Baltikum: Die Grenzen zu Russland werden zur "Todeszone"

Derzeit wird von den baltischen Staaten an den Grenzen zu Russland und Weißrussland eine echte Sperrzone – praktisch eine "Todeszone" – eingerichtet. Wie wird dieses gigantische System namens "Baltische Verteidigungslinie" aussehen? Und warum sind die Einwohner dieser Gebiete darüber überhaupt nicht erfreut?

Von Stanislaw Leschtschenko

Der General der NATO-Landstreitkräfte, Thomas Lovin, erklärte, dass die Allianz bis Ende 2027 die Grenzgebiete zu Russland und Weißrussland in einen hochtechnologischen Sperrstreifen verwandeln wolle. Die NATO beabsichtigt, dort Waffenvorräte, Munitionsdepots und robotergesteuerte Systeme sowie alle Arten von Sensoren zu stationieren, die dazu dienen sollen, jegliche Bewegungen zu verfolgen. Der offizielle Name dieses Konzepts lautet: "Eastern Flank Deterrence Line" (Abschreckungslinie an der Ostflanke).

Die von Estland, Lettland und Litauen entlang der Grenzen zu Russland und Weißrussland errichtete "Baltische Verteidigungslinie" umfasst einen "Antimobilitätsstreifen" mit aufgerissenen Straßen und zerstörten Brücken, Panzerabwehrsperren, Minenfeldern und sechshundert Bunkern. Das Militär versprach, die Bunker "an strategisch wichtigen Stellen zu errichten, die der Feind auf jeden Fall angreifen will". Um den Soldaten ein Mindestmaß an Komfort zu bieten, werden die Bunker mit Schlafplätzen ausgestattet, mit Wärmequellen versorgt und an das Stromnetz angeschlossen. Major Taavi Moor, Stabschef des Pionierbataillons der estnischen Verteidigungskräfte, erklärte:

"Ähnliche Bunker werden beispielsweise in Israel verwendet. Der Standard ist ein Bunker für eine militärische Einheit. Bei Bedarf können sie miteinander verbunden oder zu größeren Einheiten ausgebaut werden. Denn die Bunker sind modular aufgebaut, das heißt, man kann etwas entfernen oder hinzufügen – zum Beispiel einen Kommandoposten oder ein Lager einrichten."

Die Tests verschiedener Bunkerarten zur Auswahl der endgültigen Variante begannen in Estland bereits im Jahr 2024. Letztlich wurde Beton als bevorzugtes Material ausgewählt. Um die Konstruktion auf ihre Festigkeit zu prüfen, wurden die Bunker mit Artillerie beschossen. Die estnischen Streitkräfte betonen, dass die Bunker in erster Linie dazu dienen, Soldaten vor direkten Treffern von 152-Millimeter-Artilleriegeschossen zu schützen, mit denen die russische Armee ausgerüstet ist. Ainar Afanasjevs, Leiter der Ingenieurabteilung des Stabes der estnischen Verteidigungskräfte, sagt:

"Bei der Installation der Bunker berücksichtigen wir die Erfahrungen aus der Ukraine. Dort werden Netze und spezielle Mittel gegen Drohnen eingesetzt, damit diese nicht direkt in den Bunker eindringen können."

Ihm zufolge werde die Kette der Grenzbefestigungen nicht nur Bunker umfassen: Es sei geplant, Panzerabwehrsperren zu errichten und Feuerstellungen einzurichten. Einige Elemente würden nur dann installiert, wenn die Aussicht auf Kampfhandlungen unvermeidlich wird. Der Militär betont:

"In Krisenzeiten werden unbedingt Minen und Sprengladungen eingesetzt; außerdem sind Maßnahmen zur Zerstörung von Brücken und Rohrleitungen vorgesehen."

Vor kurzem hat das estnische Staatliche Zentrum für Verteidigungsinvestitionen (RKIK) gemeinsam mit dem lettischen Verteidigungsministerium eine Ausschreibung für den Kauf von Betonbunkern veröffentlicht. Die Elemente der ersten 28 Bunker wurden bereits nach Estland geliefert, neun davon wurden im Südosten des Landes installiert. Die Arbeiten zur Errichtung von Panzergräben werden fortgesetzt – insgesamt sollen sie eine Gesamtlänge von 40 Kilometern haben. Darüber hinaus soll die "Baltische Verteidigungslinie" Panzerabwehrsperren und Hindernisse aus Stacheldraht umfassen.

