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Vorläufige Wahlergebnisse in Weißrussland: Alexander Lukaschenko führt mit 80 Prozent

Am Sonntag hat Weißrussland sein Staatsoberhaupt gewählt. Rund 6,8 Millionen Wahlberechtigte konnten für einen der fünf Kandidaten votieren. Danach kam es landesweit zu Protesten. Am Montag wurden die Ergebnisse mitgeteilt: Alexander Lukaschenko führt mit 80 Prozent.
Vorläufige Wahlergebnisse in Weißrussland: Alexander Lukaschenko führt mit 80 Prozent© RT

Nach der turbulenten Nacht mit Protestaktionen und einem harten Durchgreifen der Polizei hat die Zentrale Wahlkommission Weißrusslands am Montagmorgen in Minsk vorläufige Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen bekanntgegeben. Der amtierende Staatschef Alexander Lukaschenko gewann demnach mit 80,23 Prozent der Stimmen. Seine wichtigste Herausforderin Swetlana Tichanowskaja konnte 9,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Die Wahlbeteiligung betrug 84,23 Prozent.  

Alexander Lukaschenko — 80,23 Prozent

Swetlana Tichanowskaja — 9,9 Prozent

Anna Kanopazkaja — 1,68 Prozent

Andrei Dmitrijew — 1,04 Prozent

Sergei Tscheretschen — 1,13 Prozent 

Gegen alle Kandidaten — 6,02 Prozent

Nach Angaben der Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission Lidija Jermoschina wurden die mit der Stimmenauszählung beauftragten Mitarbeiter gegen Mitternacht (MESZ) aus dem Haus der Regierung in Minsk evakuiert. Am Montagmorgen war die Website der Wahlkommission nicht abrufbar. Auch die Internetseiten vieler Medien wie Belta.by und Tut.by waren unzugänglich. Von Alexander Lukaschenko gab es zunächst keine Reaktion. Seine Rivalin Swetlana Tichanowskaja kündigte an, keine Niederlage anzuerkennen. In vielen Wahllokalen soll sie nach Angaben ihres Stabs haushoch gewonnen haben.

Die Lage in der weißrussischen Hauptstadt Minsk beruhigte sich erst in den frühen Morgenstunden. Demonstranten kehrten nach Hause zurück, was sich aber als problematisch erwies: Taxis konnten das abgesperrte Stadtzentrum nicht erreichen und Carsharing-Dienste waren nicht zugänglich, weil das Internet weitgehend nicht funktionierte. Es gab Dutzende Festnahmen und viele Verletzte. Die genaue Zahl bleibt unklar. Das Innenministerium bestätigte den Einsatz von Spezialtechnik und Blendgranaten gegen die Demonstranten. 

Menschenrechtler Walentin Stefanowitsch von der Organisation Wesna sagte, dass es bei den Protesten in Minsk auch einen Toten gegeben habe. Nach Angaben des weißrussischen Innenministeriums gab es keine Toten. Auf Videos waren blutende Schwerverletzte zu sehen. Augenzeugen filmten auch eine Szene, wie ein Gefangenentransporter einen Menschen überfuhr. Der Zustand des Opfers ist bislang ungewiss.

In sozialen Netzwerken kündigten Aktivisten neue Proteste an. Am Montagmorgen teilte das Ermittlungskomitee Weißrusslands seinerseits mit, Strafverfahren wegen der nächtlichen Ausschreitungen und der Gewaltanwendung gegen Polizeikräfte in Minsk und anderen Städten eingeleitet zu haben. Wie der Behördenchef Iwan Noskewitsch mitteilte, seien Dutzende Polizisten verletzt worden.

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