Droht Europa Hungersnot? Experte warnt vor Kraftstoff- und Düngermangel

Europa drohen infolge des Iran-Kriegs angesichts ausbleibender Diesel- und Düngerlieferungen aus dem Mittleren Osten massiv steigende Lebensmittelpreise, die noch in diesem Jahr zu Hunger und Hungertoten in den ärmeren Teilen der Bevölkerung führen werden. Davor warnt der ehemalige US-Offizier und Militärexperte Stanislaw Krapiwnik.

Stanislaw Krapiwnik, ein aus dem Donbass stammender ehemaliger US-Offizier, Geopolitik- und Militärexperte und Blogger, hat in der zurückliegenden Woche in mehreren Auftritten in englischsprachigen Podcasts vor einer Hungersnot gewarnt, die infolge des Iran-Krieges noch in diesem Jahr in Europa ausbrechen könnte. 

So erklärte er im Interview für den Duran-Podcast am Freitag, der jetzt im Mittleren Osten angerichtete Schaden an Öl- und Gasförderanlagen und der damit verbundenen Infrastruktur werde nicht schnell zu beheben sein. Es werde auch im besten Fall Monate, vielleicht sogar Jahre dauern, bis die Vorkriegskapazität an Lieferungen von Flüssiggas, Öl, Ölprodukten und besonders Dünger aus der Region wiederhergestellt werden kann. Aktuell sind 20 bis 25 Prozent des weltweiten Angebots dieser Produkte weggefallen. Realistisch sei eine Wiederaufbauphase von zwischen anderthalb und zwei Jahren ab Kriegsende, so Krapiwnik, der sich auf seine Erfahrungen beim Bau von Rohöltransportsystemen und Erdölraffinierien beruft.

Die schrecklichste globale Folge des Iran-Krieges werde Hunger sein, so Krapiwnik. Russland halte einen Anteil von 40 Prozent an der weltweiten Produktion chemischer Dünger. An zweiter Stelle mit 25 bis 30 Prozent standen bislang Saudi Arabien und Katar, deren Produktionsanlagen beschädigt wurden und derzeit stillstehen. Es werde Zeit in Anspruch nehmen, sie wieder hochzufahren. Zudem hängen sie von der Belieferung mit Erdgas ab. Europa selbst habe seine Düngemittelproduktion im Grunde "vor die Wand gefahren", als es im Jahr 2022 Russland sanktionierte und auf günstiges russisches Erdgas verzichtete.

Die Aussaat in Südeuropa habe derweil bereits begonnen und beginne in Mittel- und Nordeuropa demnächst. Der Dünger werde in den kommenden Monaten gebraucht, fehle aber. Die landwirtschaftliche Produktion werde absehbar unter Diesel- und Düngermangel leiden und möglicherweise einbrechen. Besonders gravierende Probleme sieht der Experte auf Afrika und Europa zukommen. Im allerbesten Fall ist mit erheblichen Preissteigerungen bei Lebensmitteln zu rechnen. Krapiwnik rechnet damit, dass die Preissteigerungen so massiv sein werden, dass es in den ärmeren Schichten aller europäischen Länder zu realem Hunger oder gar Hungertoten kommen wird.

Auf die Frage, was die Regierungen europäischer Länder angesichts dieser Aussichten noch tun können, antwortete Krapiwnik, am leichtesten für die europäischen Regierungen sei es, einen repressiven Polizeistaat einzuführen, was sie vermutlich auch tun werden. Es werde zu Rationierungen kommen und der Druck könnte groß werden, Migranten aus den jeweiligen Ländern zu deportieren. "Dazu wird es nicht kommen, aber es wäre ein logischer Schritt", so Krapiwnik wörtlich.

Außerdem werde sich die Deindustrialisierung Europas beschleunigen. Eine Möglichkeit wäre, "sich an Russland heranzuschleimen", aber Russland, meint Krapiwnik, sei nach vier Jahren antirussischer Politik in europäischen Hauptstädten kaum in der Laune, Zugeständnisse zu machen, und habe genug andere Abnehmer.

Auch Alexander Mercouris, einer der beiden Betreiber des Duran-Podcasts, meinte dazu, dass in Berlin, Paris, London und anderen europäischen Hauptstädten niemand das absolut Erforderliche auch nur in Erwägung zieht: die Sanktionen gegen Russland aufzuheben und in Washington für ein sofortiges Ende des Iran-Krieges zu intervenieren. Die Aussichten seien daher düster. 

Vor zehn Tagen hatte die chinesische Regierung Exporte von Düngemitteln aus China drastisch eingeschränkt. Heimische Exporteure wurden angewiesen, die Lieferung von Stickstoff-Kalium-Mischdüngern ins Ausland zu beenden.

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