Nach Angaben der Zeitung Financial Times bemühe sich die EU um die Erlaubnis der Ukraine, die Druschba-Pipeline zu inspizieren, nachdem die russischen Öllieferungen nach Europa ausgesetzt wurden.
Kiew zufolge sei die Pipeline schwerbeschädigt worden und die Ukraine benötige Zeit für die Durchführung der Reparaturarbeiten. Budapest und Bratislava hingegen behaupten, dass Kiew die Lieferungen aus politischen Gründen absichtlich ausgesetzt habe.
Laut den Quellen der Zeitung hätten EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa bei ihrem Besuch in Kiew am 24. Februar die ukrainische Führung um den Zugang zur Druschba-Pipeline gebeten, um eine unabhängige Schadensbewertung durchzuführen. Der Zugang sei ihnen jedoch verweigert worden, schreibt das Blatt.
Vor dem Hintergrund der Operation der USA und Israels gegen Iran und der Erhöhung der Energiepreise nach dem Beginn des Konflikts sei das Thema erneut angesprochen worden, so die Zeitung. Kiew verweigere jedoch europäischen Inspektoren weiterhin den Zugang.
Ein hochrangiger EU-Diplomat erklärte gegenüber der Zeitung, dass Kiew durch die Aussetzung der russischen Lieferungen "ein Eigentor geschossen" habe: Ungarn verwendete den Öllieferstopp als einen Anlass, einen EU-Kredit für Kiew zu blockieren. "Wir können nicht sagen, ob es einen Schaden gibt oder nicht. Es gibt sehr einfache Möglichkeiten, dies zu dokumentieren und zu zeigen, dass sie sich intensiv um die Reparatur bemühen. Das haben sie nicht getan", sagte die Quelle.
Der Naftogaz-Chef Sergei Korezki erklärte gegenüber dem Blatt, dass der Angriff auf die Ölpipeline zum Brand in einem Reservoir "von der Größe eines Fußballfeldes" geführt habe. Das Feuerlöschen habe zehn Tage gedauert. Korezki zufolge seien dabei nicht nur Ausrüstung, Starkstromkabel und Transformatoren beschädigt worden, sondern auch Leckerkennungssysteme, die für die Hermetisierung von Pipelines zuständig seien.
Laut einem weiteren ukrainischen Beamten müssten die Reparaturkräfte in potenziell gefährdete Gebiete für die Wiederherstellung der Lieferungen geschickt werden. Die Lage werde jedoch durch ständige Angriffe auf die Infrastruktur erschwert, sagte er.
Auch Katarína Mathernová, die EU-Botschafterin in der Ukraine, habe sich mit der Bitte, die beschädigte Pipeline zu inspizieren oder andere EU-Diplomaten dorthin zu entsenden, an Selenskijs Büro gewandt. Laut zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen sei ihre Bitte aus Sicherheitsgründen abgelehnt worden.
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