Ehemaliger Rada-Sprecher Parubi in Lwow erschossen

Andrei Parubi, rechtsextremer ukrainischer Politiker und ehemaliger Sprecher des ukrainischen Parlaments, wurde in Lwow auf offener Straße erschossen. Parubi gilt als Drahtzieher des Massakers in Odessa, dem 48 Menschen zum Opfer fielen. Der Täter konnte unerkannt entkommen, die Fahndung läuft.

In der westukrainischen Stadt Lwow wurde der ehemalige Sprecher des ukrainischen Parlaments, Andrei Parubi, auf offener Straße erschossen.

Das ukrainische Innenministerium sowie die Generalstaatsanwaltschaft bestätigten inzwischen den Vorfall. Wladimir Selenskij kondolierte in einer Nachricht auf dem Kurznachrichtendienst X den Angehörigen des Ermordeten. 

Laut dem ukrainischen Journalisten Witali Glagola wurden acht Schüsse auf Parubi abgegeben. Der Schütze sei in der Uniform eines Kurierdienstes gekleidet gewesen. 

Parubi gilt als einer der Drahtzieher des Massakers im Gewerkschaftshaus von Odessa am 2. Mai 2014, bei dem 48 Menschen von einem faschistischen Mob getötet und 240 weitere verletzt wurden. Parubi soll damals die Belagerer des Gewerkschaftshauses mit kugelsicheren Westen ausgestattet haben. 

Der inzwischen in Russland lebende ukrainische Oppositionspolitiker und Vorsitzende der von Selenskij verbotenen Oppositionspartei "Oppositionsplattform – Für das Leben", Wiktor Medwedtschuk, hält Parubi für verantwortlich für das Pogrom in Odessa. Medwedtschuk saß selbst lange Zeit als politischer Gefangener in der Ukraine in Haft. Medwedtschuk wirft den ukrainischen Behörden vor, ihn gefoltert und misshandelt zu haben. Er wurde im Rahmen eines Gefangenenaustauschs im Jahr 2022 an Russland überstellt. Medwedtschuk wurde die ukrainische Staatsbürgerschaft aberkannt.  

Parubi war Mitbegründer der rechtsextremen National-Sozialen Partei der Ukraine, aus der die ebenfalls rechtsextreme Partei Swoboda hervorging. Von 2016 bis 2019 war Parubi Parlamentspräsident der Werchowna Rada.

Bereits im Jahr 2014 war Parubi Ziel eines Anschlags. Damals warf ein Unbekannter im Zentrum Kiews eine Handgranate auf Parubi. Der Anschlag schlug damals fehl.

Parubi war für seine skandalösen Aussagen bekannt. So nannte er beispielsweise in diesem Jahr Adolf Hitler im ukrainischen Fernsehen "einen der größten Demokraten".  Er wurde 54 Jahre alt. 

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