In Washington verlief ein rund einstündiges Treffen im Weißen Haus mit US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio für die US-Seite sowie Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und Grönlands Außenministerin Vivian Motzfeldt ohne eindeutige Einigungen. Laut ersten Erklärungen hätten sich die Teilnehmer darauf geeinigt, eine gemeinsame Arbeitsgruppe einzurichten. "Diese soll sich darauf konzentrieren, wie die Sicherheitsbedenken der USA berücksichtigt werden können, ohne dabei die roten Linien Dänemarks zu überschreiten", so Rasmussen. Laut Medienberichten wird die Bundeswehr noch an diesem Donnerstag 13 Soldaten nach Grönland abkommandieren, um mit anderen europäischen Nationen drei Tage lang eine mögliche militärische Präsenz zu eruieren.
Der dänische Außenminister erklärte nach den Konsultationen in Washington, dass es nach den Gesprächen im Weißen Haus weiterhin "grundlegende Meinungsverschiedenheiten" mit den USA in Bezug auf Grönland gibt. Løkke Rasmussen, als Vertreter Grönlands, beschrieb die Gespräche diplomatisch vor Journalisten mit dem US-Vizepräsidenten und Außenminister als "offen und konstruktiv".
Das Weiße Haus präsentierte auf X vor den Gesprächen noch eine Trump-typische Karikatur, die die demnach möglichen Optionen darstellt, ob sich Grönland zukünftig den USA oder China und Russland zuwendet:
"Welcher Weg, Grönländer?"
Das Bild bezieht sich dabei auf eine aktuelle Aussage Trumps, in der er die dänischen Bemühungen zur Stärkung der Verteidigung Grönlands als "ein weiteres Hundeschlittengespann" verspottete.
Die Minister Dänemarks und Grönlands erklärten nach dem Gespräch, dass "ihre gemeinsame rote Linie die territoriale Integrität Grönlands sei". Der dänische Außenminister erklärte vor Journalisten: "We agreed to disagree" – man habe sich darauf geeinigt, dass man sich nicht einig sei, so Rasmussen. Grönlands Außenministerin Motzfeld wird mit dem Kommentar zitiert: "Wir wollen niemandem gehören."
Hinsichtlich der angekündigten Arbeitsgruppe erklärte der dänische Minister:
"Die soll einen Weg nach vorne prüfen. Dabei müssen nach unserer Auffassung die amerikanischen Sicherheitsbedenken genauso berücksichtigt, wie die roten Linien des Königreichs Dänemark respektiert werden. Wir erwarten, dass sich eine solche Arbeitsgruppe innerhalb weniger Wochen erstmals treffen wird."
Das dänische Verteidigungsministerium veröffentlichte parallel am Montag eine Mitteilung:
"Die geopolitischen Spannungen haben sich auf die Arktis ausgeweitet. Die Regierung Grönlands und das dänische Verteidigungsministerium haben daher beschlossen, die verstärkten Übungsaktivitäten der dänischen Streitkräfte in Grönland in enger Zusammenarbeit mit den NATO-Verbündeten fortzusetzen."
Beide Länder würden daher "in enger Zusammenarbeit mit den NATO-Verbündeten" eine verstärkte militärische Präsenz in und um Grönland starten. Ziel sei es, die Fähigkeit zum Einsatz unter den besonderen Bedingungen der Arktis zu trainieren sowie "die Präsenz des Bündnisses in der Arktis zu stärken, was sowohl der europäischen als auch der transatlantischen Sicherheit zugutekommt".
Laut Bild-Quellen würde diesbezüglicher Ankündigung bereits heute "ein Airbus A400M Transportflugzeug" mit einem "Erkundungsteam mit 13 Bundeswehrangehörigen" im Rahmen einer "Mission Grönland" nach Nuuk in Grönland entsendet. Der Einsatz vor Ort soll laut Bild-Informationen "aber ohne die USA laufen". In Deutschland seien hinsichtlich der Planung das Verteidigungsministerium "und federführend das Kanzleramt beteiligt".
Zur ehemals großen Militärpräsenz der USA in Grönland zu Zeiten des Kalten Krieges sowie den Sicherheitsinteressen Dänemarks heißt es in einem Tagesschau-Artikel:
"Die USA hätten mal 17 militärische Einrichtungen und Stützpunkte auf Grönland gehabt, jetzt nur noch einen, so Rasmussen. Das militärische US-Personal sei von 10.000 auf 200 abgebaut worden. Jetzt sei die Situation eine andere. Darauf müsse man regieren."
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