Jarosław Kaczyński: Alkoholkonsum junger Frauen senkt Geburtenrate in Polen

Polens Ex-Premier Jarosław Kaczyński provoziert mal wieder mit einer gewagten These. Er kritisiert, dass aktuell "viel zu wenige Kinder in Polen geboren werden". Grund dafür sei der maßlose Alkoholkonsum junger Frauen. Eine polnische Abgeordnete bezeichnete ihn als "patriarchalischen alten Opa".

"Nicht zu wenige, sondern viel zu wenige" Kinder kämen nach Ansicht von Ex-Regierungschef Jarosław Kaczyński ("Recht und Gerechtigkeit", kurz PiS) momentan in Polen auf die Welt. Laut Kaczyński finde sich das Problem nicht nur im Bereich mangelnder "materieller Anreize", sondern es handele sich auch "um eine bestimmte Einstellung der Menschen, insbesondere der Frauen, denn es sind die Frauen, die Kinder gebären", zitieren polnische Medien Kaczyński. Den PiS-Parteimitgliedern und anwesenden Journalisten im polnischen Ełk erklärte er weiter:

"Wenn zum Beispiel die Situation anhält, dass junge Frauen bis zum Alter von 25 Jahren genauso viel trinken wie ihre männlichen Altersgenossen, dann wird es keine Kinder geben. Damit ein Mann dem Alkoholismus verfällt, muss er durchschnittlich 20 Jahre lang exzessiv trinken. Der eine länger, der andere kürzer, denn das hängt von persönlichen Eigenschaften ab. Und eine Frau nur zwei (Jahre)."

Er sei "ein aufrichtiger Befürworter der Gleichberechtigung von Frauen, aber ich bin nicht dafür, dass Frauen vorgeben, Männer zu sein, und Männern, die vorgeben, Frauen zu sein, denn das ist etwas völlig anderes", so Kaczyński während seiner Rede auf einer Veranstaltung. Für ihn sei unbestreitbar, "dass Frauen schneller süchtig werden als Männer". Kaczyński ist unverheiratet und hat keine Kinder.

Oppositionspolitikerinnen kritisierten ihn umgehend für seine Äußerungen. Die linke Abgeordnete Joanna Scheuring-Wielgus wird laut dem polnischen Sender TVN24 bei der Ethikkommission des Parlaments beantragen, Kaczyński für seine "schändlichen Äußerungen über Frauen, Alkohol und Fruchtbarkeit zu bestrafen". Scheuring-Wielgus wörtlich im Interview:

"Es ist die Äußerung eines patriarchalischen Opas, der nach zwölf Uhr auf einer traditionellen polnischen Hochzeit solche Trivialitäten von sich gibt."

Offiziellen Statistiken zufolge liegt die aktuelle Geburtenrate in Polen bei rund 1,3 Kindern pro Frau und damit unter dem EU-Durchschnitt. Als mögliche Gründe erklärte Scheuring-Wielgus:

"Polnische Frauen können in Polen nicht gebären, weil sie sich hier nicht sicher und finanziell stabil fühlen. Ich möchte darauf hinweisen, dass jede fünfte erwerbstätige polnische Frau etwa den Mindestlohn erhält. Zweitens wollen polnische Frauen keine Kinder haben, weil sie nirgendwo leben können. In Polen fehlen zwei Millionen Wohnungen, und die meisten jungen Menschen leben noch bei ihren Eltern."

Zudem hätten polnische Frauen "Angst vor der Geburt, weil sie nicht die Sicherheit haben, einen Gynäkologen aufzusuchen. Der Zugang zu einem Gynäkologen in Polen im Allgemeinen ist denjenigen polnischen Frauen vorbehalten, die Geld haben", so die linke Abgeordnete. Katarzyna Lubnauer, Abgeordnete der Bürgerlichen Koalition, kommentierte gegenüber Onet Wiadomości: "Wir haben es hier mit den Tiraden eines älteren Mannes zu tun, der sich von der Realität entfernt hat." Die Behauptungen seien schlicht eine "beleidigende Dummheit für Frauen", so Lubnauer und weiter:

"Dummheiten, die für Frauen beleidigend sind und von einem Mann erzählt werden, um davon abzulenken, dass wir eine dramatische Situation in Bezug auf die Inflation und die Geburtenrate haben, aber aus Gründen, die von der Regierung abhängen und nichts mit den Lebensentscheidungen der Frauen zu tun haben." 

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