Verurteilung wegen Völkermords in Srebrenica kein Kriegsverbrecher, sondern ein Verteidiger serbischer Interessen. Seine Auslieferung wurde deshalb nicht als Sieg des Rechtsstaats gesehen, sondern als Unterwerfung. Ein Mann aus den eigenen Reihen wurde an ein Gericht ausgeliefert, das in Serbien bis heute von vielen als einseitig betrachtet wird.

15 Jahre später ist der Ärger noch immer da. Serbien ist der EU nicht beigetreten. Die Kosovo-Frage ist ungelöst. In Brüssel ist die Bereitschaft zur weiteren Vergrößerung der EU deutlich geringer geworden.

Für diejenigen, die damals von einem Verrat sprachen, ist die Sache deshalb klar. Serbien zahlte einen hohen und symbolisch aufgeladenen Preis. Mladić wurde ausgeliefert, der Weg in die EU wurde geöffnet. Doch Serbien ist bis heute kein Mitglied der Europäischen Union.

Die Auslieferung Mladićs war rechtlich geboten. Doch Brüssel machte daraus zugleich ein politisches Druckmittel. Serbien wusste, dass seine EU-Perspektive von der Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal abhing. Mladić wurde ausgeliefert, Serbien erhielt den Kandidatenstatus, später wurden Beitrittsverhandlungen eröffnet.

Doch 15 Jahre später ist Serbien noch immer nicht in der EU. Und inzwischen steht Kosovo im Zentrum. Brüssel verlangt von Belgrad eine Normalisierung der Beziehungen zu Priština, während viele Serben darin vor allem Druck sehen, ihre Haltung zum Kosovo aufzugeben.

Aus Sicht der EU ist das ein normaler Beitrittsprozess mit Bedingungen. Aus serbischer Sicht sieht es anders aus. Erst Mladić, dann weitere Reformen, nun Kosovo. Die Forderungen werden konkreter, während der versprochene EU-Beitritt weiter ausbleibt.

Für viele Serben beginnt genau hier die Geschichte vom Verrat. Serbien hat geliefert, was Brüssel verlangte. Doch die Mitgliedschaft blieb aus. Und je länger der Beitrittsprozess dauert, desto stärker entsteht der Eindruck, dass die Bedingungen nie enden.

Mladić ist tot. Serbien wartet noch immer auf die EU. Kosovo bleibt der nächste große Prüfstein.

Mehr zum Thema – Die gefährliche Logik der "NATO 3.0"