"Wir kommen, um zu arbeiten": Weißrussisches Kühlschrankwerk Atlant ignoriert Streikaufrufe

In Weißrussland steigt der Druck auf den langjährigen Präsidenten Alexander Lukaschenko. Mitarbeiter des staatlichen Fernsehens und einige Staatsbetriebe streiken. Bei Atlant, einem weißrussischen Haushaltsgerätehersteller, geht der Betrieb jedoch normal weiter.

Trotz massiver Streiks und Proteste gegen den weißrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko gibt es in Minsk auch Betriebe, die normal weiterarbeiten. So auch die Fabrik Atlant, in der Haushaltsgeräte – vor allem Kühlschränke – hergestellt werden. Wie Arbeiter der Fabrik erklären, sei die Sommersaison die Zeit, in der die Leute vermehrt Kühlschränke kaufen. Daher wurde der Produktionsplan sogar verdoppelt. Um den Betrieb der Produktionslinien zu gewährleisten, werden zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Auch Studenten seien im Rahmen eines Praktikums tätig. 

Galina Galizkaja, eine Schlosserin, die seit 16 Jahren im Werk tätig ist, sagte gegenüber Journalisten, die Protestler hätten auf die Fabrikarbeiter am Eingang gewartet und sie gebeten, sich den Streiks anzuschließen. Da sie jedoch ihre Familie ernähren müsse, wolle sie weiterarbeiten. Außerdem gefalle ihr der Job. Streiks hätten keinen Sinn, so Galizkaja. Sie erklärte:

Wir haben die ganze Zeit weitergearbeitet, ohne zu unterbrechen. Ich will nicht streiken, weil ich arbeiten und mein Gehalt bekommen will. Mein Mann kommt aus der Ukraine. Er betet jetzt, dass sich das Szenario nicht wiederholt. Wir beachten die Provokateure nicht.

Nikolai Swiridowitsch, ein Brigadeleiter, der seit 40 Jahren in der Fabrik tätig ist, sagte:

Wir arbeiten stabil weiter. Wir hatten nicht den Gedanken, an Streiks teilzunehmen. Wir kommen, um zu arbeiten. Und wir wollen arbeiten. Der Betrieb kann nicht stillgelegt werden. Wenn wir einen oder zwei oder drei Tage lang streiken, verlieren wir den Absatzmarkt. Daher arbeiten wir stabil weiter. Gedanken, dass man streiken könnte, gibt es nicht.

Andrei Guljuk, ein weiterer Brigadeleiter, sagte, der Sommer sei immer Hochsaison, was die Verkäufe betrifft. Auch deshalb wolle niemand seine Arbeit niederlegen:   

Streiken kann und will ich nicht. Die Arbeit bedeutet für mich alles. Sie ist meine einzige Einkommensquelle. Bei uns im Kollektiv entscheidet jeder für sich, ob er zur Arbeit gehen soll oder nicht. Unsere Leute sind verantwortungsbewusst. In meiner Brigade gibt es niemanden, der gesagt hat, er wolle nicht arbeiten.

In Weißrussland waren nach den Präsidentschaftswahlen am 9. August Proteste und Streiks ausgebrochen. Seit Montag sind viele Menschen in den Staatsbetrieben in den Streik getreten, um Lukaschenko zum Rücktritt zu zwingen. Auch die Staatsmedien haben seit Montag Sendeprobleme, weil Mitarbeiter im Streik sind oder gekündigt haben. 

Es sind die größten Demonstrationen in der ehemaligen Sowjetrepublik. Lukaschenko hatte sich trotz massiver Manipulationsvorwürfe zum Sieger mit 80 Prozent der Stimmen erklären lassen. Er bestätigte am Mittwochabend auch die Regierung; alle Minister behielten ihren Posten. Die EU-Staaten entschieden hingegen, das Wahlergebnis in Weißrussland nicht anzuerkennen.