Junge Freiwillige in Riga bilden über Nacht einen Siegesstern aus Blumen

Die Stadtregierung Rigas sperrte am Tag des Sieges teilweise den Zugang zum sowjetischen Ehrenmal, und die Menschen konnten ihre Blumen nicht selbständig niederlegen. So entstand ein Blumenteppich, der für eine Aktivisten-Gruppe zu dünn und unordentlich aussah.

Am 9. Mai haben die städtischen Behörden aufgrund der Pandemie-Situation den Zugang zum Denkmal mit Barrieren gesperrt. Die Besucher mussten eine Schleuse passieren und die mitgebrachten Blumen an städtische Mitarbeiter abgeben, um eine Gruppenbildung zu verhindern. Sie legten die Blumen in Reihen auf dem Asphalt um das Denkmal herum aus.

Das hatte zur Folge, dass der Sockel des Denkmals nicht wie üblich mit Blumen bedeckt wurde und die Blumen kaum sichtbar waren. Im Laufe des Tages haben das Denkmal nach verschiedenen Angaben zwischen 10.000 und 20.000 Menschen besucht. Aufgrund der Gesetzgebung, die es verbietet, sowjetische Symbole in der Öffentlichkeit zu zeigen, durften sie keine historische Militäruniform, Abzeichen oder Georgsbänder tragen. So ist ähnlich wie in der Ukraine Sowjetstern mit dem Hakenkreuz der Nazis gleichgesetzt. 

Wie auch in anderen baltischen Staaten ist die Situation in Lettland wegen der Umdeutung der Geschichte und unterschiedlichen Sichtweisen auf die Rolle der Nazikollaborateure im Zweiten Weltkrieg angespannt. Außerdem beklagen Vertreter der russischen Minderheit Lettlands seit Jahrzehnten Assimilationsdruck und die politische Verfolgung der Aktivisten.

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Die freiwilligen Helfer der gemeinnützigen Organisation 9Maija.lv ("9. Mai"), die sich um die Veteranen des Zweiten Weltkrieges kümmern und Veranstaltungen zu Ehren der Befreier organisieren, sind spätabends mit dem Ziel zum Denkmal gekommen, die Blumen auf dem Sockel zu platzieren. "Damit man sieht, wie viele Blumen die Menschen tatsächlich am Tag des Sieges mitgebracht haben", begründeten sie später ihre Aktion.

Mithilfe der Passanten haben sie sich für etwas anderes entschieden und einen Stern aus Blumen gelegt. Ihre Aktion teilten die Aktivisten auf Facebook. Schnell erreichte das Posting mit über 6.500 Likes große Reichweite, und über die Aktion wurde in russischen Medien berichtet.

Viele russischsprachige Nutzer aus aller Welt bejubelten die Freiwilligen für ihre Erinnerungsarbeit und ihren Erfindungsgeist. Einer von ihnen nannte den Zug "das coolste Trolling", der Respekt abnötige. Zur ihrer eigenen Motivation schrieben die freiwilligen Helfer Folgendes: 

"Unsere Großeltern haben uns vom Tag des Sieges erzählt. Man kann die Geschichtsbücher wieder und wieder umschreiben und sich weiterhin fragen: Warum versammeln sie sich immer noch an diesem Tag? Und die Antwort ist einfach: Wir kennen die wahre Geschichte, wir kennen sie aus erster Hand. Kein Lehrbuch kann die lebendigen Geschichten unserer Veteranen ersetzen.

Heute zollen wir unseren Veteranen Tribut. Mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit legen wir Blumen am Denkmal nieder. Wir versuchen, die Erinnerung an unsere Vorfahren in uns zu verankern. Ihren Schmerz. Ihren Willen. Ihren Mut. Ihre Freude. Es sind diese Gefühle, die das heutige Fest heilig machen."

Der ehemalige Bürgermeister Rigas Nil Uschakow bedankte sich bei ihnen: "Die ganze Nacht hindurch haben junge Leute am Denkmal der Befreier Blumen gesammelt. Dank unserer jungen Leute wissen wir, dass der Tag des Sieges in Lettland war, ist und sein wird!"

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