Epstein-Skandal: Ex-Prinz Andrew an seinem 66. Geburtstag festgenommen

Wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs wurde der ehemalige Prinz Andrew am Donnerstag von der Polizei festgenommen. In seiner Funktion als britischer Handelsbeauftragter soll Andrew Mountbatten-Windsor private Informationen mit dem US-Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geteilt haben.

Der ehemalige britische Prinz Andrew Mountbatten-Windsor wurde laut Medienberichten von der Polizei festgenommen. Die Festnahme erfolgte demnach auf dem Anwesen von König Charles in Norfolk wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre

Der stellvertretende Polizeichef Oliver Wright erklärte, dass "nach einer gründlichen Prüfung" eine Untersuchung zum Vorwurf des Amtsmissbrauchs eingeleitet worden sei. "Es ist wichtig, dass wir die Integrität und Objektivität unserer Ermittlungen wahren, während wir gemeinsam mit unseren Partnern diesen mutmaßlichen Straftatbestand untersuchen", sagte er weiter. Man sei sich des "großen öffentlichen Interesses an diesem Fall bewusst" und werde "zu gegebener Zeit über den aktuellen Stand informieren", so der Sprecher. 

Wie Daily Mail unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, waren sechs zivile Fahrzeuge der Polizei auf das Gelände gefahren, um den Ex-Prinzen an seinem heutigen 66. Geburtstag festzunehmen. Er wird verdächtigt, in seiner Funktion als britischer Handelsbeauftragter sensible Informationen an den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben zu haben.

Es gibt außerdem Behauptungen, er habe eine Frau in den Buckingham Palace geschmuggelt, die möglicherweise mit Epsteins Privatjet, dem sogenannten "Lolita Express", nach Großbritannien gebracht wurde. Andrew Mountbatten-Windsor, dem infolge des Epstein-Skandals alle Adelstitel entzogen wurden, bestreitet jegliches Fehlverhalten.

Der Leiter der Staatsanwaltschaft hatte kurz vor der heutigen Festnahme erklärt, dass "niemand über dem Gesetz steht", während der Druck auf die Polizei wächst, die Verbindungen von Andrew Mountbatten-Windsor zu Jeffrey Epstein umfassend zu untersuchen. Berichten zufolge könnte der Ex-Prinz bis zu 96 Stunden in Gewahrsam bleiben oder vorab auf Kaution freigelassen werden.

Die Metropolitan Police gab gestern bekannt, dass sie erste Ermittlungen zu Vorwürfen gegen Personenschützer durchführt, die früher Andrew Mountbatten-Windsor zugeteilt waren. In einer Erklärung teilte die Metropolitan Police mit, dass sie "kein Fehlverhalten festgestellt" habe, aber "erste Ermittlungen zu diesen konkreten Vorwürfen eingeleitet hat, um die Sachlage zu klären".

Andrews Bruder, König Charles, erklärte, er sei bereit, die Polizei bei ihren Ermittlungen zu unterstützen.

In den vom US-Justizministerium freigegebenen Epstein-Dokumenten sind E-Mails enthalten, die nahelegen, dass Prinz Andrew in seiner Funktion als britischer Handelsbeauftragter private Informationen mit dem Milliardär und Finanzier Epstein geteilt hat.

Möglicherweise wird der Ex-Prinz im Rahmen der Untersuchung des US-Kongresses zu Epstein, der 2019 im Gefängnis starb, aussagen.

Der britische Premierminister Keir Starmer sagte am Donnerstag gegenüber BBC, dass "jeder, der Informationen hat", aussagen sollte. "Ob es nun Andrew oder jemand anderes ist, jeder, der über relevante Informationen verfügt, sollte sich an die zuständige Behörde wenden. In diesem speziellen Fall geht es um Epstein, aber es gibt viele andere Fälle. Meiner Ansicht nach hat jeder, der Informationen zu Gewalt gegen Frauen und Mädchen besitzt, die Pflicht, sich zu melden, unabhängig von seiner Person."

Die Gleichheit aller vor dem Gesetz sei eines der "Grundprinzipien unseres Rechtssystems", fügte Starmer hinzu. "Niemand steht über dem Gesetz, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass dies konsequent umgesetzt wird."

Im Rahmen des Epstein-Skandals gerät Starmer selbst immer mehr unter Druck. Der Premier sah sich bereits gezwungen, den britischen Botschafter in den USA, Peter Mandelson, seinen Stabschef Morgan McSweeney, den Kommunikationsdirektor Tim Allen sowie den Kabinettssekretär und Leiter der Öffentlichen Verwaltung, Chris Wormald, aus ihren Ämtern zu entlassen.

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