Vor kurzem hat sich auch der lettische Präsident Edgars Rinkēvičs über den Fortschritt der Arbeiten an der Grenze informiert – die Sicherheitskräfte präsentierten ihm den Metallzaun, der nun die baltischen Staaten von Russland trennt. Rinkēvičs zeigte sich zufrieden, sagte jedoch, dass dies nicht ausreiche und man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen dürfe. Er betonte:

"Bis Ende dieses Jahres ist es wichtig, die Einführung technologischer Lösungen zur Überwachung der gesamten Grenze abzuschließen. Außerdem muss die Einführung von Lösungen zur Bekämpfung der Mobilität fortgesetzt werden, um den Schutz der Grenze zu verstärken, und die Radaranlagen und Luftabwehrsysteme müssen ausgebaut werden."

In Lettland haben die Behörden mit Enteignungen in den Grenzgebieten begonnen, die das Militär in eine "Antimobilitätszone" umwandeln will. Insgesamt betreffen die Pläne zur "Bekämpfung der Mobilität" eine Fläche von etwa 2.000 Hektar in den lettischen Regionen Vidzeme und Latgale – in sechs Grenzgemeinden (in den Bezirken Alūksne, Augšdaugava, Balvi, Krāslava, Ludza und Smiltene).

Insgesamt müssen sich 1.500 Eigentümer von ihren Grundstücken verabschieden. 377 Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 349 Hektar sollen enteignet werden. Davon sind 77 Prozent in Privatbesitz (154 Grundstücke gehören natürlichen Personen, 129 juristischen Personen). Das Verteidigungsministerium verspricht, dass das Land zum Marktwert aufgekauft wird. Allerdings gibt es dabei einen wesentlichen Vorbehalt.

Nachdem der Staat seine Pläne zur Enteignung von Grundstücken in einem 30 Kilometer breiten Streifen entlang der Grenze zu Russland bekannt gegeben hatte, ist der Wert von Grundstücken in den Grenzgebieten drastisch gesunken.

Eines der Elemente der "Baltischen Verteidigungslinie" soll eine sogenannte Anti-Drohnen-Mauer sein, sagt der Politologe Andrei Starikow. Seinen Worten zufolge sollen russische und weißrussische Drohnen mit Drohnen aus baltischer Produktion abgeschossen werden.

Starikow erklärt gegenüber der Zeitung Wsgljad:

"In Lettland sind die entsprechenden Technologien recht gut entwickelt. Insgesamt beschäftigen sich etwa zwanzig Unternehmen in diesem Land mit der Herstellung von Drohnen: Sie entwickeln Maschinen, die für die Aufklärung, die Überwachung des Territoriums und die Steuerung des Artilleriefeuers eingesetzt werden können.

Derzeit wird in der lettischen Region Selia ein riesiger Militärübungsplatz errichtet, auf dem bereits ein weitläufiges Gelände für die Erprobung von Kampfdrohnen in Betrieb genommen wurde. Hier können die technischen Möglichkeiten der Geräte getestet, ihre taktische Anwendung untersucht, Möglichkeiten zur Verbesserung der Technologien gefunden werden und so weiter."

In Litauen gibt es ebenfalls Pläne zum Bau einer dreistufigen "Verteidigungslinie" aus Panzerabwehrsperren, Minenfeldern und befestigten Stellungen. In einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums des Landes heißt es:

"Litauen geht von der Idee individueller technischer Gegenmaßnahmen zur Entwicklung einer einheitlichen, tief gestaffelten Verteidigungslinie über – dies wird uns eine größere Tiefe an der Grenze, ein stärkeres Kommando und eine vollständige Integration in die NATO und die EU gewährleisten."

