Der polnische Präsident Karol Nawrocki hat am Freitag vorgeschlagen, dem ukrainischen De-facto-Machthaber Wladimir Selenskij, dessen reguläre Amtszeit als ukrainischer Präsident seit mehr als zwei Jahren abgelaufen ist, die ihm einst verliehene höchste staatliche Auszeichnung der Republik Polen abzuerkennen, den Orden des Weißen Adlers. Damit reagiert Nawrocki auf die Nachricht, dass Selenskij einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte den "Ehrennamen" "Helden der UPA" verliehen hat.
Mehrere polnische Medien zitieren Nawrocki am Freitag mit den Worten:
"Die Sitzung des Kapitels des Ordens des Weißen Adlers findet am 8. Juni statt, und ich habe vorgeschlagen, dass einer der Tagesordnungspunkte die Aberkennung des Ordens für Präsident Selenskij sein soll."
Nawrocki betonte, er sei "zutiefst empört" über Selenskijs Entscheidung und argumentierte, dass "die Verherrlichung der UPA der russischen Propaganda reichlich Zündstoff für Desinformation geliefert hat". Er betonte, dass er Selenskijs Vorgehen sehr kritisch sehe und dass dies die mangelnde Bereitschaft Kiews zum EU-Beitritt zeige.
Dagegen stellte sich der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, dessen Regierung regelmäßig mit dem der Opposition nahestehenden Präsidenten aneinandergerät, vor Selenskij. Tusk warnte davor, dass der Einzige, der von einem Konflikt zwischen Polen und der Ukraine profitiere, Russland sei.
Verliehen worden war dem ukrainischen Machthaber der Orden des Weißen Adlers im Jahr 2023 durch den damaligen Präsidenten Polens Andrej Duda.
UPA ist in russischer und ukrainischer Sprache die Abkürzung für Ukrainische Aufständische Armee. Diese war der 1942 gegründete militärische Arm von Stepan Banderas Flügel der Organisation Ukrainischer Nationalisten gewesen, jener nazistischen Organisation, die eng mit Hitlerdeutschland kooperiert hatte und in der Post-Maidan-Ukraine ebenfalls verehrt wird.
Erst vor einigen Tagen wurde der Leichnam eines weiteren ukrainischen Hitler-Kolaborateurs, Andrei Melnyk, von Luxemburg nach Kiew überführt und dort mit militärischen Ehren wiederbestattet. Selenskij war bei der Zeremonie anwesend und hielt eine Ansprache. Während Israel und die Gedenkstätte Yad Vashem dies verurteilten, schwieg Polen wie auch die anderen europäischen Länder zu dieser offiziellen Ehrung eines Nazis.
Die polnische Politik ist gewöhnlich sehr nachsichtig mit den nazistischen und geschichtsrevisionistischen Umtrieben im Nachbarland. So steht die heutige ukrainische Armee vollständig in der Tradition der UPA, nutzt deren Parolen und feiert den Gründungstag der UPA offiziell, ohne dass Polen dies von der militärischen Zusammenarbeit mit ihr abgehalten hätte. Die scharfe Reaktion Nawrockis kommt für Beobachter daher einigermaßen überraschend.
Während des Massakers in Wolhynien (Wolyn) im Juli 1943 ermordeten ukrainische Nationalisten, vor allem Mitglieder der UPA, mit Duldung der deutschen Besatzungstruppen etwa 60.000 polnische Zivilisten, darunter Tausende Frauen und Kinder, auf grausamste Weise. Polnische Historiker gehen sogar von bis zu 100.000 Ermordeten aus.
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