Einblick in Kiews eskalierenden Drohnenkrieg gegen die russische Infrastruktur

Die Massenproduktion von Drohnen für Angriffe aus großer Entfernung und sich wandelnde Taktiken verändern das Schlachtfeld – und erzwingen ein Umdenken bei den Luftverteidigungsstrategien. Das zeigen die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf die Ölinfrastruktur tief im russischen Hinterland.

Von Dmitri Kornew

Ende März und Anfang April startete die Ukraine eine Reihe von Drohnenangriffen auf die Ostseehäfen Ust-Luga und Primorsk sowie auf Ölterminals im Süden des Landes in Noworossijsk. Dies war eindeutig ein Versuch, Russlands Exportkapazitäten für Erdölprodukte zu unterbrechen. Darüber hinaus griffen die ukrainischen Streitkräfte weitere russische Regionen an, um der Öl- und Gasindustrie zusätzlichen Schaden zuzufügen und Russlands Luftverteidigungsnetz, das kritische Infrastrukturen schützen soll, zu überlasten.

Angesichts der aktuellen globalen Lage würden steigende Erdölexporte Russland dringend benötigte Einnahmen bescheren. Diese Einnahmen könnten dazu beitragen, die Verluste durch westliche Sanktionen auszugleichen und das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren. Natürlich kämen diese zusätzlichen Einnahmen auch dem militärisch-industriellen Komplex Russlands zugute – eine Tatsache, der sich Kiew zweifellos bewusst ist.

Die verstärkten Angriffe der Ukraine auf die russische Öl- und Gasinfrastruktur, insbesondere auf Exportterminals, zielen darauf ab, Russlands Exportkapazität zu reduzieren. Ein weiteres Ziel könnte darin bestehen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, indem die verbesserten Angriffsfähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte demonstriert werden. Das dritte Ziel besteht darin, die Raketenbestände der russischen Raketenabwehrsysteme durch massive Drohnenangriffe zu erschöpfen.

Doch wie genau erreichen diese Drohnen Ziele tief im russischen Hinterland – und was bedeutet das für die Zukunft der Luftverteidigung?

Routen, Taktiken und technologischer Vorsprung

Im März 2026 stellte die ukrainische Luftwaffe einen Rekord im Einsatz von Langstreckendrohnen auf. Westlichen Quellen zufolge setzte die Ukraine über 7.000 Drohnen ein. Dies wurde durch die Massenproduktion relativ kostengünstiger Drohnen verschiedener Typen mit einer Reichweite von bis zu 1.500 Kilometer ermöglicht.

Bemerkenswert ist, dass die Kosten dieser Drohnen recht niedrig sind und es in der Ukraine keinen Komponentenmangel gibt, da Sanktionen und andere Beschränkungen diese Lieferkette nicht beeinträchtigen. Die Drohnenproduktion kann dezentralisiert sein, wobei ein Teil der Produktion möglicherweise außerhalb der Ukraine stattfindet. Die Endmontage erfolgt wahrscheinlich in mehreren Einrichtungen an verschiedenen Standorten, getarnt als gewöhnliche Produktions- oder Logistikzentren. Offensichtlich ist die Massenproduktion von Drohnen ein bedeutendes staatliches Industrieprojekt, an dem auch kommerzielle Unternehmen beteiligt sind.

Während die Flugrouten der Drohnen von der Ukraine nach Noworossijsk unstrittig sind, bleiben die Wege, auf denen die Drohnen so weit von der Ukraine entfernte Orte wie Ust-Luga in der nordrussischen Region Leningrad erreichten, unklar.

Es existieren mehrere Hypothesen zu den Flugrouten ukrainischer Drohnen. Eine hypothetische Route führt von der Nordukraine über russisches Territorium entlang der Ostgrenze Weißrusslands in die Region Leningrad und weiter zu den baltischen Häfen. Diese Route wird durch Daten zu Luftalarmen in Westrussland und verschiedene Berichte gestützt. Die Nutzung des weißrussischen Luftraums ist theoretisch möglich, doch verfügt Weißrussland über ein leistungsstarkes Luftverteidigungs- und Aufklärungssystem. Sollten Drohnen in den Luftraum des Landes eindringen, wären solche Vorfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeldet worden.

