Rosatom-Chef warnt EU vor Sanktionen gegen Kernbrennstoff aus Russland: Gefährdung der Sicherheit

Die Europäische Kommission erwägt im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg Sanktionen gegen Kernbrennstoff aus Russland. Moskau warnt Brüssel vor negativen Auswirkungen eines solchen Schritts. Es gehe letztendlich nicht nur um die Wirtschaft, sondern auch um die Atomsicherheit.

Angesichts der Initiative der EU, den Import von Kernbrennstoff aus Russland zu verbieten, hat Alexei Lichatschow, Leiter der Föderalen Agentur für Atomenergie Russlands (Rosatom), große Bedenken geäußert. Am Donnerstag bezeichnete er vor Journalisten diesen Plan als "politisiert". Dabei warnte der Rosatom-Chef vor zahlreichen Problemen, welche die Sanktionen gegen ein solches Importverbot mit sich bringen könnten:

"Das Verbot für Kernbrennstoff aus Russland wird zweifellos die wirtschaftlichen Kennwerte der Atombranche in Europa treffen."

Die wirtschaftlichen Risiken seien aber nur halb so schlimm, erklärte Lichatschow. Vielmehr gehe es um die Atomsicherheit.

"Denn Kernbrennstoff ist das zentrale Hauptelement des Kernbrennstoffkreislaufs, und davon hängt die Schlüsselfrage der Atomsicherheit und des Strahlenschutzes direkt ab."

In diesem Sinne hätten sowohl Russland als auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Bedenken, fügte der Rosatom-Chef hinzu. Hoffentlich werde der gesunde Menschenverstand in der EU über den Wunsch siegen, die Sanktionen gegen Russland zahlenmäßig zu vergrößern.

Lichatschow verwies zudem auf weitere verabschiedete Einschränkungen der EU, darunter die Importverbote für Kohlenwasserstoffe, Düngemittel und Metallerzeugnisse, die sich negativ auf Industrie und Wirtschaft der EU-Staaten ausgewirkt hatten.

Einige EU-Länder hatten noch im Jahr 2022 kurz nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges vorgeschlagen, den Import von Kernbrennstoff aus Russland zu verbieten. Vor allem die baltischen Staaten sprachen sich damals dafür aus.

In dieser Woche verkündete die Sprecherin der Europäischen Kommission für Energie, Anna-Kaisa Itkonen, dass die Behörde nach dem verabschiedeten Totalverbot für Gas aus Russland ab dem Jahr 2027 jetzt an einer ähnlichen Maßnahme gegen Kernbrennstoff arbeite. Ziel sei es, die gesamte russische Energie vom EU-Markt zu verdrängen. Einen genauen Termin nannte sie dabei aber nicht.

Zu den EU-Ländern, die Kernbrennstoff bei Russland beziehen, gehören Bulgarien, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Finnland. Diese Länder verfügen über Atommeiler sowjetischer Bauart. Mittlerweile haben sie große Vorräte an Kernbrennstoff angelegt.

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