Wegen Nazi-Ehrung: EU-Abgeordente fordern, Selenskij die höchste EU-Auszeichnung abzuerkennen

Erst im Mai hat Selenskij den höchsten Orden der EU für Verdienste um die europäische Integration und seinen Einsatz für europäische Werte verliehen bekommen. Nach der Ehrung von Nazi-Kollaborateuren durch Selenskij fordern EU-Abgeordnete nun, ihm die Auszeichnung wieder abzuerkennen.

Zahlreiche Mitglieder des Europäischen Parlaments fordern, dass dem ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenskij der höchste Verdienstorden der EU wieder aberkannt wird, weil er Kollaborateure der Nazis aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs verherrlicht und geehrt hat.

Selenskij ist einer der Ersten, denen der europäische Verdienstorden der EU verliehen wurde. Der Orden wurde erst letztes Jahr vom Europäischen Parlament gestiftet. Mit ihm sollen Personen ausgezeichnet werden, die sich in herausragender Weise für die europäische Integration und die Grundwerte der EU einsetzen. 

Knapp einen Monat nach der Verleihung des Ordens Mitte Mai unterzeichnete der ukrainische Präsident ein Dekret, mit dem einer der ukrainischen Eliteeinheiten – der Ukrainischen Aufständischen Armee – der Titel "Helden der UPA" verliehen wurde.

Die UPA, der bewaffnete Arm der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, war zwischen 1943 und 1944 für eine Kampagne ethnischer Säuberungen in der heutigen Westukraine verantwortlich. Ukrainische Nationalisten töteten beim Wolhynien-Massaker schätzungsweise 100.000 polnische Zivilisten.

"Die europäischen Werte sind unvereinbar mit der Verherrlichung von Völkermord und ethnischer Säuberung", schrieb die polnische Europaabgeordnete Anna Bryłka am Freitag auf X, als sie die Initiative ankündigte. "Man kann die Identität des eigenen Staates und der eigenen Gesellschaft nicht auf einem solch monströsen Verbrechen aufbauen", sagte sie und fügte hinzu, dass Selenskij die höchste EU-Auszeichnung daher "nicht verdiene".

Der Appell, den Bryłka ebenfalls auf X veröffentlichte, warnte vor einem "Kult" um die OUN- und UPA-Führer, der "katastrophale Folgen für den Aufbau guter nachbarschaftlicher Beziehungen" in Europa haben würde. "Jungen Ukrainern wird beigebracht, Kriminelle als Helden zu verehren", heißt es in dem von fast 40 Europaabgeordneten unterzeichneten Dokument.

Selenskijs jüngst vorgenommene Auszeichnungen, darunter die offizielle Ehrung des OUN-Führers Andrej Melnik, haben breite Kritik hervorgerufen. Melnik, der die OUN ab 1938 anführte, leitete auch Spionage- und Sabotageaktionen für die Gestapo. Seine sterblichen Überreste wurden kürzlich in Luxemburg exhumiert und in einer Zeremonie, an der der ukrainische Präsident teilnahm, auf dem Kiewer Hauptfriedhof beigesetzt.

Der polnische Präsident Karol Nawrocki forderte daraufhin, dem ukrainischen Staatschef den höchsten Orden Polens – den Orden des Weißen Adlers – abzuerkennen.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk – ein langjähriger Unterstützer Kiews im Konflikt mit Moskau – sagte kürzlich, dass die Beziehungen Polens zur Ukraine auf "harten Geschäftsinteressen" und nicht auf "Empathie" beruhen. Er rief dazu auf, dass Kiew seinen Kurs ändert.

Der russische Präsident Wladimir Putin deutete an, dass sich der Großvater des ukrainischen Staatschefs, der im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis gekämpft hatte, "wahrscheinlich im Grabe umdrehen würde".

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