Erzwungene Notlandung in Barcelona: Migranten fliehen aus Maschine aus Marokko

Eine Frau auf einem Flug von Marokko in die Türkei nötigte ein Flugzeug zur Landung in Spanien, indem sie vorgab, Wehen zu haben. Wie sich nun herausstellte, waren unmittelbar nach dem Aufsetzen der Maschine mehr als zwei Dutzend Passagiere geflohen.

Achtundzwanzig Passagiere sind von Bord eines Flugzeugs von Casablanca ursprünglich Richtung Istanbul geflohen, nachdem ein – wie es sich später herausstellte fingierter – Notfall die Piloten des Flugzeugs zu einer vorzeitigen Landung in der spanischen Stadt Barcelona bewogen hatte. Die örtliche Polizei hat sofort eine Fahndung nach den Flüchtigen eingeleitet, bei denen es sich vermutlich um Migranten handelt.

Das Flugzeug sei am Mittwoch auf dem Flughafen Josep Tarradellas Barcelona-El Prat gelandet, teilten die spanischen Behörden mit und fügten hinzu, dass der Zwischenfall von einer schwangeren Frau herbeigeführt wurde, die demnach vorgegeben hatte, dass ihre Fruchtblase geplatzt  sei und ihre Geburtswehen eingesetzt hätten. Sie wurde später in ein Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte feststellt hätten, dass sie noch nicht kurz vor der Entbindung stünde.

Nach der Notlandung sei Berichten zufolge eine Gruppe von Passagieren sofort aus der Maschine gesprungen und über das Rollfeld davongerannt. Nach einem Polizeieinsatz wurden jedoch 14 Passagiere aufgefunden und festgenommen, darunter auch die schwangere Frau. Wenig später wurden dann zwei weitere Personen, eine davon auf dem Gelände des Flughafens und eine außerhalb, gefunden und ebenfalls festgenommen. Die übrigen geflohenen Passagiere werden allerdings noch weiterhin vermisst.

Nach Angaben der Regierung wurden fünf der aufgegriffenen Fluggäste wieder in das Flugzeug gesetzt, während mindestens acht weitere nach Marokko abgeschoben werden sollen. Die Behörden machten keine näheren Angaben zu allen Migranten, aber zumindest bei einigen besteht der Verdacht, dass sie versucht haben, illegal in das Land einzureisen.

Der Flug mit insgesamt 228 Personen an Bord wurde von der türkischen Fluggesellschaft Pegasus Airlines durchgeführt und sollte ursprünglich direkt von Casablanca nach Istanbul fliegen. Laut Flightradar.com, einer Internetseite zum Verfolgen von Flugverläufen, erreichte die Maschine ihr eigentliches Ziel schließlich mit einer mehrstündigen Verspätung.

Ein ähnlicher Vorfall hatte sich bereits Ende letzten Jahres mit einem anderen Flugzeug auf dem Weg von Marokko in die Türkei ereignet, als ein Mann an Bord Symptome eines diabetischen Anfalls vorgetäuscht und damit eine Notlandung auf den spanischen Balearen veranlasst hatte. Ähnlich zur Aktion am Mittwoch in Barcelona konnten sich damals 24 Passagiere an den Crewmitgliedern vorbeidrängen und aus der Maschine fliehen. In den sozialen Netzwerken kursierten damals Handyaufnahmen, die zeigten, wie die Männer über das Rollfeld des Flughafens Palma de Mallorca rennen. Die Polizei nahm schließlich die Hälfte von ihnen fest. Bis auf einen Palästinenser waren alle Männer marokkanische Staatsbürger. Die zwölf anderen geflüchteten Passagiere wurden jedoch nie gefunden.

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