Bewohner der nordafrikanischen spanischen Exklave Ceuta rissen provisorische Unterkünfte für Migranten ab, während die Polizei bei eskalierenden Protesten gegen die Migrationskrise Gummigeschosse einsetzte, wie in sozialen Medien veröffentlichte Videos mutmaßlich zeigen. Fast einen Monat nach der Rekordzahl an Migranten, die aus dem benachbarten Marokko in die Exklave strömte, befinden sich noch immer Tausende in dem Gebiet. Viele von ihnen suchen Asyl in der EU.
Die Krise eskalierte Ende Juli, als rund 72.000 Menschen nach Ceuta eindrangen oder dies versuchten, viele von ihnen um die Grenzsperren herum schwimmend. Die meisten wurden zurückgeschickt, doch der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska gab an, dass sich noch etwa 5.000 Menschen in Ceuta aufhalten. Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas bezifferte die Zahl sogar auf bis zu 9.000.
Am Mittwoch gingen Tausende Einwohner zum zweiten Mal in Folge auf die Straße, um zu protestieren und schnellere Abschiebungen zu fordern. Sie kritisierten Madrids Umgang mit der Krise. Demonstranten mit spanischen Flaggen marschierten zu Regierungsgebäuden und skandierten: "Keine Invasion – Abschiebung!"
Quelle: Soziale Medien
Demonstranten zogen später zum Strand El Trampolin, wo Migranten provisorische Unterkünfte errichtet hatten. Laut Medienberichten schritt die Polizei ein, um die Gruppen zu trennen, und setzte Gummigeschosse ein, als die Spannungen zunahmen. Mehrere Unterkünfte wurden bei den Auseinandersetzungen zerstört.
Der Zustrom hat die Ressourcen des kleinen spanischen Territoriums mit seinen rund 84.000 Einwohnern stark belastet. Tausende Migranten schlafen an Stränden, in Wäldern und auf der Straße. Die lokalen Behörden haben Mühe, Unterkünfte, Nahrung und sanitäre Einrichtungen bereitzustellen, während sie gleichzeitig Asylanträge bearbeiten und entscheiden, wer zurückgeschickt werden kann.
Quelle: Soziale Medien
Die Regierung von Ceuta wirft Madrid vor, nicht genug zur Lösung der Krise zu unternehmen. Die Polizei räumte am vergangenen Donnerstag etwa 1.500 Migranten von einem Strand und brachte sie in Notunterkünfte. Berichten zufolge kehrten jedoch innerhalb weniger Stunden Hunderte aus Angst vor Abschiebung zurück.
Bei der massenhaften Grenzüberquerung kamen auch zahlreiche Migranten ums Leben. Mindestens 88 Leichen, die nach dem Ansturm geborgen wurden, wurden letzte Woche auf dem muslimischen Friedhof von Ceuta beigesetzt. Laut Medienberichten konnten bisher nur neun von ihnen identifiziert werden.
Migranten haben unterdessen eigene Demonstrationen veranstaltet und Asyl gefordert. Rund 200 Menschen versammelten sich Anfang des Monats in El Trampolin mit Schildern, auf denen "Wir wollen nicht nach Marokko zurück" und "Auch wir sind Menschen" stand.
Ceuta bildet zusammen mit Melilla die einzige Landgrenze der EU zu Afrika und ist seit Langem ein Ziel für Migranten, die nach Europa gelangen wollen. Der jüngste Zustrom wurde durch wirtschaftliche Not in Marokko und die in den sozialen Medien verbreiteten Behauptungen angeheizt, Spanien habe seine Grenze faktisch geöffnet.
Spanische und marokkanische Behörden machen Schleuser und Falschinformationen im Internet für die Zunahme der Grenzübertritte verantwortlich. Marokko hat daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen um Ceuta verstärkt, während Madrid die Bearbeitung von Asylanträgen und die Rückführung von Migranten ohne Aufenthaltsrecht beschleunigt hat.
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