Von Pjotr Akopow
Wer würde die europäischen Bestrebungen in Bezug auf die Ukraine bestreiten? Niemand, denn die Europäer machen keinen Hehl aus ihren Absichten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte stellte jedoch fest:
"Ohne US-Waffenlieferungen können wir die Ukraine nicht halten."
Er sprach davon, wie man die Ukraine im Kampf gegen Russland und im Krieg "halten" könne. Aber in Wirklichkeit geht es darum, die Ukraine letztendlich als Teil Europas bzw. der Europäischen Union zu gewinnen. Für den Kampf um die Ukraine wurden bereits Hunderte Milliarden Euro ausgegeben, und die Europäer sind bereit, über eine Billion Euro mehr zu zahlen – doch kann man alles allein mit Geld lösen?
Nein, denn für einen Militärkonflikt braucht man auch Waffen, und diese bezieht Europa aus den USA. Heißt das, dass die Vereinigten Staaten Europa dabei helfen, die Ukraine zu gewinnen – wenn auch für viel Geld? Aber was hätten die USA davon? Wollen sie wirklich eine Stärkung der EU?
Schon während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump kamen seine nicht öffentlichen Äußerungen über die EU ans Licht – nämlich, dass es besser wäre, sie abzuschaffen. Seitdem ist Trumps Haltung gegenüber der Europäischen Union nicht besser geworden – die "Trumpisten" sind sogar bestrebt, Europa nach ihren Vorstellungen umzugestalten, indem sie einen Elitenwechsel herbeiführen und ein neues Beziehungsgeflecht zwischen beiden Seiten des Atlantiks aufbauen. Warum sollten Sie sich also dafür interessieren, die Pläne einer EU-Erweiterung zu unterstützen?
In Wirklichkeit unterstützen sie diese Pläne gar nicht, was sich gerade darin zeigt, dass die USA keine ernsthaften Sicherheitsgarantien für die Ukraine gewähren wollen: Sie haben also nicht die Absicht, gegen Russland um die "europäische" Ukraine in den Krieg zu ziehen. Zwar verkaufen sie weiterhin Waffen an die Europäer, damit diese Kiew beliefern können. Aber sie streben eine Beendigung dieses Konflikts an, die einen echten neutralen Status der Ukraine zur Folge hätte. Dies ist jedoch weder für die derzeitige ukrainische Elite noch für die EU-Offiziellen akzeptabel: Sie benötigen konkrete Zusicherungen der USA hinsichtlich der Souveränität der Ukraine, was in der Realität den EU-Beitritt der Ukraine bedeuten würde. Dabei verlangt Selenskij einen beschleunigten Beitritt, während die Euro-Eliten die Ukraine in der Rolle einer ewigen Anwärterin auf eine Mitgliedschaft belassen wollen, sie aber gleichzeitig unter den "Schutzschirm" der USA stellen möchten. Ein sehr praktischer Ansatz: Russland verlöre die Ukraine endgültig, die EU erhielte sie de facto, aber nicht de jure, und die US-Amerikaner würden diese für die Europäer so vorteilhafte Konstellation garantieren. Aber ist das realisierbar?
Natürlich nicht. Trump sagt den Europäern ganz offen, dass sie sich selbst um die Ukraine kümmern müssten – also sie finanziell unterstützen, Garantien geben und vor Russland schützen. Ach, Europa sei dazu nicht in der Lage? Nun, dann würden wir uns mit den Russen einigen, und den Europäern bliebe nur, sich unseren Vereinbarungen anzuschließen. Und hier bleibt den Europäern und Selenskij eine letzte Hoffnung – die Ukraine in die EU aufzunehmen, damit sie offiziell Teil des Westens wird. Dann würde doch kein "Putin" mehr wagen, sie anzugreifen, oder?
Die Sache ist nur die: Eine Aufnahme der Ukraine in die EU ist völlig unrealistisch. Obwohl dies auf dem Sondergipfel in Brüssel – nach Donald Trumps Rede in Davos – bereits diskutiert wurde. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte sogar Pläne für einen beschleunigten EU-Beitritt der Ukraine im Jahr 2027 an, und die US-Presse schrieb, dass dies auch bei den amerikanisch-russischen Verhandlungen diskutiert werde (allerdings wurde gestern in Brüssel versucht, dies zu dementieren: In dem in Vorbereitung befindlichen Dokument über den Wiederaufbau der Ukraine, das Teil des Friedensabkommens werden soll, seien keine Fristen für einen möglichen EU-Beitritt genannt worden). Somit ist klar, dass es sich nicht nur um Gerüchte handelt. Die EU-Führung plant tatsächlich, den Beitrittsprozess der Ukraine zur EU zu beschleunigen: Ziel ist es, die Zeitspanne zwischen der Unterzeichnung des Friedensabkommens und der Aufnahme der Ukraine in die EU so kurz wie möglich zu halten. Noch besser wäre es, wenn das Datum des Beitritts direkt im Text des Friedensabkommens festgelegt würde. Bisher wurde dies nur von Selenskij gefordert – er betonte mehrfach, dass "der Vertrag über die Beendigung des Krieges ein konkretes Datum enthalten muss."
Nun ist auch die EU-Führung damit im Grunde genommen einverstanden – nur die europäischen Länder selbst leisten weiterhin Widerstand. Offen widersprechen nur kleine Staaten wie Ungarn und die Slowakei, aber mehr als ein Drittel der EU-Mitgliedstaaten befindet sich ebenfalls in harter Opposition. Sowohl Italien als auch Österreich und Frankreich sind – aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen – gegen einen EU-Beitritt der Ukraine. Dieser wäre nicht nur enorm kostspielig und würde zu einer Krise in der Europäischen Union führen, sondern er würde auch die Möglichkeit einer Wiederherstellung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit Russland in absehbarer Zukunft ausschließen. Mit der Ukraine in ihren Reihen würde sich die EU zu einem eindeutig antirussischen Bündnis entwickeln – mit einer immer stärker werdenden Militärkomponente (nicht zuletzt aufgrund der "Scheidung" zwischen den USA und der EU).
Weder die Italiener noch die Franzosen würden eine solche Entwicklung begrüßen. Und auch die Deutschen (abgesehen vom atlantischen Teil der Eliten) sind nicht bereit, ihre wichtigste Errungenschaft der letzten Jahrzehnte – nämlich die europäische Integration und den Aufbau einer im Wesentlichen deutsch zentrierten Europäischen Union – aufs Spiel zu setzen. Diese würde eine Krise, die durch den Beitritt der Ukraine zur EU ausgelöst würde, einfach nicht überstehen.
Die Europäer haben also allen Grund zur Sorge. Aber wir können sie beruhigen und ihnen versichern, dass die Ukraine niemals Mitglied der Europäischen Union oder Teil des westlichen "Schutzschirms" werden wird. Je früher Europa dies versteht und akzeptiert, desto besser für Europa selbst.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 27. Januar 2026 zuerst bei "RIA Nowosti" erschienen.
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