Es gibt noch eine weitere interessante Hypothese: Die Drohnen könnten einen Umweg über Polen und die baltischen Staaten nehmen und dann über die neutralen Gewässer der Ostsee fliegen, um die Häfen vom Meer aus anzufliegen. Das Fehlen von Boden-Luft-Raketenabwehrsystemen über dem Meer verleiht dieser Theorie Glaubwürdigkeit, insbesondere angesichts der Berichte über Drohnenabstürze in den baltischen Staaten und Finnland. Es ist auch durchaus möglich, dass NATO-Staaten die Durchfahrt von Drohnen durch ihr Territorium zulassen. Allerdings fehlen für diese Theorie ausreichende Beweise, und die Antwort des russischen Außenministeriums erfolgte erst einige Tage später und enthielt keine substanziellen Details.

Angesichts der aktuellen Fortschritte bei autonomen Navigationssystemen erscheint es wahrscheinlicher, dass die Drohnen über russisches Territorium geleitet wurden und die natürlichen Gegebenheiten des Geländes nutzten, um ihre Ziele aus unerwarteten Winkeln anzugreifen. Drohnen, die über dem Meer operieren, sind möglicherweise leichter zu orten – dies ist jedoch nicht immer der Fall. Beispielsweise war es für die Luftverteidigungssysteme schwierig, Drohnen über dem Schwarzen Meer zu erfassen.

Als Verschwörungstheorie könnte man über die Installation von Funkbaken in Russland oder Nachbarländern spekulieren, um die Navigation angreifender Drohnen trotz elektronischer Gegenmaßnahmen gegen bestehende Navigationssysteme zu verbessern. Dies ist technisch möglich und verletzt nicht zwangsläufig den Luftraum, würde aber ein nachrichtendienstliches Netzwerk erfordern. Ich glaube, das Militär hat bereits herausgefunden, wie die Drohnen ihre Ziele erreicht haben.

Luftverteidigung neu denken: Aufklärung, Koordination und Kosten

Welche Schritte sind also notwendig, um sich gegen solche Angriffe zu verteidigen? Welche Szenarien und Methoden müssen für einen effektiven Schutz implementiert werden?

Die rechtzeitige Aufklärung hat oberste Priorität. Leichte Drohnen mit Kolbenmotoren sind bekanntermaßen mit herkömmlichen Luftraumradargeräten schwer zu erfassen. Sie können jedoch visuell gesichtet und anhand ihrer Motorengeräusche geortet werden. Da diese Drohnen bereits seit einiger Zeit weit verbreitet sind, sollten geeignete Aufklärungsmaßnahmen ergriffen werden. Ich hoffe, dass dieses Problem nicht nur durch freiwillige Initiativen, sondern als Teil der nationalen Luftverteidigung angegangen wird.

Die zweite Aufgabe besteht darin, alle relevanten Parteien über Bedrohungen zu informieren. Alle Strukturelemente der Raketenabwehrkräfte des Heeres müssen in Echtzeit Zugriff auf Informationen über geortete Drohnen, ihre Flugbahnen und potenzielle Ziele haben. Dies ermöglicht schnelle Gegenmaßnahmen – den Einsatz mobiler Einheiten, die Vorbereitung von Waffen, die Bereitstellung von Zieldaten und die Organisation einer mehrschichtigen Verteidigung. Dies sollte die Verantwortung einer einheitlichen Regierungsstruktur innerhalb der Streitkräfte sein; Abteilungs- oder Regionaleinheiten sind für diese Aufgabe nicht effizient genug. Letztendlich sollten die Geräte, die zur Übermittlung dieser Informationen an Endnutzer verwendet werden, einfache und benutzerfreundliche Tablets sein, keine tonnenschweren Lkw. Ich glaube, diese Arbeiten sind bereits im Gange und befinden sich in der Testphase.

Die dritte Aufgabe ist die Zerstörung der Drohnen. Einerseits können alle notwendigen Mittel eingesetzt werden; andererseits ist der Einsatz herkömmlicher Boden-Luft-Raketensysteme (SAMs) nicht immer gerechtfertigt. Erstens sind konventionelle SAMs gegen kleine, leichte Drohnen möglicherweise nicht wirksam. Zweitens sind die Kosten einer Rakete um ein Vielfaches höher als die der Drohne selbst.

Dies ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit: Billige Drohnenangriffe können hochentwickelte Raketenabwehrsysteme finanziell ruinieren. Es handelt sich um ein globales Problem, das alle technologisch fortgeschrittenen Nationen betrifft.

Was ist also die Lösung?