Die Tiefe der "Verteidigungslinie" in Litauen soll 50 Kilometer betragen. Der erste fünf Kilometer lange Befestigungsstreifen wird direkt an der Grenze liegen und aus Panzergräben und "Drachenzähnen", Minenfeldern, befestigten Stellungen und mit Schützengräben ausgestatteten Hilfsstellungen bestehen. Die zweite 15 Kilometer lange Verteidigungszone wird Panzergräben, Pioniertechnikparks, für Sprengungen vorbereitete Brücken und Blockaden möglicher Brückenköpfe umfassen. Im dritten, 30 Kilometer breiten Streifen werden neben dem Anlegen von Panzergräben auch Bäume gefällt.

All dies, zusammen mit der Vertreibung der lokalen Bevölkerung, macht die Grenzgebiete der baltischen Staaten nicht zu einer "Verteidigungslinie", sondern zu einer "Todeszone". Umgeben von Minenfeldern und Sperren, ohne Wälder und Ackerland, werden hier nur noch Militäreinheiten und spezielle Bunker zurückbleiben.

Dabei neigen baltische Experten zunehmend zu der Ansicht, dass die USA der Europäischen Union im Falle eines Konflikts mit Russland keine wesentliche militärische Unterstützung leisten würden.

Laut einem internen Dokument des Pentagon, das der Zeitung The Washington Post vorliegt, könnte sich Washingtons Priorität im Falle einer bewaffneten Auseinandersetzung mit China in Richtung Asien verlagern – insbesondere wenn Moskau an der europäischen Front Erfolge erzielt. Eitvydas Balyrunas, Experte des litauischen Zentrums für Europäische Politikanalyse (CEPA), meint:

"Die größten Schwachstellen der EU ohne die Unterstützung der USA sind die Luftverteidigung, die Aufklärung und die Logistik."

Seiner Meinung nach "muss sich Europa auf Szenarien vorbereiten, in denen die Führungsrolle der USA wegfällt oder verzögert wird".

Andrei Starikow erinnert daran, dass die herrschenden Kreise der baltischen Staaten der Bevölkerung einreden, dass in der Ukraine auch um ihre Freiheit gekämpft werde, denn wenn Russland die Ukraine besiegt, werde es anschließend auch das Baltikum angreifen. Damit rechtfertigen sie die enormen Kosten für den Bau von Verteidigungsanlagen und die Enteignung von Privateigentum. In Wirklichkeit benachteiligen die baltischen Staaten mit solchen Maßnahmen ihre eigene Bevölkerung, vornehmlich in Lettland. Russland hat wiederholt erklärt, dass die Behauptungen über angebliche Pläne für einen Angriff auf die EU insgesamt und die baltischen Staaten im Besonderen absurd sind. Starikow betont:

"In der Grenzregion sind die meisten Einwohner russischsprachig. Sie sympathisieren überhaupt nicht mit dem lettischen Staat, der gegenüber seiner russischen Bevölkerung eine harte Diskriminierungspolitik betreibt.

Dagegen empfinden diese Menschen in der Regel Sympathie für Russland und Weißrussland, wo ihre Freunde und Verwandten leben. Aber darüber laut zu sprechen, kann schwerwiegende Folgen haben – bis zu Strafverfahren und Gefängnis."

Ein Schock für die Einwohner der Grenzregion war im Jahr 2022 die Abschaffung der vereinfachten Grenzübertrittsregelung durch die Behörden der baltischen Staaten. Starikow merkt an:

"Es wurde alles getan, um den Besuch von Russland oder Weißrussland zu einer Qual und Tortur zu machen: Man muss tagelang in Schlangen warten. Dabei haben die meisten Einwohner der Grenzgebiete auf der anderen Seite Freunde, Verwandte und Geschäftspartner. Jetzt werden die Verbindungen gekappt."

Gleichzeitig beklagen sich die Einwohner der Grenzgebiete, dass sich der Staat faktisch aus diesen Landstrichen zurückzieht, indem er seine Einrichtungen und Dienstleistungen abzieht. Das einzige Zeichen für die Präsenz des Staates in diesen Regionen sind Soldaten und Militärtechnik. Das heißt, die baltischen Staaten schaden weniger Russland und Weißrussland als vielmehr ihren eigenen Grenzgebieten.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 6. März 2026 auf der Website der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

Stanislaw Leschtschenko ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".

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