Think Tank: EU begibt sich in risikoreiche Energieabhängigkeit von den USA

Ein in Ohio ansässiger Think Tank warnt, dass sich die EU durch die Steigerung ihrer Energieimporte aus den USA in eine risikoreiche Abhängigkeit von Washington begeben habe. Laut der Analyse des Instituts könnten die USA bis zum Jahr 2030 bis zu 80 Prozent der LNG-Importe in die EU liefern.

Laut dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) hat sich die EU durch die Steigerung ihrer US-Energieimporte in eine "potenziell risikoreiche neue geopolitische Abhängigkeit" von Flüssigerdgas aus den USA begeben. Die Warnung des Instituts erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Beziehungen zwischen Brüssel und Washington aufgrund der Spannungen um Grönland einen historischen Tiefpunkt erreicht haben.

Der in Ohio ansässige Thinktank hat berechnet, dass die USA bis zum Jahr 2030 bis zu 80 Prozent der Importe der EU an Flüssigerdgas (LNG) liefern könnten. IEEFA stellte fest, dass sich die LNG-Importe der EU zwischen 2021 und 2025 fast vervierfacht haben, obwohl die US-amerikanische Option die teuerste ist.

Die neue Abhängigkeit von den USA ist eine Folge des schrittweisen Auslaufens der Gaslieferungen aus Russland, das bis zur Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 und den darauf folgenden EU-Sanktionen der größte Lieferant gewesen war.

Die Konfrontation zwischen Brüssel und Washington rund um Grönland verschärfte sich letzte Woche, als US-Präsident Donald Trump ab dem 1. Februar Strafzölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus acht europäischen NATO-Staaten ankündigte, die sich seinem Vorhaben, die Insel zu erwerben, widersetzen. Er drohte zudem mit einer weiteren Erhöhung, falls keine Einigung erzielt werde.

Trump strebt seit Langem die Kontrolle über das autonome dänische Gebiet an und behauptet, dass die Insel für die Verteidigung der USA gegen vermeintliche Bedrohungen durch Russland und China von entscheidender Bedeutung sei.

Der US-Präsident nutzt Energie zudem als wichtiges Instrument im Handelsstreit. Im Rahmen eines im Juli letzten Jahres angekündigten Abkommens erklärte sich die EU bereit, bis 2028 US-Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden US-Dollar zu kaufen, um höhere Zölle zu vermeiden.

Diese Verpflichtung wurde weithin als Zwang, unerreichbar und schädlich für die Klimaziele der Union kritisiert. Die IEEFA berechnete, dass die gleiche Summe, wenn sie stattdessen für erneuerbare Energien ausgegeben würde, ausreichen würde, um genügend Solar- und Windkapazitäten zu schaffen, um die Energiesicherheit zu erhöhen und die Strompreise zu senken.

Der starke Rückgang der vergleichsweise günstigen russischen Pipeline-Gasimporte nach 2022 hat eine Energiekrise in der EU ausgelöst, die der Union dauerhaften wirtschaftlichen Schaden zufügt, die Großhandelspreise für Energie in die Höhe treibt, die Lebenshaltungskosten erhöht und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie beeinträchtigt.

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