Es gibt mehrere Optionen, jede mit ihren Vor- und Nachteilen. Die kostengünstigste Lösung hinsichtlich der Feuerkosten ist der Einsatz von Laserwaffen. Die Kosten pro Schuss lassen sich in wenigen Dollar messen. Die Systeme selbst können jedoch Millionen von Dollar kosten. Zudem haben Laser eine begrenzte Reichweite; mit zunehmender Entfernung zum Ziel nimmt die Strahlleistung deutlich ab. Diese großen, energieintensiven Systeme sind stationär und dienen primär als letzte Verteidigungslinie. Dennoch können sie Drohnen, Marschflugkörper, Lenkbomben und andere Munitionstypen effektiv neutralisieren.

Spezialisierte Abfangdrohnen sind eine weitere vielversprechende und bereits eingesetzte Lösung. Fast alle Nationen, die sich auf die Drohnenabwehr konzentrieren, entwickeln und implementieren derzeit solche Abfangdrohnen. Sie sind relativ kostengünstig, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Aufgrund ihrer Bauart können sie nur sehr geringe Nutzlasten tragen oder setzen auf kinetische Abfangmethoden – d. h., sie bekämpfen das Ziel durch einen Hochgeschwindigkeitsaufprall. Bei massenhaftem Einsatz können Abfangdrohnen in bestimmten Gebieten und Situationen jedoch effektiv sein.

Leichte Kurzstrecken-Boden-Luft-Raketen stellen eine weitere Option dar. Diese Raketen können sowohl radar- als auch lasergelenkt werden; die Zielbeleuchtung kann von der Startplattform oder einem separaten Trägersystem erfolgen. Sie können von spezialisierten Systemen wie dem Pantsir-Raketensystem sowie von Flugzeugen abgefeuert werden, ähnlich den US-amerikanischen APKWS-Raketen. Ihre Kosten sind mit denen von Langstreckendrohnen vergleichbar.

Selbstverständlich können Schnellfeuerartilleriesysteme auch gegen leichte Drohnen eingesetzt werden. Moderne Systeme mit programmierbaren Zündern, die Geschosse in bestimmten Höhen zünden können, sind äußerst effektiv. Dank fortschrittlicher Ziel- und Feuerleitsysteme ist diese Verteidigungsmaßnahme sowohl effizient als auch vergleichsweise kostengünstig. Darüber hinaus können diese Systeme mehrere Aufgaben erfüllen und bei Bedarf Bodentruppen Feuerunterstützung leisten. Viele europäische Hersteller produzieren mittlerweile nicht nur spezialisierte Raketenabwehrsysteme mit dieser Bewaffnung, sondern auch vielseitige Kampffahrzeuge zur Bekämpfung von Luftzielen.

Darüber hinaus müssen wir die taktische Struktur der Luftverteidigung berücksichtigen. Wie diese organisiert ist, können wir nicht genau wissen – im Bereich der Raketenabwehr hüten alle Armeen ihre taktischen Geheimnisse. Es ist jedoch anzunehmen, dass eine effektive Luftverteidigungsstrategie eine gestaffelte stationäre Verteidigung mit mobilen Luftverteidigungseinheiten kombiniert, die in als Bedrohung eingestuften Richtungen operative Linien errichten. In diesem Zusammenhang wäre ein umfassendes und präzises Lagebild der Luftlage in der Region von unschätzbarem Wert – ohne diese Informationen könnten sich mobile Einheiten als völlig wirkungslos erweisen.

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Die massiven ukrainischen Drohnenangriffe stellen Russlands Luftverteidigungssystem vor eine echte Herausforderung. Es wurden bereits Maßnahmen ergriffen, um die Erkennungs- und Abwehrfähigkeiten gegen solche Angriffe zu verbessern. Die Modernisierung bestehender Systeme und die Entwicklung neuer Waffensysteme zur Bekämpfung leichter Drohnen laufen kontinuierlich. Taktiken zur Abwehr großer Drohnenschwärme werden verfeinert, und die Munitionsproduktion für diese Systeme wird hochgefahren. Geheimdienstoperationen zur Lokalisierung und Zerstörung von Produktions-, Lager- und Startanlagen für Drohnen dürften ebenfalls Priorität für das Militär haben. Ein solch umfassender Ansatz ist unerlässlich, um der Bedrohung durch Drohnenangriffe wirksam zu begegnen.

Übersetzt aus dem Englischen.

Dmitri Kornew (bekannter unter der englischen Transliteration "Dmitry Kornev") ist ein russischer Militärexperte, Gründer und Autor des Projekts "MilitaryRussia".

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