Zweischneidige Technologie: Sikorski und Musk geraten wegen Starlink in Ukraine aneinander

Laut einer US-Denkfabrik nutzen die russischen Streitkräfte das Satellitennetzwerk Starlink, um Drohnenangriffe tief im Inneren der Ukraine zu fliegen. Der polnische Außenminister Sikorski fordert den Besitzer Musk daher auf, dagegen vorzugehen. Dieser kontert scharf.

Auf der Plattform X, die Elon Musk gehört, funkt es schon wieder. Das Wortgefecht wird dieses Mal um das Satellitennetzwerk Starlink ausgetragen, das der Tech-Milliardär ebenfalls besitzt. Laut einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) nutzen die russischen Streitkräfte diese Technologie, um Drohnenangriffe tief im Inneren der Ukraine zu fliegen. Da der Verkauf von Starlink-Terminals an Russland offiziell verboten ist, müssen sie über inoffizielle Kanäle wie etwa Importe aus Drittländern beschafft worden sein.

Auf diese Studie wurde der polnische Minister Radosław Sikorski aufmerksam und rief den Starlink-Besitzer auf, gegen die neue Taktik der russischen Streitkräfte im Ukraine-Krieg vorzugehen. Auf X schrieb der Minister unter anderem:

"Warum verhindern Sie nicht, dass die Russen Starlink nutzen, um ukrainische Städte anzugreifen? Mit Kriegsverbrechen Geld zu verdienen, kann Ihrer Marke schaden."

Eine Reaktion von Musk ließ nicht lange auf sich warten, obwohl er Sikorski nicht direkt antwortete. Der Tech-Milliardär kommentierte einen X-Eintrag des Nutzers Adam Lowisz, in dem dieser Musk vor dem polnischen Außenminister verteidigte. Dem ehrenamtlichen Helfer des Starlink-Besitzers zufolge hindere Musk zwar das russische Militär regelmäßig daran, die Technologie zu nutzen, es finde aber immer wieder neue Mittel, um die Beschränkungen zu umgehen. Es sei nämlich ein Katz-und-Maus-Spiel.    

"Elon gibt sein Bestes. Leiten Sie ihm einfach alle neuen Informationen weiter, mit denen sein Team arbeiten kann. Er wird das Problem lösen. Elon steht an der Seite der Ukraine."

Musk bejahte diese Darstellung anscheinend, indem er mit Blick auf den Appell von Sikorski als Antwort hinzufügte:

"Dieser geifernde Idiot begreift nicht einmal, dass Starlink das Rückgrat der ukrainischen Militärkommunikationen ist."

In den Wortstreit schaltete sich kurz darauf der russische Sondergesandte Kirill Dmitrijew. Er veröffentlichte auf X ein Bildschirmfoto mit Musks Antwort und erklärte, dass der Kriegstreiber Sikorski vieles falsch verstehe, da der Hass ihn blind mache.

Die ukrainischen Streitkräfte sind auf Starlink maßgeblich angewiesen, und die Technologie ist eine wichtige Zielscheibe für Russland. Seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs berichtet das Verteidigungsministerium in Moskau daher regelmäßig über die Zerstörung von Starlink-Terminals, welche ukrainische Soldaten entlang der Kontaktlinie nutzen, um auf das Internet zuzugreifen. Auf der Erde wird die Verbindung über Starlink-Satelliten von einem Terminal empfangen, das mit einem Router und Kabeln geliefert wird. Dank dieses Netzwerks ist das Internet in Kriegsgebieten und in abgelegenen Territorien verfügbar. Laut Medienberichten schränkt Musk die Nutzung des Systems in einigen Fällen ein.

Mehr zum Thema – Roskosmos: Russland entwickelt Starlink-Konkurrenz