Ukrainischer Außenminister: Brüssel nicht imstande, Kiew eine Million Granaten zu liefern

Die Europäische Union ist angesichts der Misere in der Verteidigungsindustrie nicht in der Lage, bis Frühling eine Million Artilleriegranaten an die Ukraine zu übergeben. Der ukrainische Außenminister Dmitri Kuleba soll dies gegenüber Medien angegeben haben.

In ihrem jüngsten Bericht teilte die Nachrichtenagentur Bloomberg mit, dass die EU trotz aller Versprechungen wahrscheinlich nicht imstande sein werde, bis März 2024 eine Million Artilleriegeschosse an die Ukraine zu liefern. Darauf angesprochen, soll Dmitri Kuleba, der ukrainische Außenminister, gegenüber Medien bestätigt haben, dass "Bloomberg leider die Wahrheit sagt". Hierzu zitiert die Nachrichtenagentur RIA Nowosti den Diplomaten mit den Worten:

"Der Grund für dieses Problem ist nicht der mangelnde politische Wille der EU, die Ukraine zu unterstützen, sondern der traurige Zustand der Verteidigungsindustrie, die nicht in der Lage ist, genügend Granaten zu produzieren."

Weitere Hindernisse seien Kuleba zufolge viel Bürokratie, aber auch eine Vielzahl "nicht synchronisierter Dinge".

Brüssel habe bereits begonnen, so der Minister weiter, bestimmte Schritte zu unternehmen, um die Situation zu meistern. Es müsse aber schneller gehen, fügte Kuleba hinzu. Und weiter:   

"Wir schätzen die Unterstützung der Europäischen Union sehr, aber wir werden sie zur Eile antreiben."

Nach den ursprünglichen Plänen aus Brüssel sollten sowohl Granaten aus den Beständen der europäischen Armeen nach Kiew geliefert als auch neue bestellt werden. Zu diesem Zweck wollte die EU die militärische Produktion ausweiten. Doch im Moment wurden die Lieferungen laut Bloomberg "mit 30 Prozent des Ziels" durchgeführt, was "angesichts des Umfangs der bisher unterzeichneten Verträge das Risiko birgt, dass sie unerfüllt bleiben".

Inzwischen stellte auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) fest, dass die Europäische Union ihr Ziel verfehlen werde, der Ukraine bis März eine Million Artilleriegeschosse zu liefern. "Die eine Million werden nicht erreicht, davon muss man ausgehen", sagte Pistorius bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Zugleich rief er die Rüstungsindustrie dazu auf, ihre Produktion hochzufahren.

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